Bayerisches Armeemuseum

Ingolstädter Museum in prachtvollen Bauten

Das größte und bedeutendste militärgeschichtliche Museum Deutschlands steht in Ingolstadt. Das Bayerische Armeemuseum präsentiert großartige und kuriose Exponate.

Stramm in Reih’ und Glied stehen die Harnische, edle Schwerter kreuzen die Klingen, längst verstummt erinnern mächtige Geschützrohre an verblasste Glorie. Schmucke Uniformen künden vom Stolz vieler Generationen. Wie Kinderspielzeug wirken die prächtigen Dioramen mit ihren Zinnfiguren, doch stellen sie reale Schlachtenverläufe dar. Eindrucksvolle Beutestücke zieren die Räume, wie zum Beispiel das Wohnzelt eines türkischen Großwesirs, dem Feind abgetrotzt in der Schlacht bei Mohács im südlichen Ungarn im August 1687, oder der türkische Prunksattel, wie ihn verdiente osmanische Heerführer als Geschenk erhielten.

Schrecken des Krieges

Doch nicht nur von Glanz und Ruhm vergangener Waffengänge künden die Schätze des Bayerischen Armeemuseums, sie gemahnen auch an die Schrecken des Krieges, an das Leid, das bewaffnete Auseinandersetzungen über Soldaten und Zivilbevölkerung gebracht haben. Allerdings war der Krieg als letztes Mittel politischer Kontroversen in der Vergangenheit bei weitem nicht so geächtet wie im europäischen Kulturkreis unserer Tage.

Gesammelte Kriegsbeute

In diesen früheren Zeiten stand das Militär in höherem Ansehen als heute, galt der Krieg sogar als „Vater aller Dinge“ (Heraklit). Erfolgreiche Militärführer haben seit jeher seltene und kuriose Stücke als Kriegsbeute gesammelt. Etwa seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden sie in den so genannten Zeughäusern abgelegt, wo auch die Gebrauchswaffen gelagert waren. Erst die Französische Revolution und das 19. Jahrhundert brachten eine museale Aufbereitung von erbeuteten Stücken.

Einflussreiche Offiziere

In Bayern begannen einflussreiche Offiziere in den 1860er Jahren mit dem systematischen Sammeln historischer Waffen, die man in der Haupthalle des Zeughauses am Münchner Oberwiesenfeld aufstellte. Doch die Exponate wurden zunächst wie eine Sammlung von Privatleuten behandelt: Man zeigte sie Freunden und Standesgenossen oder bestenfalls „vornehmen Fremden“.

Der König unterschrieb

Eine Wende brachte der Krieg von 1870/71: Aus Nationalstolz wollte das Militär seine Beute der Öffentlichkeit präsentieren. Der damalige Inspekteur der Artillerie und des Trains, ein General Graf von Bothmer, schlug seinem Kriegsminister General Joseph Ritter von Maillinger die Gründung eines Armeemuseums vor. Der Minister unterbreitete dies König Ludwig II., der den entsprechenden Erlass am 3. Oktober 1879 unterschrieb – die Geburtsstunde des Bayerischen Armeemuseums.

Monumentaler Bau

Zunächst blieben die Bestände des neuen Museums im Zeughaus am Oberwiesenfeld. Im Jahre 1905 schließlich wurde im Münchner Hofgarten jener monumentale Bau errichtet, der heute das Zentrum der Bayerischen Staatskanzlei markiert. Auch für die Forschung wurden mit dem Neubau ideale Voraussetzungen geschaffen, da nicht nur die Exponate eine neue Heimstatt fanden, sondern auch das Kriegsarchiv und die Armeebibliothek. Die erste Krise für das neue Museum ließ allerdings nicht lang auf sich warten: Mit der Auflösung der Bayerischen Armee am Ende des Ersten Weltkrieges wurde deren Museum zunächst der Reichswehr, dann der Wehrmacht unterstellt. Im Zuge der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten hieß das Haus schließlich „Heeresmuseum München“.

Bombenschäden

Fliegerbomben trafen im Frühjahr 1945 die beiden Seitenflügel des Museums, die Zerstörung von Bausubstanz und Teilen der Sammlung war beträchtlich. In den Wirren nach Kriegsende verlor das Armeemuseum weitere wertvolle Stücke an Plünderer: Medaillen, Miniaturbilder, Orden, die Türkenfahne von der Eroberung Belgrads oder die Tilly-Reliquien. Die unversehrten Bestände wurden im Dachgeschoß des Bayerischen Nationalmuseums gelagert, gerettet von dessen Generaldirektor Theodor Müller. Die konservatorische Betreuung übernahm Alexander von Reitzenstein.

Städtebauliche Akzente

Aufgrund der Nachwirkungen des Krieges formierte sich in den 1960er Jahren eine heftige Opposition gegen die Wiedereröffnung des Armeemuseums. Viele Menschen werteten nach den traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft ein derartiges Vorhaben als Huldigung an Gewalt und Verderben. Für zahlreiche Soldaten bedeutete die geplante Verlegung des Museums von München nach Ingolstadt auch gleichsam eine Degradierung. Doch die Befürworter historischer Darstellung und der damit verbundenen Aufarbeitung der Geschichte setzten sich durch, und so wurde das Bayerische Armeemuseum 1972 im Ingolstädter Neuen Schloss unter der Leitung von Peter Jäckel erneut eröffnet. Seitdem hat sich das Museum noch beträchtlich erweitert, wodurch auch städtebaulich Akzente gesetzt wurden: Für die Landesgartenschau 1992 gestaltete man das südliche Donauufer mit den Festungsanlagen auf Höhe des Neuen Schlosses um. Dieses Areal heißt nun Klenze-Park und beherbergt das Reduit Tilly, wo seit 1994 die Abteilung Erster Weltkrieg zu sehen ist.

Originalobjekte

Ähnlich wie die Abteilungen vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zeigt die jüngste Erweiterung des Armeemuseums die Geschichte des Ersten Weltkrieges in Originalobjekten (zum Beispiel der Waffenrock von Pater Rupert Mayer), Fotos, Gemälden und Zeichnungen. Doch nicht nur das reine Kriegsgeschehen wird dokumentiert, auch die Leiden und Entbehrungen der Zivilbevölkerung erhalten angemessenen Platz.

Information:

Bayerisches Armeemuseum

Paradeplatz 4

85049 Ingolstadt

Telefon 08 41/93 77-0

Internet: www.bayerisches-armeemuseum.de

Dr. Peter Baier, privat

Peter Baier - Dr. Peter Baier, Kurzbiographie: Geboren am 10. November 1957 in Ingolstadt. Dort humanistisches Gymnasium, Abitur. Studium der ...

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