
- vl. Prof. Dr. Harro Bode, Ralf Witzel (MdL), Prof. - Tanja Josefa Figlus
Unmittelbar zu Beginn dieses Jahres fand in Essen Rüttenscheid die Talkrunde zum Thema „Das Kulturhauptstadtjahr 2010 - Bilanz und Perspektiven für die weitere Regionalentwicklung“ statt. Besondere Gäste waren der Künstlerische Direktor des Kulturhauptstadtbüros RUHR.2010 Prof. Dieter Gorny (auch bekannt als früherer Gründer des Musiksenders VIVA) und vom Verein PRO RUHRGEBIET deren Vizevorsitzender Prof. Dr. Harro Bode, sowie Ralf Witzel, MdL.
Essen, Kulturhauptstadt 2010
Nach dem erfolgreichen Jahr 2010, fragen sich viele Leute, was nun mit Essen passieren soll. Die meisten denken mit Begeisterung an das vergangene Jahr zurück. Die Stadt hat sich positiv verändert und jeder hatte die Möglichkeit, Teil dieser Veränderung zu sein. Man erinnert sich gerne an Veranstaltungen wie das große Stillleben, oder den flying grass carpet in unmittelbarer Näher des Essener Hauptbahnhofs. Touristen aus der ganzen Welt konnten Kultur, verbunden mit zahlreichen Attraktionen genießen, welche die Essener präsentierten. Man kann klar sagen, dass sie dies mit Stolz taten. Waren doch die vergangen 20 Jahre geprägt von einer trostlosen Industrielandschaft, so spürt man jetzt geradezu den Wandel. Vom Ruhrpott zum Kulturpott. Das kulturelle Angebot im vergangenen Jahr war so vielfältig, dass man sich nun fragt: „Wie soll dieser Zustand aufrecht erhalten werden?“
Einer, der sich bereits darüber Gedanken gemacht hat ist, Prof. Dieter Gorny. Dieser möchte erreichen, dass Essen zum „hottesten Spot“ in Europa wird. Gute Voraussetzungen dazu sind gewiss gegeben. Als Zentrum Europas und mit logistischen Vorteilen hat Essen eine gute Chance auch weiterhin im Gespräch zu bleiben. Allerdings sind wir dabei auch auf ein „positives feedback von außen angewiesen“, so Prof. Dr. Bode. Es ist wichtig für den regionalen Stolz stetig Wettbewerbsfähig zu bleiben, was auch durchaus realisierbar scheint. Obwohl jetzt verstärkt auf das kulturelle Angebot geachtet wird, soll die Industrie dabei nicht zum Erliegen kommen, „wir stehen zum Industriestandpunkt“, so Ralf Witzel. Neben alten traditionellen Wurzeln sollen somit auch neue Traditionen gefördert werden. Essen soll auch weiterhin keinen „Widerstand zwischen Markt und Kultur“ verzeichnen.
Doch wie sind die Reaktionen der Einwohner?
Man fasse auch eine Problematik ins Auge. Immer mehr Jugendliche verlassen die Stadt, „die Region blutet aus“, so Prof. Gorny. Das Bewusstsein der Jugendlichen, in einer Metropole zu leben, ist derzeitig noch nicht verankert. Trotz des vielfältigen Angebots scheint es, als ob sich der regionale Stolz noch nicht ausgebreitet hat. Eine Alternative würde ein verstärktes Engagement in den Schulen sein, um Kinder und Jugendliche auf das Regionale Angebot aufmerksam zu machen und somit eventuell verstärkte Eigeninitiative zu fördern. Trotz allem scheint sich allerdings das „Wir-Gefühl“ verstärkt zu haben, so Prof. Gorny. Das momentane Problem liegt somit darin, eine neue Identität zu finden. Daher soll der bedeutsame Kulturzweig nicht abrupt zum Erliegen kommen aber auch die Industrie muss weiterhin gestärkt werden, um der Konkurrenz gewachsen zu sein. Was in der Zukunft folgt, scheint wohl eine komplette Neuorientierung zu sein.
Die Resultate des Abends
Als Fazit bleibt nach Prof. Dr. Bode, dass wir auf jeden Fall stolz auf unsere Stadt sein können. Obwohl noch nicht klar ist, was das Kulturhauptstadtjahr bei den Menschen ausgelöst hat, kann man doch sagen, dass ein enormes Zukunftspotential in der weiteren Entwicklung erkennbar ist.
