Rumäniens Banknoten und ihre klugen Köpfe

Millionär wurde Ion Luca Caragiale selbst nicht... - Dirk Buschmann
Millionär wurde Ion Luca Caragiale selbst nicht... - Dirk Buschmann
Seit einer Nullenstreichung im Jahre 2005 ist in Rumänien der „Neue Leu" Landeswährung. Die Personen auf den Scheinen aber blieben erhalten.

Der „Rumänische Leu“ (Mehrzahl: Lei) hat seinen Namen angeblich von Löwengulden aus den Niederlanden, die im 18. Jahrhundert im heutigen Rumänien kursiert sein sollen. Der heutige Leu („Rumänischer Neuer Leu – Kürzel RON“) wurde am 1. Juli 2005 eingeführt, weil die bisherige Landeswährung durch die postkommunistische Inflation vollkommen ruiniert war.

Der neue Leu entstand, indem die Regierung ganz einfach vier Nullen wegstrich (aus einer Million Lei wurden dadurch 100 Neue Lei), die alten Lei-Münzen durch neue „Bani“ ersetzte (hundert alte Lei ergaben einen Bani) und die alten Geldscheine in verkleinertem Format und mit neuem Nennwert drucken ließ. Nicht verändert dagegen wurden die Motive auf den Banknoten. Sie ehren herausragende Personen aus der rumänischen Geschichte: Pioniere der Sprache, Kunst und Technik.

Politik und Schöne Künste

Die 1-Leu-Banknote ehrt den Verleger, Schriftsteller und Politiker Nicolae Iorga. Geboren 1871 in Botosani, studierte er u.a. in Leipzig und Berlin und machte von 1910 bis 1932 als Gründer gleich dreier Parteien von sich reden - das National-Demokratische Lager Rumäniens war seinerzeit recht zerstritten. Diese ständigen Querelen beschränkten auch seine Amtszeit als Ministerpräsident (also Regierungschef) Rumäniens auf 13 Monate, von April 1931 bis 1932. Abseits der Staatspolitik machte sich Iorga als Patron der Pfadfinder-Bewegung und als, zeitweise, größtem rumänischen Verleger einen Namen. Dem gemäßigten Antisemiten wurde ausgerechnet ein scharf formulierter Artikel gegen die rumänischen Faschisten („Legion des Erzengels Michael“) zum Verhängnis: 1940 wurde der 69jährige ermordet.

Das Haupt der 2-Lei-Note, Georghe Enescu (1881 – 1955) war ein musikalisches Wunderkind. Begann er seine Karriere als umjubelter Violinist in Wien, wurde er später in Paris als Musiklehrer bekannt. In seiner Heimat kennt man ihn vor allem als Komponist und Dirigent – er schrieb einige heute noch populäre Musikstücke und eröffnete 1932 als Dirigent die Nationaloper in Bukarest. Nach dem 2. Weltkrieg siedelte er endgültig in seine Wahlheimat Frankreich um – unter den Kommunisten wollte er nicht leben. Er liegt auf dem Pariser Friedhof „Pére Lachaise“ begraben.

Der „Zehner“ ist dem Maler und Kunstwissenschaftler Nicolae Grigorescu (1838 - 1907) gewidmet. Er gilt als Begründer der „modernen Rumänischen Schule“, die sich der naturgetreuen Darstellung ihrer Objekte zuwandte und sich von den überkommenen Allegorien (vor allem der religiösen Kunst jener Zeit) verabschiedete. Grigorescus Steckenpferd war das Leben der rumänischen Bauern, daher wird er in gewissen Kreisen bis heute als „Maler der wahren rumänischen Seele“ gefeiert.

Rumänischer Sprach-Kultur und andere Höhenflüge

Den 50-Lei-Schein ziert Aurel Vlaicu, einem Flugzeug-Pionier (1882-1913). Ähnlich wie Otto Lilienthal, kam Vlaicu schon in jungen Jahren bei einem seiner Flugversuche ums Leben. Nach ihm ist der Flughafen von Baneasa (Bukarest) benannt. Auch wurden in Rumänien vier Ortschaften nach ihm benannt, ähnlich wie bei dem Gesicht des „Hunderters“ – dem Schriftsteller und Dramatiker Ion Luca Caragiale. 1852 in Haimanale (heute „Caragiale“) geboren, wurde er zwischen 1880 und 1890 für seine kritischen Bühnenstücke bekannt. Seine Satiren und Komödien hatten den Kleingeist, die Engstirnigkeit und Überheblichkeit der sogenannten etablierten Kreise seiner Heimat zum Ziel – was ihn zu Lebzeiten etwa so „beliebt“ machte wie Hendrik Ibsen in Norwegen oder Gerhart Hauptmann im Deutschen Kaiserreich. Nach 1890 beschränkte sich Caragiale auf Essays und Erzählungen mit märchenhaft/mythischem Hintergrund.

Das Motiv des 200-Lei-Scheins, Lucian Blaga (1895-1961), war ein wahrer Tausendsassa der rumänischen Sprache. Sein Lebenslauf bezeichnet ihn als „Dichter, Diplomat (u.a. Botschafter in Portugal 1936-39), Journalist, Philosoph, Sprachwissenschaftler und Übersetzer“ – eine Karriere, die einem Johann Wolfgang Goethe oder den Gebrüdern Grimm in nichts nachsteht. Doch so wie dieser „nur“ als Dichter, jene „nur“ als Märchensammler populär blieben, kennt ihn der Rumäne zumeist nur als Dramatiker. 1956 wurde Lucian Blaga für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, wogegen allerdings seine eigene Regierung protestierte – Blaga hatte sich mit seiner freien Sprache bei den Kommunisten keine Freunde gemacht.

Die 500-Lei-Banknote ist dem wohl bekanntesten Künstler Rumäniens vorbehalten: Mihai Eminescu (1850 – 1889) gilt als der Nationaldichter Rumäniens überhaupt. Eminescu übersetzte – neben seiner unerschöpflichen Tätigkeit als Dichter, der das Rumänische so klar und geschliffen handhabte wie niemand vor ihm – zahllose Gedichte aus anderen Sprachen, v.a. Deutsch, ins Rumänische, und verschaffte diesem damit die nötige Anerkennung, um Staatssprache des neu formierten Vielvölkerstaats Rumänien zu werden. Trotz oder gerade wegen seiner slawischen Abstammung (er wurde als „Mihai Eminovici“ in der Moldau-Region geboren) machte er aus seiner nationalen Einstellung keinen Hehl. Als Poet gefeiert und als Bibliothekar versorgt, wurde Eminescu jedoch zeit seines Lebens nicht glücklich: Wurzel seiner Bewunderung für den Pessimisten Arthur Schopenhauer (diese hatte seine Beschäftigung mit der deutschen Sprache eingeleitet) und seiner fast manischen Arbeitswut war letztlich der in Eminescus Familie festsitzende Hang zur Depression. Eminescu starb 1889 in einem Sanatorium, nachdem er allen Lebensmut verloren hatte.

Literatur:

  • Ebba Hagenberg-Milio: „Rumänien – Dumont richtig reisen“, Bramsche 1998

Foto: © Dirk Buschmann

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

rss