Rumtopf: Beschwipste Früchte, ein Genuss in der kalten Jahreszeit

Rumtopf - Christine Braune / PIXELIO
Rumtopf - Christine Braune / PIXELIO
Saisonale Früchte im Sommer in hochprozentigen Rum einlegen. Am ersten Advent oder Nikolaustag darf der Rumtopf erstmals probiert werden.

Rumtopf, das klingt nach Omas Rezept und scheint so gar nicht mehr zeitgemäß. Doch mit den eingelegten Früchten lässt sich wunderbar ein schnelles Dessert für die kalte Jahreszeit zaubern. In kleine Gläschen abgefüllt und hübsch verpackt, sind sie ein willkommenes Mitbringsel oder auch Nikolausgeschenk. Und nach einem langen Spaziergang in feuchtkalter Herbstluft kommen die beschwipsten Früchtchen zum Tee gerade recht und wärmen Körper und Seele.

Was man für einen Rumtopf braucht

Das wichtigste Utensil ist ein glasierter Steingut- oder Keramiktopf mit gut schließendem Deckel. Wer Glück hat, findet noch einen in Großmutters Nachlass. Schnäppchenjäger machen sich auf dem Flohmarkt oder bei Ebay auf die Suche. Und für alle anderen führt der Weg ins Kaufhaus oder Haushaltsgeschäft. Zum Umrühren benutzt man einen Metall- oder Kunststofflöffel.

Dann benötigt man natürlich das Wesentlichste, die Früchte und Zucker. Die Obstsorten ergeben sich je nach dem Angebot der Saison, wie der Garten sie gerade hervorbringt und ganz nach dem persönlichen Geschmack. Des Weiteren muss ein hochprozentiger Rum her, mindestens 54 Prozent Alkohol soll er haben, damit die Früchte gut konserviert werden und nicht anfangen zu gären.

Wie man einen Rumtopf ansetzt

Die jeweilige Menge einer Obstsorte hängt von der Größe des Gefäßes oder dem gewünschten Mischungsverhältnis der Früchte ab. In jedem Fall aber heißt es: ein Anteil Zucker auf zwei Teile Frucht. Die gezuckerte Fruchtschicht wird in den Topf gelegt. Danach gießt man so viel Rum darüber, dass die Früchte gut bedeckt sind. Ist die erste Schicht eingelegt, schaut man tunlichst einige Tage später nach. Haben die Früchte schon sehr viel Alkohol aufgesogen, muss hinzugegossen werden. So wird Schicht für Schicht in den Rumtopf eingelegt, der dunkel und kühl (aber nicht im Kühlschrank) aufbewahrt wird. Dabei ist es ratsam, von Zeit zu Zeit zu kontrollieren, ob noch alles in Ordnung ist. Sollte sich eine Schaumschicht zeigen, dann gärt der Rumtopf. Ein Rettungsversuch kann unternommen werden, indem reiner Alkohol aus der Apotheke hinzugesetzt wird.

Die Art der Früchte und ihre Zubereitung

Die Saison wird von den Erdbeeren eröffnet. Diese werden sorgfältig gewaschen, auf Küchenkrepp getrocknet und vom Blütenansatz befreit. Große Früchte halbieren. Dabei ist darauf zu achten, dass nur einwandfreies Obst verwandt wird. Selbst die kleinste Druckstelle wird nicht akzeptiert. Da heißt es ganz wie bei Aschenputtel: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Diese Regel gilt übrigens auch für alle anderen Obstsorten. Zu den Erdbeeren sei noch angemerkt, sie werden im Topf sehr weich. Wer diese Konsistenz nicht mag, lässt sie einfach weg, denn es ist jedem überlassen, wie er seinen Rumtopf zubereitet.

Auf die Erdbeeren folgen die Kirschen, die gleichfalls gewaschen, getrocknet, vom Stiel und den Steinen befreit werden. Dabei gilt, ob Süß-, Glas- oder Sauerkirschen, erlaubt ist, was gefällt. Danach folgen Nektarinen, Pfirsiche oder Aprikosen. Nach dem Waschen kurz in kochendes Wasser legen, kalt abspülen und die Haut abziehen. Dann halbieren, den Stein herauslösen und in Spalten schneiden bzw. die Aprikosen vierteln.

Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren. Bei den Beeren ist aufzupassen. Sie gären recht schnell, wurde beim Waschen, Trocknen und vor allem beim Aussortieren der schlechten Früchte nicht große Sorgfalt aufgewandt. Wer kein Risiko eingehen will, verzichtet lieber auf Beeren.

Den Abschluss der Steinfrüchte bilden die Pflaumen oder Zwetschgen, die ein besonders schönes Aroma entfalten. Auch hier heißt es wieder: waschen, trocken tupfen, halbieren und den Stein herauslösen. Jetzt ist auch der Zeitpunkt, wo eine Zimtstange und Sternanis hinzugefügt werden können, will man dem Rumtopf diese würzige Geschmacksrichtung verleihen, die in der Advents- und Weihnachtszeit sehr beliebt ist.

Knackig wird es zum Schluss, wenn Birnen und Äpfel reif sind. Schälen, vom Gehäuse befreien und in eher kleine mundgerechte Stücke schneiden. Bei den Birnen bietet sich die aromatische Abate oder Williams-Christ-Birne an, und wer einen mürben aromatischen Apfel bevorzugt, wählt einen Elstar oder Jonagold.

Wann und wie man den Rumtopf genießt

Bevor der Rumtopf auf den Tisch kommt, muss er gut durchziehen. So ist traditionell bis zum ersten Advent oder Nikolaustag zu warten. Es sei nochmals daran erinnert, dass er kühl und dunkel stehen soll und ab und zu beobachtet werden muss. Er sollte aber auch sicher vor Naschkatzen aufbewahrt werden, und vor allem für Kinder nicht erreichbar sein.

Die eingelegten Früchte eignen sich hervorragend als Zugabe zu Vanilleeis oder Sahnepudding. Auch zu einem Stück Gugelhupf können sie zusammen mit einem Sahnehäubchen serviert werden. Ein kleines Schälchen so verkostet, ist auch nicht zu verachten. Aber aufgepasst, die kleinen Früchtchen sind nicht nur süß und reich an Kalorien, sondern auch reichlich vom hochprozentigen Alkohol getränkt. Also Vorsicht, wer noch Auto fahren will!

Bildnachweis:

  1. Christine Braune / pixelio.de
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Vera Carius, Sieke-Marthe Hamann

Vera Carius - Meine Geburtsstadt ist Hannover, dort wo man angeblich das beste Deutsch spricht. Nach dem Studium der Romanistik und Geschichte in ...

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