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Welcher Wein gehört in welches Glas? Dürfen Weingläser in die Spülmaschine? Und wie werden die edlen Tropfen richtig gelagert? Antworten auf diese Fragen gibt die Hamburger Sommelière Ina Finn.
Suite101: Frau Finn, geht man in ein Glas-Fachgeschäft, gewinnt man den Eindruck, für jeden Wein gibt es ein anderes Glas. Wie findet man sich hier als Nicht-Experte zurecht?
Ina Finn: Für den alltäglichen Weingenuss reichen universelle Weingläser für Weißwein und Rotwein. Werden die Weinqualitäten allerdings ausgefallener und hochwertiger, verschenkt man mit einem zu kleinen Glas viel Genuss und Geschmack. Deshalb eignet sich für kräftigere Weißweine, auch im Holzfass gereift, ein bauchiges Burgunderglas am besten. Für kräftige Rotweine mit viel Tannin und entsprechend Power, benötigt man ein Bordeauxglas.
Suite 101: Dürfen Weingläser in die Geschirrspülmaschine?
Ina Finn: Dünnwandige Gläser mit feinem Stiel sollten Sie mit der Hand spülen, robustere Weingläser können auch in die Spülmaschine. Die Spültemperatur sollte allerdings maximal 55 Grad betragen, sonst wird das Glas porös und damit zerbrechlicher oder auch trübe.
Suite 101: Nach dem Waschgang wirken die Gläser meistens ein bisschen trüb. Wie erhalte ich den gewünschten Glanz?
Ina Finn: Weingläser sollten immer poliert werden. Allein schon, damit mögliche Spülmittelreste den Weingenuss nicht beeinträchtigen. Verwenden Sie auf jeden Fall Geschirrhandtücher, die ohne Weichspüler gewaschen sind. Der Wäscheweichmacher verursacht unschöne Fusseln und Schlieren auf den Gläsern. Ein besonders glänzendes Ergebnis erhalten Sie, wenn Sie Wasser im Kocher erhitzen und die Gläser vor dem Polieren über den Dampf halten.
Suite 101: Das ist aber ganz schön aufwändig
Ina Finn: Es gibt auch eine Methode für die Putzmuffel: Opfern Sie einen kleinen Schluck Ihres Weines und gießen Sie ihn vor dem eigentlichen Einschenken mit einer leichten Drehung von Glas zu Glas. Damit werden Staub- oder Reinigungsmittelrückstände aus dem Glas gespült. In der Fachsprache heißt dieser Vorgang „Avinieren“ – und er macht garantiert Eindruck bei Ihren Gästen ...
Suite 101: Ein spannendes Thema ist die Weinlagerung. Was sollte man beachten?
Ina Finn: Die meisten Weine werden für den Sofortkonsum gekauft und werden nicht lange gelagert. Möchten Sie aber ein paar Flaschen auf Vorrat haben, falls spontan Besuch vor der Tür steht, gibt es ein paar generelle Regeln: Wein mag überhaupt kein Licht! Das führt zur rasend schnellen Reife bzw. Alterung des Weines.
Wein mag auch keine extremen Temperaturschwankungen oder Hitze. Die treibt den Korken aus der Flasche und der Wein kann auslaufen. Das verursacht zum einen ungewünschte, klebrige Flecken, zum anderen dringt schneller Sauerstoff in die Weinflasche und führt ebenfalls zur schnellen Alterung.
Suite 101: Also kann der Wein doch im Winter prima auf dem Balkon liegen?
Ina Finn: Wenn Sie Ihre Weinflaschen im Winter auf dem Balkon oder wo auch immer draußen lagern und die Temperaturen -3 bis -5 °C unterschreiten, nimmt es Ihnen der Wein ebenfalls übel: Die Struktur des Weines verändert sich, Prozesse laufen ab, die am Ende den Wein auch geschmacklich negativ verändern. Starke Erschütterungen mag der Wein übrigens auch nicht, der Wein schmeckt dann einfach nicht.
Suite 101: Heißt das, wenn man Wein direkt beim Winzer einkauft und mit den Flaschen durch halb Deutschland fährt, sind die edlen Tropfen dann nicht mehr genießbar?
Ina Finn: Doch, doch, allerdings sollte der Wein vor dem Genuss etwas zur Ruhe kommen können, zwei bis drei Tage tun ihm dafür gut.
Suite 101: Kann ein trockenes Raumklima dem Wein schaden?
Ina Finn: Ja, das betrifft jedoch nur Weine in Flaschen mit Naturkorken. Diese müssen zum einen liegend gelagert werden, so dass der Korken immer mit dem Wein Kontakt hat. Dennoch trocknet der Korken bei zu geringer Luftfeuchtigkeit aus, schrumpft und lässt Sauerstoff eindringen – der Exitus des Weines steht kurz bevor.
Suite 101: Nicht jeder hat den perfekten dunklen Keller mit einer jährlich konstanten Temperatur und einer idealen Luftfeuchtigkeit. Wie kann man sich behelfen?
Ina Finn: Nutzen Sie eine dunkle, eher kühlere Ecke Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses beispielsweise im Kleiderschrank oder unter der Treppe. Das ist sicherlich keine perfekte Lösung für einen Wein, der das Potenzial hat, zehn Jahre und mehr zu reifen, aber für normale Weine absolut ausreichend. Lagern Sie bitte keine Weine in der Nähe der Waschmaschine oder des Trockners – Erschütterung und trockene Luft! Eine perfekte Lösung ist ein kleiner Weinklimaschrank. Er hat verschiedene Temperaturzonen und jede Weinart kann somit optimal auf idealer Trinktemperatur gelagert werden.
