
- Mehrheit lebt in bitterer Armut - François Maher Presley
“Merhaba” ist die Begrüßung in Marokko, das ebenso weit vom Nahen Osten wie von Deutschland entfernt liegt, dennoch in uns Bilder aus dem Orient weckt, Geschichten aus 1001 Nacht, fremdartige Sitten, eine fremde Religion, vielleicht ein anderes Jahrtausend. Und gerade Marokko ist eines der am meisten europäisch geprägten Länder der arabischen Welt.
Die erste Königsstadt Féz sowie die Landschaft
Al-Mamlaka al-maghribiya (arabisch für Marokko) birgt viele Widersprüche und ist wie seine Landschaft vielseitig. Da gibt es den Hohen Atlas, dessen Gipfel mit Schnee bedeckt sind und der das Panorama für die Königsstadt Fèz stellt, die im warmen Sonnenlicht ocker und golden leuchtet. Umschlossen von einer Stadtmauer wird Fèz noch heute morgens geöffnet und abends geschlossen. Dort brodelt es in den unzähligen Gängen, Gassen, auf den Plätzen und in den Souks, in denen Lederwaren, Keramik, Bronze- und Silberarbeiten verkauft werden. Hinter jeder Tür versteckt sich ein kleiner Gewerbebetrieb, der zum Zuschauen einlädt, Handarbeit ist günstiger als Maschinen, die Jungen lernen von den Alten, drei Jahre ohne Bezahlung. Vom Handel lebt Fèz seit vielen Jahrhunderten.
Moulay Idriss I. gründete die Stadt, bevor sein Sohn Moulay Idriss II. sie zur Hauptstadt seines Reiches machte und ab 809 viele repräsentative Bauten errichten ließ. Fèz Blütezeit begann mit der Vertreibung der Muslime aus Còrdoba und der Ansiedlungen arabischstämmiger Familien aus dem tunesischen Kairouan. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts lebten ca. 200.000 Menschen in der Stadt, über die Arabiens berühmteste Gelehrte wie Ibn Battuta und Ibn Khaldoun Loblieder gesungen haben. Heute leben hier 800.000 Menschen.
Fèz bietet einige Sehenswürdigkeiten und ist in den frühen Abendstunden ins Orange der Straßenlaternen und Strahler getaucht. Morgens leuchtet die kubistisch anmutende Stadt in den wechselnden Farben der Sonne.
Die Landschaft Marokkos ist vielseitig. Es beginnt im mediterranen und buchtenreichen Norden am Mittelmeer, führt über das grüne Rif-Gebirge, Felder und Gärten, im Westen finden sich kilometerlange Sandstrände am Atlantik, im Zentrum türmen sich der Atlas und seine Ausläufer, im Süden wird die Vielfalt von der Sahara ergänzt.
Industriemetropole Casablanca
Ganz anders ist die am Meer gelegene Stadt Casablanca, die nichts mit der Kulisse oder dem Flair des gleichnamigen Films zu tun hat. Die Stadt, die noch Ende des 19. Jahrhunderts 20.000 Einwohner zählte, ist heute die größte und die Industriemetropole Marokkos (5 Mio. Einwohner). Der einzige Grund, Casablanca zu besuchen ist, die überdimensionierte Moschee, die König Hassan II. am Strand bauen ließ und für die alle Einwohner des Landes einen finanziellen Tribut zahlten, zu besichtigen. Die größte und teuerste Moschee des Landes misst 200 x 100 Meter. Alle bedeutenden Kunsthandwerker des Landes beteiligten sich am Bau. So entstanden 10.000 qm Mosaikböden, 67.000 qm Stuck, 53.000 qm geschnitzte und bemalte Holzdecken und -wände. Im Inneren können 25.000 Menschen beten, weitere 80.000 fasst der Vorplatz des Baus. Das 200 Meter hohe Minarett sendet 24 Stunden einen Laserstrahl gen Osten. Sie ist das einzige Gebetshaus Marokkos, das von Nicht-Muslimen betreten werden darf.
Die meisten in Marokko lebenden Ausländer wohnen in Casablanca, in den von Franzosen zur Kolonialzeit gegründeten und geprägten Stadtteilen, “Villes nouvelles”, die die Altstadt mehr und mehr bedrängen. Ohnehin ist Marokko für Spanier, Franzosen und Engländer das, was Kuba oder der Ferne Osten für deutsche Sextouristen ist. Ein Sprichwort auf der Straße sagt, dass für Geld in Marokko alles möglich ist, ausnahmslos alles. Das wissen viele Europäer.
Marrakesch - die rote Stadt
Anders präsentiert sich die bekannteste Stadt Marokkos, die über 1 Mio. Einwohner zählende und Mitte des 11. Jahrhunderts vom Berberstamm der Almoraviden als Lager gegründete rote Stadt - Marrakesch, deren Stadtbild von der Architektur der Dynastie der Almoraviden und Almohaden geprägt wurde.
Marrakesch bietet Museen und historische Bauten, Modernität, elegante Straßenzüge, Einkaufspassagen und dreckige Gassen, Armen- und Millionärsviertel, Diskotheken und Koranschulen, Bars, Cafés, einfache und preiswerte und aufwändige und luxuriöse Riads.
Essaouira, Rabat, Meknes
Marokko bietet mehr, was in 14 Tagen nicht zu erfahren ist. Neben den hier erwähnten Städten sind Essaouira (Weltkulturerbe), Rabat (Hauptstadt), die Königsstadt Meknes oder Tanger sehenswert wie kleinere Städte und Ortschaften. Leider auch sehr große Armut. Diese Armut ist die teuerste Art, in Marokko zu leben. Der durchschnittliche Marokkaner verdient ca. 150 Euro. Außerhalb der Familie gibt es kein Sozialverhalten mehr, selbst wenn man glaubt, Freundschaft geschlossen zu haben. Ähnlich einem Handelsgut wird der Ausländer gegen Bares vermittelt. Was immer er kauft, mietet oder isst und trinkt im Preis enthalten sind Vermittlungsprovisionen. Selbst in den “internationalen” Hotels stimmen die Preise nicht mit den Listen überein und sogar die Polizei kassiert regelmäßig während ihrer Kontrollen ab.
Armut und Bildung
Angeblich folgen landesweit 90 % aller bis Sechsjährigen der Schulpflicht. Schon bei den 15jährigen sind es nur noch 50 %, zwischen 50 und 65 % aller Marokkaner, insbesondere der weiblichen, sind Analphabeten. Etwa 25 % aller Akademiker sind nach dem Studium arbeitslos. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre und 80 % der Jungen wollen auswandern.
