Rush: Die Rocklegende aus Toronto, Kanada

Rush Buch - Zippifoto
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Start als Juniorausgabe von Led Zeppelin und Entwicklung zum ProgRock; Multierfolg mit Synthesizern und Pop in den 80ern, danach Rückkehr zum harten Rock

Kanada war bis spät in den 1960ern Entwicklungsland in Sachen Rock 'n' Roll. Talentierte einheimische Musiker wie zum Beispiel Neil Young mussten in die USA auswandern, um Karriere zu machen. Erst die Guess Who („American Woman“, 1970) und Bachman- Turner Overdrive (kurz B.T.O.; 1973), schafften von Kanada aus den Sprung in die begehrten US-Charts. Und dann kamen Rush!

Von Led-Zeppelin-Clones zu ProgRockern

Die Hardrock Band Rush wurde Ende 1969 in der Besetzung Geddy Lee an Bass und Gesang, Alex Lifeson an der Gitarre und John Rutsey am Schlagzeug in Toronto, Ontario, gegründet. Schon damals wurde das Trio von Ray Danniels gemanagt, einem früheren Schulfreund. Inspiriert wurde die Band damals von Led Zeppelin aus England und so klang auch ihre erste LP, die die Band im Herbst 1973 in Eigenregie aufnahm, wie eine Juniorversion der englischen Heavy Rocker. Da sich keine Plattenfirma fand, verkauften Rush ihre Debütscheibe zunächst im Eigenvertrieb. Mitte 1974 signalisierte das US-Label Mercury Records Interesse. Nun wurde der Longplayer auch in den USA vertrieben. Dafür stieg nun Drummer John Rutsey aus. Da Alex und Geddy die Musik komponierten, wollten sie, dass John die Texte zu den Songs schrieb. Doch das konnte er nicht. Zudem waren ihm die anstehenden Touren durch die USA zu viel des Guten. Sein Nachfolger wurde Neil Peart. Der bewarb sich auf ein Inserat, las viel, hatte somit auch Textideen und war ein Spitzendrummer. Unter seinem Einfluss veränderte sich schnell der musikalische Stil der Band, zwar immer noch heavy, aber weniger Led Zeppelin; eher eine härtere Version von Genesis und Yes.

Der lange Weg nach oben

Die zweite LP „Fly By Night“ erschien im Januar 1975 und kam gut bei den kanadischen Fans und Kritikern an. Vor allem das neun minütige epische Fantasy Stück „By-Tor & The Snow Dog“, das den Kampf eines barbarischen Helden gegen einen Eisdämonen schilderte, begeisterte die Hörer. Als bestes Werk einer Newcomer Band wurde die LP mit einem Juno Award (das kanadische Äquivalent zum Grammy) ausgezeichnet. Das sehr komplexe dritte Album „Caress Of Steel“ kam dann im Herbst 1975 nicht so gut an. Das lag weniger an den Songs, die teils sehr lang und kompliziert strukturiert waren; viel mehr hatten Rush im Studio nicht die nötige Zeit, um diesem ambitionierten Werk den richtigen Sound zu verpassen. Dies gelang mit LP Nummer vier: „2112“. Mit diesem Longplayer schafften Rush 1976 den Sprung in die obere Klasse des amerikanischen Musikmarktes. Für viele Fans und etlichen Kritikern ist dieses Album das erste Meisterwerk der Band. Es folgte im selben Jahr ein Live-Album mit dem Titel „All The World's A Stage“. Nun wurde England auf Rush aufmerksam. Anfang 1977 absolvierte das Trio die erste Tournee bei den Briten; außerdem nahmen sie die nächsten beiden Alben in England auf.

Der Synthesizer setzt neue Akzente

Im September 1977 erschien die LP „A Farewell To Kings“, ein Jahr später „Hemispheres“. Beide Alben bestachen durch komplexe Songstrukturen, die an die progressive Rockband Yes erinnerten (z.B. „Close To The Edge“ 1972). Der Einsatz eines Synthesizers und zusätzlicher Percussion, wie zum Beispiel ein Glockenspiel, erweiterten die klang-technischen Möglichkeiten. Beide LPs verkauften sich ordentlich in den USA und schafften den Sprung in die britischen Top Twenty. Mit den folgenden beiden Alben gelang es Rush zum einen ihren neuen Stil zu verfeinern und somit zu etwas Eigenem zu machen. Zum anderen eroberten sie mit den beiden Werken „Permanent Waves“ (1980) und „Moving Pictures“ (1981) endgültig den US-Markt. Rush wurden Millionsellers. Mit weiteren Produktionen konnte die Band ihre Popularität in Nordamerika stabilisieren, ja noch vergrößern, musikalisch entfernte sie sich mehr und mehr vom harten Rock. Andere Stilmittel, wie Reggae, fanden Einzug im musikalischen Gefüge der Band. Die Gitarre rutschte vermehrt in den Hintergrund, während Syntheziserklänge immer mehr dominierten. Zumindest textlich entwickelten sich Rush sehr positiv. Themen aus Science Fiction und Fantasy wichen realitätsbezogene Texten; zu hören auf den Alben „Signals“ (1982), „Grace Under Pressure“ (1984), „Power Windows“ (1985) und „Hold Your Fire“ (1987).

Die Gitarre setzt sich durch

Gitarrist Alex Lifeson war mit den dominanten synthetischen Klängen auf den letzten Alben sehr unzufrieden und machte das den anderen auch deutlich. Und so wurde ab dem 1989er Album „Presto“ die rockende Gitarre wieder mehr in den Vordergrund gelegt. Es folgte 1991 „Roll The Bones“. Inzwischen hatte die Band einen Plattendeal mit Atlantic Records, dem Label von Led Zeppelin. Vielleicht inspirierte dieser Umstand die Band wieder zu mehr Rocksound, aber auf jeden Fall lieferte sie 1993 mit „Counterparts“ und 1996 mit „Test For Echo“ zwei kleine Meisterwerke ab. Danach wurde es einige Jahre sehr ruhig um Rush. Drummer Neil Peart hatte schwer unter mehreren Todesfällen in seiner Familie zu leiden; weitere Arbeiten mit der Band waren ihm lange Zeit nicht möglich. Erst 2002 erschien das nächste Album „Vapor Trails“, dass mit zu dem Härtesten gehörte, das die Band jemals eingespielt hatte. Damals stellte sich heraus, dass die Band eine üppige Gefolgschaft in Brasilien hatte, und so gastierten Rush 2003 beim Rock In Rio Festival. 2004 feierte das Trio ihr dreißigstes Jubiläum als Plattenstars und brachten eine EP mit Coverversionen von Klassikern ihrer Jugend heraus. Die EP hieß „Feedback“.

2007 erschien die bislang letzte Studioproduktion von Rush: „Snakes & Ladders“. Ein neues Album soll in Arbeit sein und irgendwann 2012 erscheinen. Ihre Heimatstadt Toronto machte die drei Musiker schon vor Jahren zu Ehrenbürgern. Bei all den Erfolgen über die Jahre ist es um so erstaunlicher, dass Rush bis zum heutigen Tag nicht geschafft haben, sich auf dem deutschen Musikmarkt so richtig zu behaupten.

(Quelle: „Die Chemie von Rush“ von Jon Collins (2007); Iron Pages Books ISBN 978-3-931624-39-2)

Andreas , Deutsche Telekom AG

Andreas Zipper - Mein Name ist Zipper, Andreas Zipper. Schon seit Schultagen nennen mich die meisten Bekannten nur kurz ZIPPI. Ich wurde am 19. April 1961 ...

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