
- Guerilla Gärtner mögen wildes Grün - (c) o.c.
Mitten auf einer Verkehrsinsel im Hamburger Stadtteil Altona keimen Sonnenblumen und Klee. An einer Straßenlaterne, ein paar Straßen weiter, fangen Schlingpflanzen an zu ranken. Hingekommen sind die Pflanzen dort nicht von selber. Sogenannte Guerilla-Gärtner haben die Samen im Frühjahr verteilt. Mit selbst gemischten Saatbomben wollen die „Hobby-Gärtner“ mehr Grün in die Städte bringen.
Saatbombenwerfer wollen Stadt grüner machen
Anja M. ist auf ihrem Weg zu einem Café in der Innenstadt. Die junge Kellnerin arbeitet hier immer nachmittags. In ihrem Rucksack hat sie eine ganze Tüte voll mit Saatbomben verstaut. Kommt sie an einer passenden Stelle vorbei, einem leer stehenden Baugrundstück, einem tristen Seitenstreifen oder einer kargen Grünfläche, lässt sie eine dieser Saatbomben fallen. Es sei „Der Wunsch die Stadt ein wenig grüner zu machen“ und auch etwas Protest gegen die fortschreitende Urbanisierung in der Stadtplanung.
Samen brauchen gute Basis zum Keimen
Die Saatbomben hat sie in ihrer Wohnung, zusammen mit einigen Freunden, gebaut. Anleitungen gibt es in vielfältigen Ausführungen im Internet. Generell gehört in so eine Saatbombe eine gewisse Basis, die die Feuchtigkeit hält und als Mutterboden fungieren kann. Lehm und Ton eignen sich gut. In diese Basis kommen ein wenig Kompost, oder Blumenerde. „Es versteht sich von selbst, dass keine künstlichen Dünger hier reingemischt werden“ erklärt die rothaarige Anja lachend. Man könne auch etwas Pferdemist dazu mischen, wenn der Geruch in der Wohnung dann nicht stört. In die ganze Masse werden dann nach Belieben Saatgut gemischt.
Sonnenblumen sind erste Wahl
Als Samen kommen im Frühjahr Sonnenblumen, schnell wachsende Gräser, Blumensamen oder auch Wicken und Kapuziner Kresse in Frage. Vor allem Sonnenblumen seien gefragt. Die sehen schön aus und sind in großer Menge günstig zu besorgen. Das Kilo gebe es teilweise für unter zwei Euro in den Supermärkten als Vogelfutter zu kaufen. Ist die Mischung fertig, werden daraus kleine Kugeln geformt, die ungefähr die Größe eines Taubeneis haben.
Guerilla-Gärtnern nicht unbedingt legal
Das Guerilla-Gärtnern geht noch einen Schritt weiter. Stadtbewohner bepflanzen in Eigenregie Grundstücke und Flächen, die ihnen nicht gehören. In Hamburg eher eine Randerscheinung, jedoch soll Berlin eine deutsche Hochburg der Guerilla-Gärtner sein, so erzählt Anja.
Doch auch in Hamburg gibt es Menschen, die ihre Salatköpfe auf fremden Baugrundstücken heranziehen oder hin und wieder sogar den einen oder anderen Baum auf öffentlichem Grund pflanzen. Saatbomben-Werfen oder Guerilla-Gärtnern erfreut sich – nicht nur in Deutschland – wachsender Beliebtheit. Die Bewegung kommt wohl ursprünglich aus Großbritannien, erfreut sich aber auch in den vereinigten Staaten von Amerika großer Beliebtheit. Allerdings sind diese „Freizeit-Aktivitäten“ nicht unbedingt legal. Das Saatbomben werfen kann durchaus als Sachbeschädigung ausgelegt werden, beim Guerilla-Gärtnern würde unter Umständen auch noch der Vorwurf des unbefugten Betretens dazukommen. Für viele dieser Freizeit-Gärtner scheint dies allerdings nicht abschreckend zu sein. Ein Präzedenzfall-Urteil ist bislang unbekannt.
