Sachbücher interessant gestalten

Neben Fachwissen zählt auch der Unterhaltungswert

Auch wenn Sachbücher im Gegensatz zu belletristischen Werken nicht auf Fiktion, sondern auf Tatsachen basieren, kann man sie dennoch interessant gestalten.

Viele Leser beklagen bei Sachbüchern, dass ihnen nur trockene Fakten geboten werden, die zwar wissenschaftlich nachvollziehbar sein mögen, aber mit denen der Leser aufgrund der starken theoretischen, bisweilen abstrakten Ausrichtung nichts anfangen kann, sodass viele an sich gute Ratgeber fortan unangetastet im Regal stehen bleiben. Es stellt sich die Frage, wie man Sachbücher trotz der Vermittlung von Wissen ansprechend und unterhaltsam gestalten kann, damit der Leser diese genauso verschlingt wie einen Roman oder eine Anthologie.

Fotos und Zeichnungen

Sachbücher enthalten selbstverständlich sehr viel Text, der zudem rein sachbezogen und faktenbasiert ist. Eine Auflockerung kann durch das Einfügen von Fotos oder Zeichnungen erreicht werden, da der Leser dann nicht das Gefühl hat, sich durch eine Wüste von theoretischen, teilweise abstrakten Begriffen kämpfen zu müssen. Gleichzeitig können Fotos und Zeichnungen das gerade Gelesene anschaulich illustrieren, sodass der Leser gegebenenfalls auch eine konkrete Vorstellung von einer bestimmten Übung, einem Kochrezept oder einem besonderen Naturphänomen bekommt. Farbige Fotos und Zeichnungen sind ideal, da sie vom reinen Schwarz-Weiß-Prinzip abweichen, aber auch schwarz-weiße Bilder erfüllen ihren Zweck der Auflockerung eines langen Sachtextes.

Die reine Textgestaltung

Wie bei Romanen auch, sollten zwischendurch immer wieder Absätze zu finden sein, was das niedergeschriebene Wissen nicht nur an-, sondern auch überschaubar macht. Hat der Leser das Gefühl, sich durch seitenlange Ausführungen ohne jede optische Auflockerung in Form von Absätzen, Kursivdruck oder Zitaten anerkannter Wissenschaftler kämpfen zu müssen, verliert er schnell die Lust und das Interesse. Kleine Appetithäppchen sind oft besser als ein großer, scheinbar schwer verdaulicher Brocken.

Die Sprache

Dem Autor sollte sich im Vorhinein die Frage stellen, wie seine Leserschaft aussieht. Spricht er ausschließlich ein Fach- oder sogar Spartenpublikum an oder Laien, für die einige Begriffe, die er wie selbstverständlich verwendet, unbekannt sind? Hieran sollte sich auch die Sprache orientieren – für Laien darf die Sprache ruhig etwas schlichter gehalten sein als für Fachleute, wobei schlicht nicht mit umgangssprachlich gleichzusetzen ist.

Für beide Lesergruppen gilt in Bezug auf den Satzbau: Natürlich darf ein Hauptsatz über einen Nebensatz verfügen oder auch einen Einschub mittels Gedankenstrichen, dennoch sollten nicht mehrzeilige Schachtelsätze mit Nebensätzen und weiteren Einschüben in den Nebensätzen zum Einsatz kommen. Dies wird mit Sicherheit auch einen Kenner des im Buch behandelten Faches schnell ermüden.

Praxisbeispiele erleichtern das Lesen und Verstehen

Gerade bei Ratgebern zu eher alltäglichen Themen (Kindererziehung, Probleme in der Pubertät, Kochen, Gartengestaltung) lockern Beispiele aus der Praxis das rein faktenorientierte Wissen auf. Gleichzeitig besteht häufig auch eine gewisse Identifikation des Lesers mit den in den Fallbeispielen dargestellten Personen – unter Umständen stellt er etwa fest, dass er mit einem bestimmten Problem gar nicht alleine dasteht.

Die Praxisbeispiele sollten den Autor jedoch nicht zu marktschreierischen oder trügerischen Versprechungen verleiten, die eher an einen Werbespot erinnern ("Wenn Frau X. das geschafft hat, können SIE das auch!"). Der Verfasser sollte die Fälle anschaulich schildern, aber dem Leser die Möglichkeit geben, sich seine eigenen Gedanken hierzu zu machen, ohne ihm eine bestimmte Meinung oder Sichtweise aufdrängen zu wollen. Auch der moralische Zeigefinger ist gerade bei Fachliteratur zu problembehafteten Themen (Kindesmissbrauch, Suchtmittelabhängigkeit und Ähnliches) nicht angebracht.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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