Die Potsdamer Konferenz vom 2. August 1945 zählt zu den markanten Wendepunkten der europäischen Nachkriegsgeschichte. In Potsdam suchten die Sieger des Zweiten Weltkrieges, die USA, Großbritannien und die UdSSR, die Weichen für eine europäische Nachkriegsordnung zu stellen. Doch so umstritten wie der Charakter des Schlussdokuments, das wahlweise als Abkommen oder als Kommuniqué bezeichnet wurde, waren die Ergebnisse. Der Gegenstand der Konferenz, die künftige Rolle Deutschlands in Europa, war komplex. Divergierende Interessen der Konferenzteilnehmer erschwerten die Suche nach einer Lösung zusätzlich.
Wertegemeinschaft statt Militärbündnis
Die Potsdamer Konferenz markiert das letzte Glied einer langen Kette von Konferenzen. Zusammensetzung sowie Wahl der Tagungsorte dieser Konferenzen spiegelten nicht nur den Kriegsverlauf, sondern hatten auch symbolischen Charakter. Neben der Erörterung der militärischen Lage war es das Ziel der verbündeten Staaten sich als Wertegemeinschaft zu präsentieren. Grundlage hierfür sollte das Bekenntnis zu einer gemeinsamen Weltordnung sein, die auf dem friedlichen und freiheitlichen Zusammenleben der Völker beruhte.
Von Konferenz zu Konferenz
Wie kein zweites Dokument repräsentiert die am 14.8.1941 beschlossene „Atlantik-Charta“ dieses Bekenntnis. Ihre Taufpaten waren der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill. Die Sowjetunion war nicht vertreten. Auch bei dem Treffen in Casablanca 1943, das den Fortschritt der anglo-amerikanischen Streitkräfte im Mittelmeerraum dokumentieren sollte und die bedingungslose Kapitulation Deutschlands forderte, fehlte Stalin. Erst die erfolgreiche Verteidigung Stalingrads änderete die Situation. Auf der Konferenz von Teheran, Ende 1943, formierte sich die Allianz der „Großen Drei“ zur Anti-Hitler Koalition. Dennoch waren die Ergebnisse von Teheran vage. Grenzverläufe blieben ebenso unverbindlich wie die Rolle Deutschlands nach dem Ende des Krieges. Erste Konkretisierungen erfolgten Anfang 1945. Auf der Konferenz von Jalta beschloss man die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen, zerteilte Osteuropa in Interessensgebiete und einigte sich auf die Westverschiebung Polens. Die praktischen Konsequenzen dieser Entscheidungen, so die Ansicht aller Teilnehmer, waren später zu diskutieren.
Konkurrierende Interessen
Auf Schloss Cecilienhof endete der Konferenzmarathon. Der letzte Gipfel der „Großen Drei“ sollte den Triumph über Hitler-Deutschland besiegeln und die Tür zu einer gemeinsamen Zukunft aufstoßen. Doch der Tod Roosevelts, der Abwurf der ersten Atombombe sowie die Abwahl Churchills hatten die Atmosphäre unter den Alliierten verändert. Roosevelts Nachfolger Harry Truman und der neue britische Premier Attlee hatten andere Prioritäten. Trotzdem, das Kriegsziel war erreicht. Deutschland war besiegt, der „preußische Militarismus“ zu Boden geworfen. Dennoch, der Sieg warf neue Frage auf. Zwar hatte Deutschland als Staat aufgehört zu existieren, seine geografische Lage, seine wirtschaftliche Potenz bestanden jedoch fort. Die Antworten darauf waren widersprüchlich. Zum einen musste Deutschland als lebensfähiger Staat wiederhergestellt werden um ein politisches Vakuum in Europa zu vermeiden. Zum anderen hatte Deutschland Entschädigung gegenüber den Kriegsgegnern zu leisten. Bezog man darüber hinaus noch die Demokratisierung Deutschlands mit ein, war der gordische Knoten perfekt.
Deutschland als Einheit verwalten
Was hatte nun Vorrang? Genau darüber diskutierte man in Potsdam. Die USA und Großbritannien sprachen sich für einen allmählichen Wiederaufbau aus, der die Schaffung einheitlicher demokratischer Strukturen mit der wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands verband. Die Sowjetunion hingegen plädierte für eine schnelle Restaurierung Deutschlands und eine zügige Begleichung der anstehenden Reparationsforderungen. Einig war man sich darin, dass sowohl die eine wie die andere Vorgehensweise eine gemeinsame Verwaltung der Besatzungszonen notwendig machte. Schon vor Potsdam hatte man sich daher entschieden, einen „Alliierten Kontrollrat“ zu schaffen, der diese Aufgabe übernehmen sollte. Dies löste allerdings nicht das Potsdamer Problem. Ungeklärt blieb nicht nur die Zusammenarbeit der Besatzungszonen untereinander, ungeklärt blieb auch ihr Status. Die Konsequenzen dieser offenen Fragen waren schon in Potsdam absehbar. So zeichnete sich nicht nur eine unterschiedliche Verwaltung der Besatzungszonen ab, auch bei der Schaffung der politischen Strukturen entfernte man sich entsprechend der ideologischen Ausrichtung von einander. Ein Umstand, an dem auch die Erklärung der Konferenzteilnehmer, Deutschland als Ganzes erhalten zu wollen, nichts mehr ändern konnte.
