Säuglinge erkennen Emotionen am Tonfall

Babys schreien in landestypischen Akzenten

Baby  - Scully van Funkel
Baby - Scully van Funkel
Bereits mit sieben Monaten filtern Neugeborene akustischen Untertöne heraus und reagieren emotional auf das Gehörte.

Dass Babys hören müssen, um das Sprechen zu erlernen, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg konnten sogar einen wesentlichen Sprach- und Hörzusammenhang in Verbindung mit der Erstsprache der Mutter nachweisen. Die Experten beobachteten 30 Säuglinge aus Frankreich und 30 aus Deutschland. Laut ihren Untersuchungen schreien Neugeborene in ihrer jeweiligen Landessprache.

Säuglinge schreien eigene Kompositionen

Französische Babys bevorzugten ansteigende Schrei-Melodien, während die deutschen Säuglinge fallenden Tonhöhen den Vorrang gaben. Diesen Effekt erklärten sich die Forscher durch die individuelle tonale Sprache, der landestypischen Akzente. Franzosen betonen vorwiegend das Ende eines Wortes, während Deutsche generell den Anfang eines Wortes hervorheben. Dementsprechend passte sich auch das Babygeschrei der jeweiligen nationalen Sprachmelodie an. Erstaunlicherweise bedurfte es nur weniger Monate, bis die Neugeborenen eigene Kompositionen schrien. Demzufolge entstanden, durch unterschiedliche Betonungen und Melodienbögen, die ersten Sprachprodukte, fanden die Forscher heraus.

Ungeborene prägen sich Geräusche ein

Doch schon im Uterus waren Föten in der Lage, die Stimme der Mutter von einer "fremden“ Stimme zu unterscheiden. Etwa ab dem siebten Schwangerschaftsmonat reagierten die Ungeborenen mit Muskelbewegungen auf akustische Wahrnehmungen und erkannten, auch nach der Geburt, einmal gehörte Geräusche wieder. Föten und Neugeborene sind zwar nicht in der Lage den Inhalt der gesprochenen Worte zu erfassen, können jedoch das Gehörte emotional zuordnen, schlussfolgerten die Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, des Centre for Brain and Cognitive Development am Birkbeck College London sowie des Berliner Neuroimaging Centre der Charité, aus ihren Untersuchungen.

Säuglinge erkennen Emotionen am Tonfall

Weitere Forschungen ergaben, dass Babys, im Alter von vier Monaten, den Unterschied zwischen stimmlichen und nichtstimmlichen Signalen erkannten. Allerdings fehlte die Fähigkeit, leise Untertöne zu bemerken. Dementsprechend neutral waren die Reaktionen als die Kinder mit Musik, Tiergeräuschen, Alltagsgeräuschen und Stimmen beschallt wurden.

Lediglich ein viertel Jahr später, im Alter von sieben Monaten, filterten alle Neugeborenen die akustischen Untertöne heraus und reagierten emotional auf das Gehörte, mit Fröhlichkeit, Wut und zuweilen auch mit Gleichmut.

Abtreibungsversuch kann Trauma auslösen

Ein Kaiserschnitt, Tod der Mutter bei der Geburt, Adoption kurz nach der Niederkunft, Operationen, Unfälle, Missbrauch, misslungene Abtreibungsversuche und vieles mehr, können ein schweres Trauma für einen Säugling darstellen. Die französische Kinderpsychiaterin, Psychotherapeutin und Analytikerin, Dr. Caroline Eliacheff, fand heraus, dass traumatisierte Babys durchaus auf ihre seelischen oder körperlichen Verletzungen, mit ganzen Sätzen, angesprochen werden sollten, auch wenn sie vermeintlich den Sinn der Worte nicht erfassen. Auf diese Weise könnten posttraumatische Belastungsstörungen abgewendet oder zumindest abgemildert werden.

Auch bei akuten gesundheitlichen Störungen sei es wichtig, die Säuglinge über ihre Erkrankungen, den damit einhergehenden Therapien und eventuellen Krankenhausaufenthalten aufzuklären, um den Heilungsprozess voranzutreiben und nachhaltigen psychischen Störungen entgegenzuwirken.

http://www.clker.com/, http://www.clker.com/

Scully van Funkel - Freiberufliche Autorin, Content-Managerin, OnlineRedakteurin Scully van Funkel: Naturwissenschaften / GrenzwissenschaftenScully van ...

rss