Schiffsunglück im Rhein - gefährdet die Säure das Trinkwasser?

Nach der Havarie eines Säuretankers wurde Schwefelsäure in den Rhein abgelassen. Was ist Schwefelsäure und ist das Trinkwasser nun gefährdet oder nicht?

Am 13. Januar 2011 havarierte ein Säure-Tanker in der Nähe des Loreley-Felsens im Rhein. Im Laufe der Bergungsarbeiten mussten 2.400 Tonnen Schwefelsäure entweder in ein anderes Tanker-Schiff umgepumpt oder in den Rhein abgelassen werden. Nun kommen Sorgen auf, ob die abgelassene Säure das empfindliche ökologische Gleichgewicht im Rhein stören könnte oder sogar das Trinkwasser beeinträchtigt.

Was ist Schwefelsäure und wozu wird sie verwendet?

Schwefelsäure mit einer Konzentration von ungefähr 90 Prozent (so wie sie im Unglücksfall geladen war) ist eine farb- und geruchlose sowie sehr viskose, ölige Flüssigkeit (Viskosität beschreibt hierbei die Fließfähigkeit einer Flüssigkeit. Je höher die Viskosität, desto schlechter fließt ein Stoff). Sie ist einer der stärksten bekannten Säuren und wirkt stark ätzend. Gleichzeitig ist sie in beliebigem Verhältnis mit Wasser mischbar. Der größte Teil der in der Industrie verbrauchten Schwefelsäure wird zur Produktion von Düngemitteln verwendet. Andere Anwendungsgebiete sind in Akkumulatoren (Akku) oder auch bei der Herstellung von Farbpigmenten.

Schwefelsäure und Wasser - eine möglicherweise gefährliche Kombination

In den Sicherheitsrichtlinien zum Umgang mit 90-prozentiger Schwefelsäure ist sie mit WGK 1 (Wassergefährdungsklasse) angegeben und wird daher als "leicht wassergefährdend" eingestuft. Bei Kontakt von Schwefelsäure mit Wasser entsteht viel Wärme. Wird zu schnell eine große Menge Schwefelsäure in Wasser gegeben, reicht die Wärmeentwicklung aus, um das Wasser zum Kochen und somit auch zum Spritzen zu bringen. Das spritzende Wasser verursacht Verbrennungen und reißt hochkonzentrierte Säure mit sich, die dann auf der Haut Verätzungen verursacht.

Säure im Rhein, eine Gefahr?

Die Wassermenge, die der Rhein an der Unglücksstelle führt, beträgt im Schnitt 2.300 Kubikmeter pro Sekunde. Das heißt: pro Sekunde passieren 2,3 Millionen Liter Wasser das havarierte Schiff. Innerhalb des Monats seit dem Unglück ist ungefähr die Hälfte der geladenen Schwefelsäure entweder durch Ventile in den Fluss gelangt oder kontrolliert abgelassen worden. Das sind insgesamt rund 13 Millionen Liter und somit im Schnitt 5 Liter pro Sekunde. Beim kontrollierten Ablassen wurden maximal 12 Liter pro Sekunde in den Rhein gepumpt, dem stehen (wie bereits genannt) 2,3 Millionen Liter Wasser gegenüber. Das bedeutet, dass die Schwefelsäure, sobald sie in den Fluss gelangt, nur noch eine Konzentration von 0,0005 Prozent hat. Das langsame Ablassen hat zum einen den Hintergrund, die Säure möglichst schnell zu verdünnen und zum anderen wird somit die Sicherheit der Helfer garantiert.

Alle Richtlinien zum Umgang mit Säuren beziehen sich auf hoch konzentrierte Säuren (mehr als 80 Prozent). Selbst in dieser hohen Konzentration wird die Schwefelsäure nur als "schwach wassergefährdend" eingestuft und ist daher in oben genannten Konzentrationen nicht mehr gefährlich und nur unter großen Anstrengungen nachweisbar. Das ökologische Gleichgewicht des Rheins wird also außerhalb der direkten Unfallstelle nicht beeinträchtigt, ebenso wie das Trinkwasser.