
- Undenkbar: Advent ohne Stollen - Hannelore Dittmar-Ilgen
Stollen und Zimtsterne sind für viele der Inbegriff weihnachtlichen Backens. Schon allein der Duft dieser beiden festlichen Gebäcke sorgt für Weihnachtsstimmung. Lassen Sie sich von den beiden Rezepten überraschen: Der Stollen mit Quark und Backpulver ist nicht nur saftig, sondern bleibt auch lange frisch. Und die Zimtsterne überraschen durch ihre überaus zarte Konsistenz.
Quarkstollen
Zugegeben: Der Original Dresdner Christstollen wird aus Hefeteig hergestellt und benötigt Fingerspitzengefühl und Zeit. Aber dieser Christstollen mit Quark, ein altes Familienrezept, steht dem Original in Nichts nach, außer dass er lange haltbar ist und zudem sehr saftig bleibt. Am besten, Sie backen den Stollen schon in den ersten Tagen des Advent, damit er zur Weihnachtszeit gut durchgezogen ist (falls er dann nicht schon gegessen ist und Sie nochmal backen).
- Sie benötigen: 500 g Mehl, 1 Päckchen Backpulver, 1 Päckchen (echten) Vanillezucker, 200 g Zucker, etwas geriebene Muskatnuss, 1 kl. Gläschen Rum oder 1 Fläschchen Rumaroma, 2 Eier, 175 g Butter, 250 g Quark, 250 g (evtl. eingelegte) Rosinen, 150 g gehackte Nüsse (Mandeln, Haselnüsse und/oder Walnüsse) und je 100 g Zitronat und Orangeat, gehackt
- Kneten Sie aus den Zutaten einen festen Teig und füllen Sie damit eine Brotback- oder Zopfform. In früheren Zeiten wurde dieser Stollen aus drei Strängen als Zopf geflochten. Alternativ können Sie den Teig auch in zwei Kastenformen füllen, dann haben Sie einen (kleineren) Stollen für die Adventszeit und einen Stollen für Weihnachten. Wenn Sie geschälte Nüsse in einer Tüte gekauft haben, können Sie diese übrigens noch in der Tüte mit einem Fleischklopfer „hacken“, jedoch vorsichtig, damit die Tüte nicht platzt.
- Den Ofen auf 180 °C vorheizen (Umluft 160 °C). Den Stollen knapp 2 Stunden backen; die beiden Kastenformen kürzer. Eventuell müssen Sie die Oberseite, damit sie nicht dunkel wird, mit Alufolie abdecken.
- Der Stollen wird dann in der Form noch heiß mit zerlaufener Butter bepinselt und mit Puderzucker bestreut. Die Autorin tränkt ihn zusätzlich mit einem Gläschen Likör, zum Beispiel Marillen, Pfirsich oder Orange. Den Stollen dann auskühlen lassen und in Alufolie verpacken, damit der durchzieht. Kühl lagern.
Kinderstollen
Kinder mögen den Geschmack von Orangeat und Zitronat, ja manchmal sogar Rosinen nicht. Vor der Zugabe der „sensiblen“ Zutaten nehmen Sie einfach die Hälfte des Teiges ab und backen daraus einen Kinderstollen ohne Alkohol. Man aromatisiert mit etwas abgeriebener Orangenschale und fügt als Ersatz gehackte Trockenfrüchte, Walnüsse, Cranberries, kleine Stückchen Schokolade oder Marzipan zu, eben was Kinder mögen.
Zarte Zimtsterne
Der Teig klebt an der Arbeitsplatte beim Ausrollen, der schöne weiße Aufstrich auf den Zimtsternen wird braun und platzt ab und die Zimtsterne sind so hart, dass man sie als Steine in den Garten legen könnte? Wenn Ihnen das auch schon passiert ist, dann probieren Sie dieses Rezept!
- Sie benötigen: 150 g Mehl, 75 g Butter, 220 g sehr fein gemahlene Mandeln oder andere Nüsse, 1 Essl. Kakaopulver, 125 g Zucker, 1 Eiweiß, 1 kleines Ei, 1 Teel. Zimt; Zuckerglasur
- Das Eiweiß und das kleine Ei werden schaumig geschlagen. Die anderen Zutaten verkneten Sie miteinander und mischen dann vorsichtig den Ei-Schaum unter.
- Lassen Sie den Teig mindestens 1 Stunde im Kühlen ruhen.
- 1/3 des Teiges zwischen Klarsichtfolie ausrollen, das heißt Sie bedecken die Arbeitsplatte mit einem Stück Folie, darauf kommt der Teig und darüber noch einmal Folie. So müssen Sie den Teig nicht auf Mehl (oder Zucker) ausrollen und nichts klebt an.
- Nun mit einer nur leicht bemehlten Form kleine Sterne ausstechen, die auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech gesetzt werden. Den Teigrest auf zweimal verarbeiten.
- Die Zimtsterne bei schwacher Mittelhitze (Umluft 160 °C) mehr trocknen als backen.
- Noch heiß werden die Zimtsterne auf dem Backblech mit Zuckerglasur überzogen. Dies hat den Vorteil, dass die Glasur beim Backen (oder danach) nicht bricht. Außerdem bleibt sie schön hell und hält das Gebäck dauerhaft frisch.
- Noch üppiger und geschmackvoller werden die Zimtsterne, wenn Sie unter den Teig noch 100 g Marzipanrohmasse kneten. Der Teig wird dann aber klebriger und die Folie ist ein Muss.
- Das verbleibende Eigelb aus dem Rezept können Sie für das Bestreichen von Buttergebäck verwenden. Verquirlen Sie es mit etwas Kondensmilch.
Chemischer Blick ins Backlabor
Zimtsterne, die nur mit Nuss, Zucker und Eiweiß hergestellt werden, sind nach dem Backen schön weich, werden aber nach dem Abkühlen knallhart. Warum? Eiweiß und Zucker ist von der Art her ein idealer Kleber, dern die gemahlenen Nüsse wunderbar zusammen hält. Aber er wird hart: Der Zucker kristallisiert aus, die (gestreckten) Eiweißmoleküle ziehen sich zusammen. Abhilfe kann hier die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft schaffen, die den Kleber aufquellen lässt. Also warten? Nein, legen Sie einfach eine Scheibe frisches Brot oder ein Stück Apfel in die Plätzchendose. Leider schimmelt es dann in so manchen Dosen. Das Rezept für "zarte Zimtsterne" umgeht das Kleberproblem und fügt etwas Mehl und 1 ganzes Ei hinzu. Geschmacklich tut das den Zimtsternen natürlich keinen Abbruch.
Die Spezialplätzchen
Dieses ganz besondere Rezept wurde von der Autorin im Alter von etwa vier Jahren aus einer Verlegenheit heraus kreiert. An Weihnachten hatte sie eine kleine Puppenküche bekommen und wollte damit spielen, eben so, wie es im richtigen Leben zugeht. Jedenfalls enthielt diese Puppenküche einen eigenen Kochherd, der allerdings „nicht richtig“ funktionierte, dazu Töpfe, Pfannen und Kuchenformen. Trotzdem sollte in dieser Küche ein Kuchen gebacken werden, und zwar mit Mehl, Milch, Butter, Eiern und Zucker.
Leider ließ sich die Mutter der Autorin für die benötigten Zutaten nicht erweichen, wohl aus der Furcht, die ganze Puppenküche werde mit Zucker ausgestreut oder mit Teig gekleistert. Nur Mehl, Wasser und etwas Salz wurde bewilligt. Daraus entstand dann ein Teig, den die Autorin mit winzigen Förmchen zu Plätzchen verarbeitete und auf ein kleines Backblech legt. Schließlich konnte die Mutter noch überredet werden, die „Plätzchen“ für die Puppen auch zu backen: Sie blieben gut in Form, waren aber knallhart und schmeckten einfach grauenhaft, nämlich nur nach Salz. Aber die Puppen mussten sie essen.
Lust auf mehr Weihnachtsliches?
- Omas Plätzchen warten bereits aufs Backen, nämlich Spritzgebäck, Vanillekiperl und Schokobrote.
- Oder Sie versuchen sich an den altdeutschen Springerle, die auch als Christbaumschmuck verwendet werden können.
- Und im Frankfurter Raum sind natürlich die Bethmännchen besonders beliebt.
Bildnachweis: Abb. 1: © Hannelore Dittmar-Ilgen
