
- Rote Reben vor der Lese - Joujou / pixelio.de
In der Mitte Frankreichs, entlang der Sioule und des Allier, liegen die Felder des Saint-Pourçain-sur Sioule. Es gilt als eines der ältesten Anbaugebiete Frankreichs. Schon im Mittelalter wurden die Weine am Hof des Königs und im Palast der Päpste in Avignon getrunken. Im 18. Jahrhundert dehnten sich die Weinfelder auf 8.000 ha aus. 1892 wurden sie allerdings von der Reblaus vernichtet.
Anerkennung für das önologische Geschick
Im Mai 2009 wurde der Lage Saint-Pourçain-sur Sioule die Klassifizierung als AOC zuerkannt. Es gibt nur eine Kooperative - „Union des vignerons“; die anderen siebzehn Winzer produzieren als Einzeleigentümer, entweder unter dem Etikett „Domaine“ - Domäne - oder „Cave“ - Keller -.
Acht Weine haben im Guide Hachette von 2009 ein bis drei Sterne erhalten; im Jahr davor waren es sechs. Auch auf der Pariser Landwirtschaftsmesse - Concours Général Agricole - werden regelmäßig einzelne Weine ausgezeichnet.
Auf 640 ha Fläche, von der Gemeinde Chemilly im Norden bis nach Chantelle im Süden, erstrecken sich heutzutage die Weinfelder. Die Weinstraße bietet sich als eine Rundreise an, die durch 19 Gemeinden führt. Zwei der Orte mit mittelalterlichem Charakter tragen den Titel der „schönsten Dörfer“ Frankeichs: Verneuil-en-Bourbonnais und Charroux.
Rot und Weiß und Sekt
Angebaut werden zwei rote Trauben: der Pinot Noir - Roter Burgunder - und der Gamay, die zum Rotwein verschnitten werden. Aus dem Gamay werden auch Rosé-Weine gemacht.
Für die Weißweine werden in der Regel zwei bis drei Rebsorten benutzt: Unerlässlich ist der Tressallier, eine autochthone weiße Traube des Départements Allier. Er wird mit dem Chardonnay verschnitten; zuweilen kommt ein kleiner Anteil Sauvignon Blanc hinzu.
Es sind alles trockene Weine. Rotweine mit einem hohen Anteil an Gamay fehlt es zuweilen jedoch an Harmonie, sodass sie zumindest in jumgem Alter hart schmecken.
Die weißen und rosé Schaumweine dürfen hier natürlich nicht Champagner heißen: Zuweilen steht nicht „Vin Mousseux“, sondern schlicht „Méthode classique“ auf den Flaschen - obwohl Champagner natürlich keine klassische Methode der Weinproduktion ist, sondern kaum dreihundert Jahre alt. Selbstverständlich kann man überall den Wein probieren, bevor man kauft.
Stolz auf Traditionen
Zwei öffentliche Einrichtungen honorieren die Geschichte des lokalen Weinbaus: An den Hängen des Schlosses von Chareil-Cintrat werden auf 2 ha die antiken Rebsorten angebaut, die einstmals für den Wein der Region verwendet wurden.
Im Hauptort Saint-Pourçain-sur Sioule - einer Kleinstadt mit rund 5.000 Einwohnern - gibt es ein Weinbaumuseum, das nicht nur die Weinproduktion selber, sondern auch die Herstellung der zugehörigen Gerätschaften präsentiert. Wie viele französische Museen haben sie ein spezielles Programm für Kinder (ab 7 Jahren).
Daneben aber gibt es zwei „Bruderschaften“, die die Traditionen pflegen: Die Bruderschaft der feinen Gaumens - „L'Ordre des Fins Palais" - und die Bruderschaft des Bindfadens - "Les Compagnons de la Ficelle".
Ein Bindfaden im Wein
Der Vereinszweck der Brüder der feinen Gaumen ist naheliegend. Aber was hat der Bindfaden mit Wein zu tun? Gaultier, ein Wirt des 15. Jahrhunderts in Saint-Pourçain-sur Sioule, pflegte seinen Gästen den Wein in irdenen Krügen zu servieren. So sah er aber nicht, wie viel sie tranken. Da kam er auf die glorreiche Idee, eine dünne Kordel in regelmäßigen Abständen mit Knoten zu versehen und sie in den Wein zu hängen. Man sagt, so seien die Maße peinte, demi und galopin entstanden.
In den Tourismusbüros der Gegend oder beim Syndikat der Winzer erhält man eine Karte der Weinstraße und andere Informationen rund um den Weinbau der Region.
