
- Salmonelle dringt mit Darmwelle in Darmzelle ein - Dr. Manfred Rohde: Helmholtz-Zentrum (HZI)
Fällt das Softeis auf die Hose, hat man vielleicht Glück im Unglück und bekommt keine Salmonellose: Salmonellen sind die häufigste Ursache von bakteriellen Lebensmittelvergiftungen, im Jahr 2009 verursachten Salmonellen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) über die Hälfte aller lebensmittelbedingten Zoonose-Ausbrüche in Deutschland. In Deutschland liegen Salmonellen momentan auf Platz vier der meldepflichtigen akuten Magen-Darm-Erkrankungen, nach den viralen Durchfallerregern Norovirus und Rotavirus, sowie nach dem bakteriellen Diarrhoeerreger Campylobacter. 2010 meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 25.307 Salmonellen-Erkrankungen (Gastroenteritiden, siehe Grafik) – am 12. September 2011 wurden für das Jahr 2011 bisher 14.425 durch Salmonellen verursachte Krankheitsfälle registriert.
Salmonellen kommen wie aus dem Ei gepellt im Hackfleisch vor
Zur gramnegativen Bakterienart Salmonella enterica gehören etwa 1.500 Bakterien-Serovare wie der Paratyphus-Erreger "Salmonella Paratyphi" und der Typhus-Erreger "S. Typhi", sie verursachen als typhoidale Salmonellen so genannte systemische Infektionen. Dagegen verursachen laut RKI momentan in Deutschland die nicht-typhoidalen Salmonella-Serovare "S. Enteritidis" und "S. Typhimurium" etwa 80 bis 90 Prozent unserer akuten Magen-Darm-Erkrankungen – die Salmonellose oder Salmonellen-Gastroenteritis. Salmonellosen sind typische Lebensmittel-Infektionen: Nach dem BfR wurden im Jahr 2009 in vier Prozent aller untersuchten Fleischproben Salmonellen festgestellt, besonders rohes Hähnchenfleisch und Schweine-Hackfleisch sind ein Infektionsrisiko. Aber auch Eier und Rohei-Produkte können manchmal verunreinigt sein, dazu gehören zum Beispiel Mayonnaise oder Speiseeis – Salmonellen überstehen die Temperaturen des Gefrierschranks ohne Mühe.
Salmonellen-Infektionskomplex verursacht erste Symptome nach 6 bis 72 Stunden Inkubationszeit
Fällt das mit Salmonellen kontaminierte Softeis nicht auf die Hose, reichen etwa zehntausend bis eine Million Salmonellen für eine Infektion aus – bei EHEC-Bakterien liegt die Infektionsdosis mit 10 bis 100 Bakterien weit darunter. Jetzt wird die Sache für unsere armen Darmzellen komplex, denn Salmonellen haben einen Infektionsapparat mit Nadelkomplex (siehe Bilder des IMP): Mit den nanometerfeinen Nadeln injizieren die Salmonellen Signalstoffe in die Darmzellen, diese Effektormoleküle programmieren die Darmzellen-Abwehr um. Dies führt in der Zellmembran der Darmzellen manchmal zu Membranwellen ("ruffling"), manchmal aber auch nicht (siehe Bilder des HZI). In einer Darmwelle der Begeisterung dringen dann die Salmonellen in die Darmzellen ein. Dort baut sich jede Salmonelle eine Darmzell-Organelle namens Salmonellen-Vakuole und vermehrt sich. Von der Darmwelle der Salmonellen-Begeisterung sind wir Menschen gar nicht begeistert, da nach einer Inkubationszeit von etwa 6 bis 72 Stunden die Krankheitssymptome einsetzen.
Salmonellen-Symptome wässriger Durchfall, Erbrechen und Fieber
Da sich bei kleinen Kindern das Immunsystem noch entwickelt, erkranken an der Salmonellose besonders häufig Kleinkinder und Kinder unter 10 Jahren – hier genügt oft schon eine niedrige Salmonellen-Infektionsdosis um die Krankheit auszulösen. Eine Salmonellose beginnt oft urplötzlich mit Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit, sowie mit wässrigem Durchfall. Weiterhin kommt es oft zu leichten Fieber, wobei die Krankheitssymptome abhängig vom Serovar einige Tage anhalten können. Noch länger scheiden infizierte Menschen Salmonellen aus – bei Kindern kann sich dieser Zeitraum über Monate hinziehen.
Eine Salmonellose kann zu Komplikationen führen
Manchmal kann eine Salmonellose auch zu hohem Fieber und unangenehmen Komplikationen führen. Die Salmonellen übertölpeln ab und an das Immunsystem des Darmes und übersiedeln in andere Organe des Körpers: So kann es zu einer Hirnhautentzündung kommen, aber auch die Niere oder die Lunge können sich entzünden – besonders bei älteren Menschen mit geschwächten Immunsystem. Allerdings ist die Sterblichkeit der Salmonellose gering und liegt unter 0,1 Prozent. Bei dem schweren Krankheitsbild der Salmonellose werden manchmal Antibiotika eingesetzt, bei normalen Symptomen wird der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust des Körpers ausgeglichen. Eine symptomatische Therapie mit Elektrolyt-Glucose-Trinklösungen bewahrt unseren Körper vor der Austrocknung (Exsikkose).
Symptomatische Therapie mit Kalium, Natrium und Glucose
Für Kinder empfiehlt die Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) so genannte orale Rehydrierungslösungen (ORL) mit Elektrolyten wie Kalium, Natrium und Glucose. Heilsam für Erwachsene sind auch lindernde Hausmittel wie geriebene Äpfel, Bananen und Heidelbeeren. Mit einer heißen Brühe oder Tee kann man sich auch zu Hause orale Rehydrationslösungen selbst mischen – dagegen sind Schüßler Salze als "Hausmittel" oder Wundersubstanzen mit Natriumchlorit bei Durchfall und Erbrechen ungeeignet.
Weitere Informationen & Literatur:
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2009): "Erreger von Zoonosen in Deutschland im Jahr 2009". Herausgegeben von M. Hartung und A. Käsbohrer.
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ): Hier finden Sie als pdf-Dokument die kostenlose Elterninformation "Mein Kind hat Durchfall".
Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte: Salmonellose (Salmonellen-Gastroenteritis). Aktualisierte Fassung vom August 2009. Auf der Internet-Präsenz des RKI finden Sie auch die Datenbank SurvStat mit den Salmonellen-Fallzahlen mit Datenstand vom 17. August 2011.
Bildinformationen: Die Bilder des Salmonella-Nadelkomplexes stammen vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) – Oliver Schraidt und Thomas C. Marlovits (2011): "Three-Dimensional Model of Salmonella’s Needle Complex at Subnanometer Resolution". Science, März 2011, Volume 331, Nummer 6021, Seite 1192 bis 1195 (DOI: 10.1126/science.1199358).
Die Bilder der Salmonella-Ruffles stammen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) – Hänisch J., Ehinger J., Ladwein M., Rohde M., Derivery E., Bosse T., Steffen A., Bumann D., Misselwitz B., Hardt W.D., Gautreau A., Stradal T.E. und Rottner K. (2010): "Molecular dissection of Salmonellen-induced membrane ruffling versus invasion." Cell Microbiology, Volume 12, Issue 1, Seite 84 bis 98. (doi:10.1111/j.1462-5822.2009.01380.x)
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