
- Saline Luisenhall Göttingen - Ruth Lisa Knapp
Meersalz, das aus der Erde kommt – wie soll man das verstehen? Vor 250 Millionen Jahren bedeckte ein Ozean Mitteleuropa. Der trocknete ein und hinterließ Salzstöcke unter der Erde, die abgebaut werden, um das lebenswichtige Natriumchlorid zu gewinnen. Auch im Göttinger Stadtteil Grone bohrte man Mitte des 19. Jahrhunderts nach Salz und fand in etwa 450 Metern Tiefe eine mehrere Meter dicke Steinsalzschicht und – das ist das Besondere – gesättigte Salzsole. Das ist Wasser, in dem so viel Salz gelöst ist, wie Wasser maximal aufnehmen kann: 27 Prozent. Diese Salzlösung fördert die Saline Luisenhall bis heute und verarbeitet sie zu einem besonderen Salz.
Ein altes Produktionsverfahren: So wird das Tiefensalz gewonnen
Die Saline Luisenhall, nach der Mutter des zweiten Besitzers benannt, ist eine Manufaktur, die heute 17 Mitarbeiter beschäftigt und 3.500 Tonnen Salz pro Jahr produziert. Die historischen Gebäude sind Industriedenkmal und produzierender Familienbetrieb zugleich. Die Sole-Lösung wird hochgepumpt und fließt in ein großes Holzbecken und von dort weiter in riesige Siedepfannen. Von unten erhitzt ein Kohlefeuer die Flüssigkeit auf ca. 70 Grad. Gleichzeitig wird sie mechanisch und von Hand bewegt, bis sich Kristalle an der Oberfläche bilden, die abgeschöpft werden. In einer Zentrifuge wird diese Masse dann mit heißer Luft getrocknet und gesiebt. Magneten entziehen dem Salz Eisenteilchen, dann wird es per Hand verpackt. In kleinen Mengen kann man dieses Tiefensalz zum Kochen erwerben, in großen Mengen geht es an Kneipp-Kurbetriebe und in die handwerkliche Lebensmittelproduktion.
Das Salz aus Natursole ist mild und gesund
Das Salz aus der Saline Luisenhall schmeckt milder als das übliche industriell produzierte Tafelsalz. In ihm sind alle natürlichen Mineralien und Spurenelemente erhalten, die wichtige Körperfunktionen unterstützen. An Einzelverbraucher wird es als Küchensalz in Packungen ab 500 Gramm verkauft oder in kleinen nostalgischen Leinensäckchen zu 300 Gramm. Für den Salzstreuer ist es nicht geeignet, da keine Rieselhilfen zugesetzt werden. Man bringt es in einem offenen Gefäß auf den Tisch und bedient sich mit den Fingern. Die grobkörnige Variante eignet sich für die Salzmühle. Aber nicht nur zum Kochen, auch für Peelings, zum Baden und für Heilzwecke wird dieses Salz gern verwendet.
Solebad im Badehaus der Saline Luisenhall
Im Badehaus auf dem Salinengelände können Gäste in Tiefensalz-Wasser baden, entweder im Becken oder in der Wanne, zu bestimmten Zeiten mit Textilien, zu anderen Zeiten ohne. Das 35 Grad warme Wasser hat einen Salzgehalt von 18 Prozent, was einen starken Auftrieb bewirkt und die Gelenke deutlich entlastet. Für optimale Entspannung reicht ein Bad von 20 Minuten. Das Gefühl des Schwebens löst Verkrampfungen und tut auch der Seele gut. Für noch mehr Wellness sorgen Sonnendusche und Massagen. Im Dampfbad und per Inhalationen kann die salzhaltige Luft eingeatmet werden. Haut- und Atemwegserkrankungen werden günstig beeinflusst. Da das Badehaus eine kleine Einrichtung ist, sollten Besuchstermine telefonisch reserviert werden.
Führungen und Theater in der Saline
Die Saline Luisenhall mit ihren Gebäuden aus Ziegelstein und Eichenfachwerk und den technischen Einrichtungen aus dem 19. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz. Die Göttinger Touristeninformation veranstaltet gelegentlich Führungen durch das Gelände. In den letzten Jahren hat die Saline einen Teil ihrer Räumlichkeiten auch für Theateraufführungen zur Verfügung gestellt. 2007 spielte dort die Werkgruppe 2 „Das Orangenmädchen“ von Jostein Garder, 2008 wurde „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ von Hans Peter Hoeg aufgeführt und 2009 fand in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater die beeindruckende Installation über das Leben im Lager „Friedland“ statt.
Adresse: Greitweg 48, 37081 Göttingen, Telefon Saline: 0551-384870, Telefon Badehaus: 0551-9972840
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