
- Sam Sykes, Fantasy-Autor im Interview - Jennifer Watkins
Sam Sykes wurde das Schreiben wohl mit in die Wiege gelegt. Der 25 Jahre alte Fantasy-Autor ist der Sohn von Diana Gabaldon. Während seine Mutter mit ihren historischen Liebesromanen (Highland-Saga) Erfolge feierte, konzentriert sich Sam auf eher blutige Abenteuer-Fantasy. Nach Erscheinen seines ersten Romans, „Die Tore zur Unterwelt – Das Buch des Dämons“, antwortete er auf die Fragen von Jörn Käsebier.
Suite101.de: Herr Sykes, woher stammt die Idee von der Welt, in der Lenk, Kataria und die Dämonen leben?
Sam Sykes: Vor dieser Art Fragen graust es mich. Jeder andere Fantasy-Autor kann eine tolle Geschichte darüber erzählen, wie er sich seine Welt im Kopf geformt hat, nachdem er 60 Tage in der Bastille auf einer Strohmatte verbracht hat. Für mich zählt ein Weltentwurf nur wenig, wenn die Charaktere langweilig sind. Viele Elemente der Welt – die Gesellschaftsform, die Rassen und die Religionen – entstanden aus den Figuren heraus. Als ich diese hatte, musste ich nur logisch zusammenführen, was passiert, wenn sie zusammenkommen. Es sind die Figuren, die eine Geschichte formen.
Suite101.de: Können Sie ein Beispiel nennen?
Sam Sykes: Ich wollte die Shicts nicht eine weitere Rasse von entrückten, himmlischen Waldbewohnern werden lassen, die alle anderen Rassen lieben. Da sie schließlich im Wald leben, stehen sie mit anderen Zivilisationen nicht in engem Kontakt. So wurden sie zu wilden, fremdenfeindlichen Stammesleuten, die in Angst vor den Menschen leben. Das macht auch den inneren Konflikt von Kataria aus und bringt weitere Ebenen in die Geschichte.
Suite101.de: Während sich viele moderne Fantasy-Autoren auf menschliche Figuren konzentrieren, finden sich in Ihrem Buch ein Drachenmann, die erwähnten Shicts und Amazonen mit purpurroter Haut. Warum?
Sam Sykes: Ich kann nachvollziehen, warum andere Autoren auf phantastische Rassen und Kreaturen aus einer anderen Welt verzichten. Es kann es einem Fantasy-Roman erleichtern, seriös rüberzukommen und ernst genommen zu werden. Ich denke aber, dass Leser, die Fantasy wegen der Rassen ablehnen, auch bei einem Verzicht auf diese, keine Fantasy lesen würden. Wichtiger noch: Was mich am Genre fasziniert, ist, dass wir Autoren machen können was wir wollen. Wir können eine auf zwei Beinen laufende, sprechende Echse erfinden, die einen Hang zum Suizid hat. Oder wir können erforschen, was eine zwei Meter große Amazone mit purpurroter Haut antreibt. Ich vermute, dass viele Leute das Hinzufügen von Fantasy-Rassen mit sinnlosem Eskapismus gleichsetzen. Ich glaube aber, dass das überhaupt nicht stimmt. Im Kern geht es in der Fantasy dennoch darum, zu erforschen, was Menschlichkeit ausmacht und darum, etwas über unsere moderne Gesellschaft zu sagen. Das geschieht nur leichter verdaulich und fantasievoller als anderswo in der Kunst.
Suite101.de: „Die Tore zur Unterwelt“ ist als Trilogie geplant. Haben Sie bereits Pläne für ein weiteres Buch danach?
Sam Sykes: Ja, die habe ich! Mein neues Projekt wird richtig geil, so geil, dass ich noch niemandem etwas darüber sagen kann. Ich wünschte, ich könnte konkreter werden, doch ich kann es nicht. Als Entschädigung habe ich eine Seekuh für meine deutschen Fans gezeichnet (s. Bild 2).
Suite101.de: Welche Autoren haben Sie so beeindruckt, dass Sie selbst Fantasy-Bücher schreiben wollten und haben vielleicht sogar Ihre Schreibe beeinflusst?
Sam Sykes: Bei der Antwort zu dieser Frage schwebt immer latent die Angst mit, jemanden zu vergessen. Vor allem, da man ja auch davon beeinflusst wird, was einem nicht gefallen hat. Das war bei mir etwa mit den Drachenlanzen-Romanen der Fall. Doch die Autoren, die mir gezeigt haben, wie viel man aus Fantasy machen kann, die ihre Figuren stark in den Vordergrund stellen, wie ich es mag, das sind wohl George R.R. Martin, Joe Abercrombie und Scott Lynch. Aber Abercrombie darf nichts davon erfahren, das könnte ich nicht ertragen.
Suite101.de: Sie sind der Sohn der Autorin Diana Gabaldon. Wie hat Ihre Mutter reagiert, als Sie ihr gesagt haben, dass Sie auch Schriftsteller werden wollen?
Sam Sykes: Das könnte sie wahrscheinlich besser beantworten. Ich kann mir aber vorstellen, dass ihre Reaktion entweder in einem frostigen, bitteren Lachen bestand oder in einem ruhigen, abschätzigen Blick, als sie sich überlegte, wie ich im Wettbewerb mit ihr bestehen würde.
