
- Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt 1 - Penhaligon
Sam Sykes lässt nach einem überflüssigen Prolog „Die Tore zur Unterwelt“ mit einem Paukenschlag beginnen. Bis Seite 182 zieht sich das erste Gefecht, in dem sich die Abenteurer um den früh ergrauten Lenk bewähren müssen. Piraten greifen ihr Schiff an und erhalten Hilfe von Wesen der Unterwelt, die das Buch des Dämons – so auch der Untertitel von Band 1 der Fantasy-Reihe – in ihre Gewalt bringen wollen. Sykes führt während der rasanten Action seine Figuren ein: die wilde Shict Kataria, den Drachenmann Gariath, den Magier Dreadaeleon, den Meuchelmörder Denaos und die Prietserin Asper. Und gleich in den ersten Kämpfen werden die Gegensätze zwischen den Söldnern deutlich, ebenso ihre Stärken und Schwächen.
Sam Sykes beginnt mit „Die Tore zur Unterwelt –Das Buch des Dämons“ eine neue Reihe
Die Dialoge in „Die Tore zur Unterwelt“ erinnern in ihrer direkten Sprache stellenweise an Joe Abercrombie, der für seine Vorliebe für Schimpfwörter bekannt ist; doch Sykes kann auch gut beschreiben und Details ausschmücken, was besonders in einer Szene deutlich wird, in der er aus Lenks Perspektive schildert, wie ein Schweißtropfen über den Körper von Kataria läuft. Ein weiteres Plus des Romans liegt im Humor, den Sam Sykes durchschimmern lässt. Bereits an der rudimentären Karte im Buchumschlag lässt sich ablesen, dass Sykes zwar das Genre Fantasy ernst nimmt, doch mit hochtrabenden Heldengeschichten nichts anfangen kann. Er schickt seine Helden auf eine Quest, wie schon viele Autoren es vor ihm getan haben, doch um Ruhm und Ehre geht es der Gruppe von Abenteurern nicht. Die Gründe, warum sie sich auf ihre Mission begeben, sind sehr individuell – der Wunsch ein Held zu sein, treibt jedoch nicht einmal den am ehesten idealistischen Lenk an.
Das Fantasy-Buch „Die Tore zur Unterwelt“ hat Längen
Die Figur des weißhaarigen Jünglings ist die am wenigsten überzeugende in „Die Tore zur Unterwelt“. Zu wenig wird deutlich, was Lenk antreibt und wer er wirklich ist – wird er doch in entscheidenden Momenten von einer Stimme in seinem Kopf beherrscht. Zudem besteht ein großer stilistischer Gegensatz zwischen den Tagebucheinträgen, die von Lenk stammen sollen und den Passagen, die aus seiner Perspektive geschrieben sind und Einblicke in seine Gedankenwelt liefern. Ein Verzicht auf die Tagebucheinträge wäre besser gewesen.
Ein weiterer Negativpunkt von „Die Tore zur Unterwelt – Das Buch des Dämons“ ist die Länge. Im letzten Drittel zieht sich die Handlung stellenweise lang hin, da Sykes einige Motive und Gedanken seiner Figuren wiederholt sowie Sachverhalte erläutert, die sich dem aufmerksamen Leser bis dahin längst erschlossen haben. Der Plot gibt jedoch noch ausreichend Stoff für eine Fortsetzung her. Denn die Dämonen werden ihr Bestreben nicht aufgeben, die Tore zur Unterwelt zu öffnen und in die Welt zurückzukehren. Im Original ist der zweite Band der „Tore zur Unterwelt“ (The Aeons’ Gate) bereits erschienen – für die deutsche Übersetzung gibt es noch keinen offiziellen Termin.
Sam Sykes ist der Sohn von Diana Gabaldon
Sam Sykes wurde das Schreiben wohl mit in die Wiege gelegt. Der 25 Jahre alte Fantasy-Autor ist der Sohn von Diana Gabaldon. Während seine Mutter mit ihren historischen Liebesromanen (Highland-Saga) Erfolge feierte, konzentriert sich Sam auf blutige Abenteuer-Fantasy. Doch vielleicht hat er von seiner Mutter nicht nur das Schreib-Talent geerbt, sondern auch die Vorliebe für Meeresbiologie und Zoologie. Er scheint jedenfalls viel Freude an Mischwesen und Mutationen zu haben, denn Sykes legt in „Die Tore zur Unterwelt“ viel Wert auf die Beschreibung der Rassen, Dämonen und magischen Wesen. Im Gegensatz zu den Dämonen von Peter V. Brett, die auf Stoffen und Elementen basieren, sind die Geschöpfe der Unterwelt bei Sykes jedoch eher schleimiger Natur. So ganz ohne Romanze kommt er aber nicht aus. Wie sich die temperamentvolle Beziehung zwischen Lenk und Kataria entwickelt, können die Leser in den weiteren Büchern von Sam Sykes verfolgen.
Sam Sykes: Die Tore zur Unterwelt – Das Buch des Dämons. Penhaligon 2011. Broschiertes Taschenbuch, 736 Seiten. Euro 16,99 (Österreich 17,50).
