Sammlung Boros Berlin: Im Bunker zeitgenössische Kunst genießen

Kunstausstellung im Hochbunker - Wilhelm Ruprecht Frieling
Kunstausstellung im Hochbunker - Wilhelm Ruprecht Frieling
Ein ehemaliger Bunker in Berlin-Mitte dient als privates Museum für zeitgenössische Kunst. Ein Besuch lohnt sich.

1942 wurde der Hochbunker Ecke Albrechtstraße/Reinhardtstraße in Berlin-Mitte als „Reichsbahnbunker Friedrichsstraße“ unter der Leitung von Albert Speer erbaut, obwohl die Nazis immer noch vom „Endsieg“ ausgingen und sich kaum um die eigene Bevölkerung sorgten. Der Schutzraum in unmittelbarer Nähe zum „Deutschen Theater“ bot 2.000 Menschen Unterschlupf.

Fetisch, Fantasy und freie Liebe

Nach der Befreiung Berlins 1945 nutzte die Rote Armee die undurchdringbaren Mauern als Kriegsgefängnis. Später diente es als Textilienlager, und ab 1957 wurden Trocken- und Südfrüchte durch die DDR-Regierung dort eingelagert. Im Volksmund hieß der klotzige Bau „Bananenbunker“, weil dort ein Hauch vom Duft der weiten Welt wehte.

Nach dem Zusammenbruch der DDR entdeckte die Techno-Szene die „Location“ und machte daraus den härtesten Techno-Club Deutschlands. Bei dröhnender Musik fanden Fantasy- und Fetisch-Partys sowie Veranstaltungen mit abenteuerlichen Namen wie „Sexperimenta“ statt. Es gab „Dark-Rooms“, und bei einer „Ouvertüre der Lust“ wurden trotz behördlicher Verbote wilde SM-Partys abgehalten.

Kunstausstellungen im Hochbunker

Ab 1996 wurde das monströse Bauwerk einer seriöseren Nutzung gewidmet und zu Kunstausstellungen genutzt. 2003 erwarb Christian Boros, Inhaber einer profitablen Werbeagentur, den Hochbunker. Das Gebäude wurde umfangreich saniert, innen teilweise aufgeschnitten und mit einem Loft auf der 1.002 Quadratmeter großen Dachfläche getoppt, in dem sich Boros samt Terrassen und Dachgärten eingerichtet hat.

Seit 2008 nutzt Boros den fünfstöckigen Bunker als Ausstellungsraum für von ihm gesammelte Kunstwerke. Diese Sammlung ist an Wochenenden öffentlich zugänglich. Aufgrund der räumlichen Enge im Bunker und feuerpolizeilicher Vorschriften ist der Besuch aber nur nach Voranmeldung im Internet in kleinen geführten Gruppen möglich. Anmeldungen erfolgen über die Homepage des Privatmuseums.

Skulpturen, Installationen und Performances

Gezeigt werden Kunstwerke, die den Raum einbeziehen und spielerisch mit der Architektur umgehen. Die Arbeiten wurden von den Künstlern selbst installiert und inszeniert. Einige Arbeiten wurden eigens für den Bunker geschaffen. Es handelt sich dabei um Skulpturen, Rauminstallationen sowie Licht- und Performancearbeiten, die sämtliche Räume im Bunker nutzen und dem Besucher zu einem eindrucksvollen Wechselspiel zwischen Kunst und Monumentalarchitektur einladen.

Zeitgenössische Kunst auf 3.000 Quadratmetern

Gezeigt werden Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Damian Hirst, Olafur Eliasson, Elizabeth Peyton, Wolfgang Tillmans, Anselm Reyle, Manfred Pernice, Tobias Rehberger, John Bock, Wilhelm Sasnal und Michel Majerus.

Die Sammlung Boros präsentiert sich auf über 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit unterschiedlichen Raumhöhen von 2,30 bis 13,00 Metern. Im Inneren des Betonkolosses sind die verschiedenen Nutzungen des Gebäudes ablesbar, außen wurden alle Kriegsspuren belassen, um den Denkmalcharakter zu wahren.

80 Kunsträume im Betonmantel

Der Bunker besitzt eine quadratische Grundfläche mit einer Länge von circa 38 Metern und einer Höhe von 16 Metern. Im Inneren erstreckt sich der Schutzraum über fünf Etagen. An jeder der vier Längsseiten ist ein separates Treppenhaus mit gegenläufigen Treppen angeordnet. Die Außenwände aus massivem Stahlbeton haben eine Dicke von zwei Metern. Die ursprüngliche Raumhöhe beträgt nur 2,30 Metern. Das Dach besteht aus 3,10 Metern dickem Stahlbeton. Entstanden sind 80 Räume, die durch Kunstlicht unterschiedlich beleuchtet werden.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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