Samsara und Reinkarnation – der Kreislauf des Lebens

Statue in Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Statue in Hangzhou - Sonja Eliane Stenek
Im Buddhismus wird vom Prinzip der Wiedergeburt ausgegangen, die so lange erfolgt, bis Erleuchtung gefunden wird.

Samsara ist der Kreislauf des Lebens, der im Buddhismus so lange durchlaufen wird, bis die Erleuchtung erreicht wird. Dementsprechend ist es für Buddhisten nicht unbedingt angenehm zu hören, dass sie im nächsten Leben wieder inkarnieren werden, da sie aus diesem Kreislauf schließlich aussteigen möchten. Aus diesem Grund ist es nicht der Tod, der für den Buddhisten beängstigend wirkt, sondern eher die Tatsache, aus diesem ewig währenden Kreislauf gefangen zu sein.

Die Ehre, als Mensch zu inkarnieren

Es gibt im Wesentlichen 5 Ebenen, in welchen inkarniert werden kann. Die höchste Ebene stellt diejenige der Götterwelt dar, danach folgt bereits die menschliche Ebene. Die tieferen Ebenen finden sich im Geisterreich, im Tierreich und in den Höllen. Prinzipiell ist das menschliche Dasein allen anderen Ebenen vorzuziehen, da die Götter zu präpotent sind, um die Notwendigkeit der Erleuchtung zu erkennen. Die tieferen Ebenen des Geisterreiches, der Tierwelt und der Höllen wird als zu wenig weit entwickelt betrachtet, um sich mit Fragen der Erleuchtung befassen zu können. Die Lebensspanne der einzelnen Wesen ist zwar unterschiedlich lang, aber es folgt für alle Arten der Tod in jedem Falle. Am längsten und mit dem geringsten Leid leben die Götter, die jedoch auch eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung haben. Sie müssen gehen, wenn die positiven Handlungen, aufgrund welcher sie Götter wurden, abgetragen wurden.

Karma entscheidet über die Ebene der Wiedergeburt

Durch das jetzige Handeln in diesem Leben wird der Grundstein für die Wiedergeburt gelegt. Je nachdem, wie viel positives Karma angesammelt wird, umso besser ist dies für das folgende Leben. Hier wird von der Grundlage heilsamen (kusala) beziehungsweise unheilsamen (akusala) Handelns ausgegangen: Punna und Apunna sind die guten und schlechten Taten, die Einfluss auf das Karma haben. Es ist demzufolge als ein Prinzip der Kausalität zu betrachten, in welcher Ebene beziehungsweise als welches Wesen und in welcher Form eine Reinkarnation erfolgt. Die Wiedergeburt ist im Buddhismus jedoch nicht als Strafe für „schlechtes Tun“ zu betrachten sondern als kausales Prinzip zu sehen, dass jegliches Handeln und jede Tat Konsequenzen mit sich tragen. Es kann eher als eine Form der Bilanzierung angesehen werden, wie sich die heilsamen und unheilsamen Taten aufwiegen und in welcher Form reinkarniert werden kann.

Die Kamma-Lehre – Determinismus oder Willensfreiheit?

In der Karmalehre wird dem Körper die Bedeutung der alten Taten zugeschrieben. Das heißt, dass sich im Körper darlegt, wie in früheren Existenzen agiert wurde. Diese grundsätzliche Betrachtung legt die Vermutung nahe, dass der Mensch sehr unfrei ist und wenig beeinflussen kann, mit welchen Anlagen und an welchem Ort als auch in welche Familie er geboren wird.

Buddha betrachtete diese Thematik derart, dass er auf die Eigenverantwortlichkeit im jetzigen Handeln verwies. Davon ausgehend, welche Handlungen gesetzt werden, kann ein Grundstein für das nächste Leben gelegt werden. Sprich, wenn die Erleuchtung in diesem Leben nicht erlangt werden kann, ist es zumindest sinnvoll zu versuchen, eine möglichst gute Ausgangsbasis für das nächste Leben zu erschaffen. Somit liegt der Fokus wiederum bei der Selbstverantwortung und der guten Intention, die jeglichem Handeln zugrunde liegt.

Jeder Mensch kann positives Karma sammeln

Dies ist es auch, was Buddha betont: Nicht die Tat an sich ist ausschlaggebend, sondern die Intention, die dahinter liegt. Die Motivation (sankhara oder cetana), die hinter einem Handeln steht, bestimmt vorwiegend die folgende Existenzebene. In Buddhas Lehre fällt auf, dass straffällige Menschen von Buddha nicht anders behandelt wurden und sogar in die Sangha aufgenommen wurden. Diese haben die Möglichkeit, ihr unheilsames Handeln unmittelbar abzugelten und somit eine karmische Reifung zu erreichen. Dies wird als besonderer Vorzug betrachtet, wie dies beispielsweise der Räuber Angulimana erreicht hat.

Ziel des Handelns ist es, möglichst begierdefrei, unter Nutzung des menschlichen Verstandes und ohne den Wunsch zu schaden, Taten zu setzen. Das Tun frei von Begierde, Hass und Verblendung hat keine karmische Auswirkung. Dies ist somit auch das höchste Ziel der Buddhisten: Kein Karma mehr zu sammeln, sondern das Leiden zu beenden und aus dem Samsara auszusteigen und Erleuchtung zu finden.

Quellen:

Schumann, Hans Wolfgang: Buddhismus. Stifter, Schulen und Systeme. Patmos Verlag, München. 2005.

Stenek, Sonja Eliane: Buddhistische Ethik – heilsame und unheilsame Handlungen

Stenek, Sonja Eliane: Karma – das Prinzip von Ursache und Wirkung

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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