Santiago Calatrava - Brücken

Das Geheimnis des Ingenieurarchitekten: seine Brücken bewegen sich

Sein Stil: Stalstützen an weißen Brücken und die assymetrische Anordnung von Bögen. Seine Kunst: In seinen Bauwerken suggeriert Calatrava dem Betrachter Bewegung.

Calatravas Vereinheitlichung: Kunst, Architektur und Bewegung

Eigentlich wollte der Stararchitekt Santiago Calatrava Kunst studieren. Eine glückliche Fügung änderte jedoch seinen Plan. Er begegnete Le Corbusier in Form eines Buches, ein kleines farbenprächtiges Bändchen, das ihn so stark beeindruckte, dass er sich entschloss von nun an Architektur zu studieren. Insbesondere Corbusiers Treppenhäuser in der Unité d'Habitation vermittelten im ein Formgefühl, was in zu dieser Entscheidung bewegte. Nach dem Architekturstudium widmete er sich in Zürich weiterführenden Studien im Fach Bautechnik, was sein künftiges Tun stark beeinträchtigte. Das besondere an der Architektur Calatravas sind die Verknüpfung von statischen und künstlerischen Formgebungen. Was das Tüpfelchen auf dem i-Punkt ausmacht, ist die unverkennbare Integration von Bewegung in seinen Werken. Charakteristisch für sein Schaffen sind Calatravas Verkehrsbauten und Brücken.

Bach de Roda - Felipe II-Brücke 1984 - 1987

Barcelona

Grund für den Bau dieser Brücke war die Bewerbung Barcelonas für die Olympischen Spiele 1992. Man wollte die Infrastruktur der Stadt verbessern und fügte zahlreiche Brücken in das Stadtgefüge ein. Die beiden bislang vernachlässigten Stadtbezirke "Sant Andrea" und "San Marti" erhielten durch den Bau der Brücke neuen städtebaulichen Stellenwert. Die Brücke überquert eine wichtige Bahnstrecke und stellt für einen großen Teil der Stadt den Zugang zum Meer her. Auch hat der Verbindungsbau mehr Bedeutung als die Funktion eines Übergangs für Autos und Fußgänger. Beide Seiten der Brücke sollen mit ihren Piazzi das öffentliche kulturelle Leben stimulieren. Die asymmetrisch aufgebaute Brücke hat eine Gesamtlänge von 128m. Charakteristisch ist das Paar gekippter, zweigeteilter Bögen, die die Brücke umschließen. Der jeweils innere Bogen mit 10m Bogentiefe übernimmt die Lasten der Fahrbahn. Der gegen diesen Bogen gekantete weitere Bogen stützt auf beiden Seiten die Last der Fußgänger. Stahlrippen verbinden die beiden Bögen miteinander. Nach oben hin verjüngt sich die Stahlbogenkonstruktion. Kombiniert hat man den Bau mit mächtigen Betonstützen und monolithischen Granitpfeilern.

Fußgängerbrücke Campo Vonantín 1994-1997

Bilbao

Auch mit diesem Projekt ist eine städtische Fördermaßnahme verbunden, die Sanierungen innerhalb eines heruntergekommenen Viertels vorsah. Mit dieser Brücke verbindet sich das Geschäftsviertel Uribitarte mit der Innenstadt. Auch Frank Gehrys Guggenheim Museum und der von Calatrava geplante Flughafen gehörten zu diesem Strukturwandel der Stadt Bilbao. Der gekippte Brückenbogen ist gleichzeitig im Grundriss geschwungen und verkörpert damit ein dynamisches Ungleichgewicht, das Markenzeichen Calatravas. Eine Art in sich ruhende Bewegung verstärkt die Stahlstützen, die sich in Abständen von 5,7m zwischen Brückentafel und Bogen aufreihen. Spektakulär ist die nächtliche Beleuchtung der Brücke, deren Brückentafel mit Glas belegt ist.

Fußgängerbrücke Puente de la Mujer 1998-2001

Buenes Aires

Ein weiteres städtisches Sanierungskonzept verbirgt sich hinter dem Bau dieser Brücke in Buenes Aires. Bereits in den zwanziger Jahren wollte man das Hafenviertel Puerto Madero neu beleben.

Bereits eine Planung von 1929 durch Le Corbusier sah eine Regenerierung des 170 Hektar großen Gebiets vor. Doch erst 1989 legte man einen Gesamtplan zur Sanierung des heruntergekommenen Viertels vor, in dem auch Calatravas Fußgängerbrücke eingebunden war. Diese ermöglicht bei Dock 3 nun die Verbindung zur Stadt. Sensationell an der Konstruktion ist die Drehfunktion der Brücke. An beiden Enden befinden sich zwei feststehende Zufahrten, der Mittelteil ist schwenkbar. Er ist an Seilen aufgehängt, die widerum von einem 93m hohen Pylon gehalten werden. Eine derartige Technik ermöglicht es, die Hängebrücke um 90 Grad zu schwenken und somit für den Schiffsverkehr freizugeben. Ein besonderes Schauspiel bei Nacht ist die Beleuchtung, die der Brücke ein Symbol für die Wiederbelebung des Viertels verleiht.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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