Skurile Bauten, oftmals in weißer Farbe, sind das Markenzeichen des Ingenieurarchitekten. Seine Bauwerke vereinen Kunst, Bewegung und Ingenieurtechnik. Vielen Betrachtern erscheinen die Bauten auf den ersten Blick befremdlich, da sie Ungleichgewicht und Asynchronität vermitteln. Deutet man jedoch die Linienführung, erscheinen die Gebilde in ganz anderem Augenmerk. Vor allem die Bewegung ist ein in allen Bauten ersichtliches Element, sei es statisch angedeutet oder tatsächlich umgesetzt, beispielsweise an der Fußgängerbrücke Puente de la Mujer, die ihren Mittelteil zu gunsten der Schifffahrt öffnen kann. Brücken und Verkehrsbauten, aber auch Türme und Kulturbauen sind Projekte, zu denen sich Calatrava hingezogen fühlt.
Fernmeldeturm auf dem Montjuic 1989-1992
Barcelona
Aus Anlass der Olympischen Spiele 1992 ließ Barcelona den Montjuic-Fernmeldeturm errichten. Der 136m hohe weiße Turm ist auf einem geneigten Schaft aufgebaut, der sich nach oben in einem ringförmigen Bestandteil auflöst, wo die Antennen aufgehoben sind. Nach oben endet der Turm in einer Spitze. Betrachtet man diese außergewöhnliche Form eines Turms in Zusammenhang mit den olympischen Spielen, ist der Vergleich mit einer Sportart naheliegend. So kann man beispielsweise die Form eines Speers ableiten. Der Sockel des Bauwerks steht in Bezug zu Calatravas Studien des menschichen Auges. Das Tor gleicht der Form eines Auges, das es in offenem und geschlossenem Zustand gibt. Wenn sich die Metallblätter vorschieben, erinnert es an ein gesenktes Lid. Aus der Frontperspektive hat der geneigte Schaft eine ähnliche Wirkung wie eine Sonnenuhr. Er wirft seine Schatten auf das vorgelagerte Podium, welches im Stil Gaudis mit Ziegelscherben bepflastert ist.
Flughafen Sondica mit Kontrollturm 1990-2000
Bilbao
Das Terminal des Flughafens Bilbao sollte aufgrund steigender Passagierzahlen 1994 verdoppelt werden. Santiago Calatrava entwarf ein Gebäude mit dreieckigem Grundriss. Zum Rollfeld hin erhebt sich das Gebäude spitz nach oben und deutet eine abhebende Bewegung an. Abreisende fertigt man über den unteren Gebäudeteil ab, Ankommende oben. Der 42m hohe Kontrollturm erstrahlt in silberfarbenem Glanz und kehrt die üblichen Eigenschaften eines Turms, eine Verjüngung nach oben, um. Das mit Aluminium verkleidete Bauwerk aus Stahlbeton dehnt sich nach oben hin zur Kontrollebene aus. Mittlerweile gilt der Turm als Wahrzeichen des Flughafens.
Turning Torso 1999-2004
Malmö
Auch an diesem Bauwerk verbindet der Architekt Kunst, Bewegung und Ingenieurtechnik. Das Interesse Calatravas an Skulpturen spiegelt sich deutlich in dem schwedischen Hochhaus Turning Torso wider, da das Gebäude in sich gedreht ist. Neun Kastenelemente mit jeweils fünf Stockwerken ordnen sich übereinander nach oben in gedrehtem Zustand an. Als Stahlstütze fungiert der innere Kern mit seinen Aufzügen und Treppen. Aussteifende Rohre an der Außenfassade gehen in der Bewegung mit und gleichen sich optisch dem Hochhaus an.
80 South Street Tower 2002-2007
New York
254m Höhe und 16260 qm Nutzfläche sind die Messwerte des neuen Turms in New York. Ähnlich dem Torso Hochhaus gliedert sich der South Street Tower in mehrere Kuben, diesmal aber schnurgerade in den Himmel. Auch lagern sich die verglasten Boxen nicht übereinander, sondern versetzt nach oben hin aneinander. Jeweils vier Geschosse Wohnraum sind in einem Würfel untergebracht. Sensationell ist, dass man von jedem Geschoss aus in alle vier Himmelsrichtungen der Weltstadt schauen kann.
