Santiago Calatrava - Verkehrsbau

Ausdrucksform des Architekten: Futuristik oder prähistorisches Wesen

Häufig sind Flügelformen Sinnbild der Architektur Calatravas. Seine Kombination Kunst, Bewegung, Ingenieurtechnik lassen skurille Bauwerke entstehen.

Manche Menschen mögen beim Betrachten von Calatravas Bauwerken Unbehagen in sich aufsteigen fühlen. Es liegt wohl an den vielfachen Ausdrucksformen, die der Ingenieurarchitekt wählt. Es sind äußerst abgehobene und ungewöhnliche Formen, mit denen er arbeitet. For allem spielen gedrehte Formen und sich drehende Elemente eine große Rolle. Bewegung in Kombination mit Kunst finden sich in allen von Calatrava geplanten Bauwerken wieder. Neben Brücken sind Verkehrsbauten stark ausgeprägtes Planungsfeld des Architekten.

Bahnhof Stadelhofen 1983 - 1990

Zürich

Ein Frühwerk Calatravas ist der Stadelhofener Bahnhof in Zürich. Zusammen mit dem Architekten Arnold Amsler und dem Landschaftsarchitekten Werner Rüeger nahm er am Wettbewerb teil. Aufgabe war es, einen vorhandenen Bahnhof, der als Knotenpunkt fungieren soll, zu erweitern und neu zu strukturieren. Die Anlage liegt an einer begrünten Böschung, die gemäß den Gleisen bogenfömig anliegt. Über die gesamte Bahnsteiglänge gestalteten die Architekten ein transparentes Vordach aus Glas, das sehr viel Tageslicht über das Gelände streut. Den unteren Teil des Abhangs ließen die Architekten abtragen, was einen Tunnel überflüssig machte. Das Untergeschoss des Bahnhofs ist mit grauem Sichtbeton ausgestaltet. Damit die Oberflächen weniger hart wirken, sorgte Calatrava dafür, genug Tageslichtöffnungen anzulegen. Dem Bogen der Gleise parallel angepasst, findet der Reisende im Untergeschoß eine Ladengalerie.

TGV-Bahnhof zum Flughafen Lyon-Saint Exupéry 1989-1994

Satolas

In allen Facetten dieses Flughafengebäudes, das zu einem seiner bekanntesten Bauwerke zählt, bringt Calatrava ein fliegendes Wesen zum Ausdruck. An die Form eines prähistorischen Wesens oder eines Vogels erinnert bereits der Grundriss des Bahnhofs mit der Stahlbrücke, die die Züge zum Flughafenterminal führt. Besonders abends sieht der Betrachter an der Außenfassade des Bahnhof die angedeuteten Flügel, die Innenbeleuchtung verdeutlicht dabei die himmelwärts gerichtete Bewegung. Auch an diesem Gebäude sorgt Calatrava für ausreichende Tageslichtzufuhr zum Innenraum, diesmal durch dynamisch geformte Oberlichter. Von innen betrachtet suggerieren die bogenförmig angeordneten Oberlichter wiederum eine Flugbewegung. Beeindruckend sind die Ausmaße der Haupthalle. Mit einer Grundfläche von 120x100m, einer maximalen Höhe von 40m und der Spannweite 53m bietet sich dem Reisenden eine beeindruckende Ansicht. Das Gewicht des Daches beträgt 1300t. Mit insgesamt sechs Gleisanlagen ist dieser Bahnhof ausgestattet, wobei zwei davon in Betonröhren verlaufen. Sie sind für durchfahrende Hochgeschwindigkeitszüge vorgesehen.

World Trade Center Bahnhof 2003 - 2009

New York

Mit dem noch nicht vollendeten Knotenpunkt am World Trade Center setzt Calatrava Zeichen mit Licht, Glas, Stahl, Beton und Stein. An einem Ort dunkler Geschichte möchte der Architekt vor allem dem Licht eine zentrale Bedeutung beimessen. Die Form des Dachs spiegelt Zeichen antiker Kulturen wider. So sollen Engelsflügel über der Bundeslade, byzantinische Mandorla und die Schutzgötter auf den ägyptischen Kanopen darin angedeutet sein. Durch ständige Erweiterungen, Richtungswechsel und Vergrößerungen in Lower Manhattens Nahverkehrssystemen, kommt dem Bahnhof die entscheidende Rolle zu, sich dieser komplizierten, gewachsenen Situation anzunehmen.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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