
- SAP Zentrale Walldorf - SAP
Am 20. Januar 2011 verkündete der deutsche Softwarekonzern SAP, mit seinem neuen Lösungspaket SAP Billing for Telecommunications die stetig wachsenden Service-Portfolios von Telekommunikationsanbietern unterstützen zu wollen. Diesen Schritt werden Banken und Kreditkartenunternehmen genau verfolgen – denn das flexiblere Zahlungssysteme kommen, scheint klar. Aber ob der Kunde seinen Zahlungsverkehr per Handy oder per Karte abwickeln will, das ist noch völlig offen.
Biling System unterstützt neue Mehrwertdienstleistungen
Mit der Architektur von SAP Billing for Telecommunications wird die zeitnahe Einführung von neuen Kommunikationsangeboten mit unterschiedlichen Services, Netzwerken (Festnetz/Mobile) und Zahlungsmethoden (Pre-/Postpaid) erleichtert. Das System unterstützt auch die Abwicklung von Kunden- und Partnerprozessen im gleichen System und macht es möglich, Daten aus Charging-Systemen von SAP und anderen Anbietern zu aggregieren und in einer zusammengeführten Rechnung zu diskontieren.
Mobile Payment - ein alter Traum gewinnt durch Apps&Co. neue Relevanz
Der Traum von der Abrechnung aller Mehrwertdienstleistungen über das Handy ist wirklich nicht neu. Anfang der 00er Jahre hatten sich T-Online und die Deutsche Bank schon einmal unter dem Motto „moneyshelf“ zusammengefunden, um dem Kunden ein „One-Stop Shopping“ aller Finanzdienstleistungen anzubieten. Damals scheiterte das Unterfangen an Sicherheitsbedenken seitens der Kunden. Damals noch nicht absehbar war allerdings die Flut der Mehrwertdienste, die im Zuge der höheren Durchdringung mit Smartphones und Tablet-PC`s erst jetzt wirkliche Relevanz gewinnt. „Telekommunikationsanbieter rüsten immer mehr auf Dienste der nächsten Generation um“, vermerkte auch Larry Goldman, Head of Telecom Software Research, Analysys Mason zur SAP Pressemeldung.
Kooperation, Wettbewerb, Co-Opetition?
Damit bleibt spannend, ob Finanz- und Telekommunikationsdienstleister eher den Weg der Kooperation suchen, oder in Konkurrenz versuchen, dem Kunden ihre Payment Lösung schmackhaft zu machen. Die strategischen Ansätze sind derzeit noch unterschiedlich: Die Sparkassen setzen auf kontaktloses Bezahlen per Near Field Communication mit der Sparkassenkarte, Master Card setzt auf das eigene System „PayPass“. Die Deutsche Bank setzt wohl eher auf das Handy und soll nach Branchenkreisen mit dem indischen Telekommunikationsunternehmen Loop kooperieren.
Auch Google, Apple & Co. arbeiten an Konzepten zum mobilen Zahlungsverkehr
Aber auch Google, Apple & Co. schlafen nicht. Apple hat durch die Anmeldung NFC-bezogener Patente die Gerüchteküche angeheizt, das neue iphone werde NFC unterstützen. Mit der existierenden Plattform itunes und den bestehenden Kundenbeziehungen sind die Chancen nicht schlecht, ein attraktives Modell für den Zahlungsverkehr aufstellen zu können. Payment Experte Dr. Donovan Pfaff von Bonpago empfiehlt Banken, sich zu öffnen: „Banken laufen Gefahr, dass Geschäftsfelder wegbrechen, die plötzlich außerhalb der Banksysteme laufen.“Er rät Banken dazu, hier proaktiv zu gestalten und gerade für eine Zusammenarbeit mit den globalen Playern wie Google, Facebook und Amazon. Das Zauberwort laute "Co-Opetition", also gemeinsame Kooperation, um den Kundennutzen so zu vergrößern, das für alle Beteiligten der Geschäftserfolg wahrscheinlicher wird.
