Sarahs Schlüssel - der Film

Unter der Regie von Gilles Paquet-Brenner entstand nach der Buchvorlage von Tatiana de Rosnay ein anrührender und eindringlicher Appell gegen das Vergessen.

Geschichte, die in die Gegenwart hineinreicht - jenseits der gängigen Hollywood-Blockbusterkultur gelingt es in diesem Film, mit leisen Tönen eindringlich nachzuwirken.

Über die Grenzen der Zeit

2009: Julia Jarmond, eine amerikanische Journalistin, recherchiert in Paris für einen Artikel die Razzia der französischen Polizei im Jahr 1942, infolge der fast 20.000 Juden verschleppt wurden.

1942, im Juli: Die zehnjährige Sarah wird mit ihren Eltern im Zuge eben jener Razzia aus ihrer Wohnung verschleppt. Im letzten Moment versteckt sie ihren kleinen Bruder in einem verborgenen Wandschrank. Mit dem Versprechen, ihn bald dort heraus zu holen, nimmt sie den Schlüssel an sich. Sie wird von ihren Eltern getrennt und interniert. Getrieben von den Gedanken an ihren kleinen Bruder flieht sie und macht sich auf den Weg nach Paris.

Julias und Sarahs Geschichten greifen ineinander, als Julia erfährt, dass aus der Wohnung, die ihr zukünftiger Mann, Bertrand, von seinen Eltern übernommen hat, eine jüdische Familie vertrieben wurde - einen Monat, bevor die Bertrands Familie dort einzog. Julia beginnt, nach dem Verbleib der Vertriebenen zu forschen - und nach der Rolle, die Bertrands Familie dabei gespielt hat.

Auf der Suche nach der Wahrheit gewinnt sie neue Erkenntnisse über Frankreich, Bertrands Familie und sich selbst, die ihrer aller Leben einschneidend verändern - und Sarahs Geschichte dem Vergessen entreißen.

Aufrichtig und intensiv

"Sarahs Schlüssel" überschreitet trotz melodramatischer Stilelemente niemals die Grenze zur Effekthascherei. Dabei gelingt es den überragenden Darstellern, Leidenschaft und Emotionalität authentisch zu verkörpern - und die Darstellung dabei so zurückzunehmen, dass sie dem Zuschauer erlaubt, die Komplexität des Erlebten auf der Gefühlsebene nachzuempfinden, ohne die vielschichtige Thematik auf einfache Lösungen zu reduzieren. Dadurch, dass der Film keine einfachen Zuweisungen von Gut und Böse, früher und heute erlaubt, wirkt er nach und verlangt dem Zuschauer ab, sich sein eigenes Urteil zu bilden.

"Sarahs Schlüssel" ist den Zuschauern zu empfehlen, die sich für die französische Rolle im Umgang mit den Nazis interessieren und dabei anspruchsvolle Unterhaltung suchen. Auch als Ergänzung im Schulunterricht ist dieses Drama als Diskussionsgrundlage bestens geeignet.

Darsteller

Kristin Scott Thomas, unter anderem bekannt aus "Der englische Patient", verleiht dem Charakter der Julia Jarmond in jedem Stadium der Entwicklung Glaubwürdigkeit. Mélusine Mayance liefert in der Rolle der zehnjährigen Sarah eine beachtliche Leistung auch in den emotional anspruchsvollen Szenen ab.

In weiteren Rollen spielen Niels Arestrup, Frédéric Pierrot, Michel Duchaussoy, Dominique Frot, Natasha Mashkevich, Michèle Casadesus und Aidan Quinn.

Information

Trailer und mehr: www.sarahsschluessel-film.de

Roman: Tatiana de Rosnay: Sarahs Schlüssel. Berlin Verlag, 2008.