Satan und die Liebe

Satan und die Liebe - Sabrina Sann
Satan und die Liebe - Sabrina Sann
Die Liebe und der Teufel haben zumindest eines gemeinsam: Der Mensch bekommt sie einfach nicht zu fassen.

Wissenschaftler und Theologen, Philosophen und Beamte, Männer und Frauen, Gläubige und Atheisten – allesamt reißen sie sich nicht nur gegenseitig die Haare, sondern beißen sich auch die Zähne daran aus: an der Frage nach Satan.

Schon ewig und drei Tage versucht die Menschheit vergeblich in Worte zu fassen, wofür schlicht ihr Vokabular nicht reicht – und schon gar nicht ihre Forschung. Wir wollen Liebe definieren und die Hölle. Genauso: Gott, Satan und die Wahrheit. Am allerliebsten wäre es uns noch, wir könnten sie nicht nur definieren, sondern bei der Gelegenheit gleich auch wiegen, messen und zählen – abwägen, ermessen und berechnen. Teilen und beurteilen.

Wissenschaft und Glaube

Glaube besteht gerade aus Nichtwissen. Doch deswegen muss der Gegenstand des Glaubens längst nicht vager sein als der Gegenstand des Wissens. Menschenhirne sind naturgemäß zu klein, um den Gegenstand religiösen Glaubens vollumfänglich zu erkennen. Ähnlich wie zum Beispiel Kinderhirne zu klein sind, um Automobilsysteme vollumfänglich zu verstehen. Kinder würden in diesem Zusammenhang vielleicht fragen, ob grüne Autos gefährlicher sind als gelbe, und wir Erwachsenen fänden das witzig.

Dabei stellen wir uns vermutlich ähnlich dumme Fragen, wenn es um Gott geht. Doch wir halten unsere Fragen für berechtigt – genau wie die Kinder ihre Frage nach dem Auto berechtigt finden; etwa weil sie gelernt haben, dass der Wald grün ist und dunkle Wälder gefährlich sind. Die Fragen, die sich die Kinder stellen, entsprechen ihrer persönlichen Erfahrung. Genauso enstsprechen die Fragen, die die Menschheit über Gott stellt, ihrer wissenschaftlichen Erfahrung.

Obwohl Wissenschaftler und Christen wie Hund und Katz um die Entstehung der Welt streiten, konkurrieren sie doch überhaupt nicht miteinander. Dem Gläubigen geht es um Gott als allererste Ursache für jegliche Wirkung, und der Wissenschaftler versucht, rückgerichtet für jede Wirkung die Ursache zu definieren. Wenn man nicht von einer Einbahnstraße ausgeht, muss es hier doch gar nicht zur Kollision kommen. Noch sind die Argumente der Wissenschaft nicht weitreichend genug, um die Gläubigen zu erreichen. Und umgedreht kommen die Argumente der Gläubigen den wissenschaftlichen Fragen zu kurz.

Satan und die Liebe

Liebe glaubt jeder zu kennen, ob gläubig oder nicht, ob Wissenschaftler oder Christ. Satan hingegen scheint nur ein Bibelgeschöpf zu sein. Die einen sagen, es gibt ihn nicht. Die anderen fragen, ob er Hörner hat und im Feuer lebt. Wahrscheinlich ist er eine Metapher für das Böse, schließt die Allgemeinheit, und bezweifelt, dass es den Teufel in Person gibt. Besessen sein von einer Metapher für das Böse kann man sicher nicht.

Wer käme hingegen auf die Idee zu fragen, ob es Liebe wirklich gibt, ob sie mit Pfeil und Bogen durch die Gegend fliegt – oder ob sie gar nur eine Metapher für das Gute ist? Wie sich Liebe in Personen zeigt, scheint jedes Kleinkind zu verstehen. Und dass man sich verlieben kann, wird kaum ein Wissenschaftler bestreiten wollen.

Doch dass Satan vom Menschen Besitz ergreifen kann, scheint selbst denen schwer verständlich, die gegen Liebe machtlos sind.

Texterin und freie Autorin, Sabrina Bodo

Sabrina Bodo - Sabrina Bodo schreibt, konzipiert und korrigiert. Werbetexte und Sachtexte. Für Unternehmen und Privatpersonen. Bei Suite101 ist sie ...

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