Satans Sturz

Satan lehnte sich gegen Gott auf. - Rolf Handke  / pixelio.de
Satan lehnte sich gegen Gott auf. - Rolf Handke / pixelio.de
Luzifer wurde aus dem Himmel verbannt.

In der christlichen Mythologie spielt Satan eine wesentliche Rolle. In der Vergangenheit fürchteten sich viele Gläubige vor seinen Werken und auch heute noch löst der Gedanke an eine absolut böse Macht Angst bei den Menschen aus. Wie vielfältig der Teufel sein kann, erkennt man bereits an den Namen, die man ihm im Laufe der Zeit gegeben hat: Antichrist, Azazel, Beelebub, Herr der Fliegen, Beliar, Diabolus, Herr Urian, Höllenfürst, Legion, Luzifer, Mephistopheles, Voland, Sanny etcetera. Allen Bezeichnungen gemein ist der Glaube an das personifizierte Böse, welches den Gegenpol zum absoluten Guten darstellt.

Der Engelsturz

In der Bibel wird der Engelsturz meist subtil behandelt. Sämtliche Textstellen, die sich mit der Entstehung des Bösen befassen, erlauben viel Freiraum, was Interpretationen angeht. Neutestamentliche Texte und Schriften des frühen Judentums stellen den sogenannten Engelsturz dar. Im Henochbuch, ein pseudepigraphischer Text, wird der Sturz der Engel gedeutet. Dabei werden verschiedene Darstellungen des Alten Testamentes aufgegriffen. Im alttestamentlichen Buch Genesis wird zum Beispiel zu Beginn der Sintflutgeschichte davon gesprochen, wie sich „Göttersöhne“ und Menschentöchter vereinigt haben und daraus Riesen entstanden seien. Im Henochbuch werden diese „Göttersöhne“ als Engel bezeichnet, die durch einen sexuellen Kontakt mit menschlichen Frauen „Giganten“ zeugten. Das Wort „Gigant“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „die, die fallen“. Bei Henoch verhalten sich die Engel falsch, nicht jedoch die Menschen, wie dies beim Sündenfall der Genesisgeschichte der Fall ist. Aufgrund des Fehlverhaltens der Engel kommt das Böse auf die Erde. Gott reagiert darauf, indem er den Erzengel Michael entsendet, um das Böse zu bekämpfen.

Da sich einige Engel gegen Gott gestellt haben, wurden diese bestraft. Sie wurden ursprünglich von Gott als Wächter über die Welt eingesetzt, haben jedoch ihre Aufgabe aus den Augen verloren und menschliche Frauen verführt. Nach ihrem Fall wurden die Engel in einen finsteren Raum des Himmels gesperrt und die von ihnen gezeugten Riesen wurden durch die Sintflut getötet. Das Töten der Riesen hatte jedoch zur Folge, dass sich die bösen Geister ihrer Körper entledigt haben und weiter fortbestehen konnten. Durch sie kann das Übel also weiterhin existieren.

Sex und schwarze Kunst

Die gefallenen Engel wurden nicht nur bestraft, weil sie mit den Menschen sexuelle Kontakte hatten, sondern weil sie auch „verbotene“ Künste verbreitet haben. Es wird gesagt, dass Waffenherstellung, Kosmetik, Zauberei und Astrologie von den gefallenen Engeln an die Menschen weitergegeben wurden. Darüber hinaus wird den Engeln Neid unterstellt. Sie sollen auf die Menschen neidisch gewesen sein und es abgelehnt haben, diese zu verehren. Die Konsequenz war, dass Satan und seine Engel ihren Platz im Himmel aufgeben mussten.

Satan war ein Engel

In außerbiblischen Texten wird auf den Satan als engelhaftes Wesen näher eingegangen. Im Bartholomäusevangelium heißt es zum Beispiel, dass Satan der erstgeschaffene Engel sei. Satan hieß einst Satanael. Da er sich aber weigerte Gottes Ebenbild, den Menschen, zu verehren, wurde er nur noch als Satan bezeichnet. Satan versteht sich selbst als ein Engel, der aus Feuer gemacht wurde und schätzt dieses Element höher als das Element Erde, aus welchem Adam und Eva geschaffen wurden. Satan lehnt sich gegen Gott auf und verkündet, seinen eigenen Thron zu besteigen. Diese Anmaßung gegenüber Gott brachte eine Rebellion mit sich. Der Wunsch Satans und seiner Engel, genauso mächtig zu werden wie Gott, war ein weiterer Anlass für den Engelsturz.

Luzifer, der gefallene Engel

Der Engelsturz wird meist mit der Bezeichnung Satans als „Luzifer“ assoziiert. Das Wort „Luzifer“ bedeutet „Lichtträger“ und geht auf die biblische Geschichte des gefallenen Königs von Babylon zurück. In der Geschichte wird der gefallene König als Glanzgestirn beschrieben, was im Lateinischen als „lucifer“ wiedergegeben wird. Viele Kunstwerke haben das Thema des Engelsturzes aufgegriffen und die Symbolfigur des Luzifers in den Mittelpunkt gerückt. Luzifer gilt bis heute als der gefallene Engel, welcher das Reich Gottes aufgrund seines Übermutes verlassen musste.

Literatur

Hoffmann, Matthias und Kottsieper, Sophie: Sie verloren ihren Platz im Himmel In: Welt und Umwelt der Bibel. 4/2008 Nr. 50,13 Stuttgart: Katholisches Bibelwerk e.V., 2008. S.26-27.

Roloff, Jürgen: Einführung in das Neue Testament. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH, 1995.

Christoph Eydt, Christoph Eydt

Christoph Eydt - Christoph Eydt ist als freier Texter und Ghostwriter tätig.Auf Suite101 veröffentlicht er Fachartikel zu verschiedenen Themen. ...

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