Sayat, Adlerjagd in Kasachstan

Steppenadler - Dmitrij Schloss
Steppenadler - Dmitrij Schloss
Eine Jagdform mit vielen traditionellen Elementen, die in Kasachstan noch heute gepflegt wird.

Zwei Jäger, die Seite an Seite auf Jagd gehen, Adler und Mensch. Eine Konstellation, die man besonders bei Steppen- und Wüstenvölkern antrifft, wie bei Persern, Arabern, Mongolen und Kasachen. Doch selbst Friedrich II von Hohenstaufen verfasste ein Werk über die Kunst, mit Vögeln zu jagen „Arte venandi cum avibus“.

Tradition Adlerjagd

Eine alte Tradition, die vielleicht der Bewunderung des Menschen für diese majestätischen Raubvögel entsprang oder schlicht zweckmäßig war, um effektiv zu jagen. Eine Tradition, die irgendwann zu einer Kunst erhoben wurde, wie der Titel Friedrichs Werkes es nur allzu offensichtlich zeigt und erst in der Industrialisierung ihren Niedergang erlebte. In Kasachstan, einem Land, das das Neuntgrößte der Erde ist und zu weiten Teilen aus Steppe besteht, kann selbst die Industrialisierung nicht solch alte Traditionen wie die Adlerjagd verschwinden lassen. Zudem der Adler sogar über die blau-goldene Flagge Kasachstans fliegt.

Wie fängt man einen Adler?

Bevor man als Berkutschi (Jäger mit Adler) auf wilde Jagd geht, muss der zukünftige Jagdadler erst einmal gefangen werden. Heute ist der Steppenadler, der Aquila nipanlensis, geschützt und man benötigt offiziell eine Genehmigung, doch früher wurden die Vögel ganz unbesorgt gefangen. Eine Angelegenheit zu der viel Geschick gehört, da das Tier auf keinen Fall verletzt werden darf. Auch werden die Adler nicht willkürlich gefangen, sondern werden im Vorfeld lange beobachtet um herauszufinden, ob der ausgewählte Steppenadler für die Jagd überhaupt geeignet ist.

Die einfachste Möglichkeit, ist es ein Küken aus dem Nest zu stehlen, wobei das Nest meist nur sehr schwer zugänglich ist. Weiterhin haben Steppenadler meist zwei Nester, was das Kükenstehlen nicht eben leichter macht. Um ausgewachsene Tiere zu fangen, gibt es verschiedenen Möglichkeiten, die nicht einfach durchzuführen sind, da der Vogel unversehrt bleiben muss:

  • mit einem Netz
  • satt füttern, dann verfolgen und fangen
  • mit einem Köder
  • ins Wasser treiben und nassen Vogel fangen
  • mit einem bereits gezähmten Adler fangen
  • mit einer Fackel blenden und dann fangen

Jagddressur des Adlers

Egal, ob es die Dressur eines Kükens oder eines ausgewachsenen Vogels ist, der Adler braucht ebenso viel Aufmerksamkeit und Zuwendung wie ein kleines Kind. Der größte Unterschied zwischen der Dressur eines Kükens und eines ausgewachsenen Tieres ist wahrscheinlich die Arbeit im Vorfeld. Das Küken muss aufgezogen und erwachsen werden, der wilde Adler dagegen muss an den Menschen gewöhnt und gezähmt werden. Erst wenn diese Arbeit erfolgreich vollbracht ist, kann man sich der eigentlichen Dressur zuwenden. Traditioneller Weise wurde diese Kunst früher nur von Vater an den Sohn weitergegeben, dementsprechend unterschiedlich ist auch die Herangehensweise, doch hier eine mögliche Reihenfolge der traditionellen, kasachischen Dressur:

  • Adler an ein etwa 6 Meter langes Band an seinen Füßen gewöhnen, Band auch wechseln
  • beibringen, auf der Hand zu sitzen, dabei viel Zuwendung und Sprechen, bis er ruhig wird
  • beibringen, auf Zuruf zurück zu fliegen
  • totes Tier jagen lassen, diese Beute nicht wegnehmen, da Adler sonst misstrauisch wird
  • Fixierung des Tieres auf bestimmte Tierarten
  • an Pferde der Adlerjäger, der Berkutschi, gewöhnen

Obwohl der Steppenadler ein sehr starker Greifvogel ist, ist die Jagd nicht ungefährlich für ihn, da sich die Tiere oft wehren. Das höchste Risiko für den Adler birgt die Jagd auf Wildkatzen.

Ausrüstung für die Adlerjagd

Die Jagd findet in den Monaten zwischen Oktober und März statt, gewöhnlich zu Pferd und oft mit Hunden. Der Berkutschi, der Adlerjäger, trägt als Waffe nur seinen Vogel und ein geschliffenes Horn (Katir), um erbeutete Tiere zu töten mit sich. Die folgende Ausrüstung wird auf Deutsch und Kasachisch benannt:

  • Häubchen/ Tomaga
  • Fußfesseln/ Balakbau
  • Stange/ Tugr
  • Futterschale/ Schensaptiajak
  • Fuchsfell zum Zurücklocken/Schirga
  • Armschutz/Ajakap
  • Vogelmantel als Kälteschutz/Ikap
  • Tasche mit Belohnungsfutter/Schamkalta
  • Gürtel/Belkanschiga

Tod eines Adlers

Starb ein solcher Jagdvogel, wünschte das ganze Dorf dem Berkutschi Beileid und es wurde eine Beerdigungszeremonie ausgerichtet. Der Adler wurde weit oben in unzugänglichem Gebiet begraben und sein verwaister Sitz galt als glücksbringend und heilig und wurde nur von Adler zu Adler weitergegeben.

Wert eines Adlers

Ein Adler hatte sowohl einen hohen ideellen, wie auch finanziellen Wert. 1844 war ein Adler etwa 5 bis 9 Kamele wert. Weiterhin besagt die Legende, dass die Seele eines verstorbenen Menschen von einem Adler durch die sieben Himmel bis zu Allah getragen wird. Das Aussäen von Adlerfedern- und daunen sollte zu einer guten Ernte verhelfen und eine Feder unter dem Kopfkissen Kopfschmerzen und Alpträume vertreiben.

In russischer Sprache erschienen:

B.Chinajat, K.M.Isabekov. Sayat, kasachische, traditionelle Jagd. 2007. Almatikitap-Verlag

Hannah Baumbach, Hannah Baumbach

Hannah Baumbach - 1987 in Nürnberg geboren hat sie als älteste von drei Kindern 2006 ihre Gymnasialkarriere erfolgreich abgeschlossen und ...

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