Der SC Freiburg hat mit einem hochverdienten 1:0 Erfolg gegen den FC Augsburg den Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga wieder spannend gemacht. Vor 19.600 Zuschauern im nicht ausverkauften "Mage Solar Stadion" präsentierte sich das Schlusslicht unter dem neuen Chefcoach Christian Streich wieder als Mannschaft. Mit einer kämpferisch starken Leistung über die gesamte Spielzeit verdiente sich der Schwarzwälder Bundesligist den Sieg redlich. Der eingewechselte, erst 18-jährige A-Junior Matthias Ginter markierte in der 88. Spielminute den frenetisch gefeierten Siegtreffer für Freiburg. Neues Schlusslicht ist nun Aufsteiger Augsburg.

Neuer Trainer, vier neue Spieler - sechs Akteure mussten gehen oder wurden verkauft (Cissé). Mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg endete die wohl unrühmlichste, weil im wahrsten Sinne des Wortes stürmische Winterpause für den SC Freiburg. Mit dem neuen Cheftrainer - bisher Assistent beim entlassenen Marcus Sorg - wollte das Bundesliga-Schlusslicht einen Neuananfang. Und zumindest die drei Siege in den Testspielen sollten ein wenig Selbstvertrauen zurück bringen. Wenngleich jeder weiß: Testspiele sind oft genug ein Muster ohne Wert.

Freiburg feiert Rückrunden-Auftakt und Jos Luhukay von seiner Mannschaft enttäuscht

Und der neue Übungsleiter hatte mit Michael Lumb (St. Petersburg), Fallou Diagné (Metz) sowie Oliver Sorg aus der eigenen Regionalliga-Mannschaft gleich drei "Neue" aufgeboten. Denn mit dem frisch gewählten Kapitän Julian Schuster, Oliver Barth und Mensud Mujdza (alle verletzt) und Garra Dembelé (Afrika-Cup) mussten vier vermeintliche Stammkräfte ersetzt werden. Aber auch Jos Luhukay musste mit Neuzugang Moravek, den angeschlagen Axel Bellinghausen, Dawda Bah und Edmond Kapllani sowie den beim Afrika-Cup weilenden Nando Rafael und Mohamed Amsif auf wichtige Akteure verzichten.

Gelungener Einstand für den neuen Coach Christian Streich gegen Augsburg

Freiburg versuchte vom Anpfiff weg die Akzente zu setzen. Taktisch gut eingestellt, ließ das Team von Christian Streich den Gäste wenig Möglichkeiten. Lediglich in der Anfangsphase musste Oliver Baumann im Freiburger Gehäuse zweimal klärend eingreifen. "Da war ich froh, dass wir einen Oliver Baumann im Tor haben", räumte Christian Streich nach der Partie ein. Doch mit zunehmender Spieldauer präsentierte sich die neuformierte Freiburger Mannschaft genauso engagiert, wie der Coach an der Seitenlinie. Immer wieder gab er seinen Spielern Anweisungen, korrigierte seine Akteure und klatschte Beifall für gelungene Aktionen. Und der Funke sprang alsbald auch auf die Zuschauer über, die ihr Team immer wieder lautstark unterstützten. "Die Mannschaft hat über 90 Minuten versucht Fußball zu spielen. Die Spieler hatten den Mut dazu", lobte der 46-jährige Fußball-Lehrer nach dem Schlusspfiff des souveränen Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf).

Vor allem im zweiten Durchgang spielte der Sportclub seinen Konkurrenten um den Klassenerhalt regelrecht an die Wand. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das Freiburger Tor fallen sollte. "Die Enttäuschung ist groß. Wir hatten uns was anderes vorgenommen. Gratulation dem SC Freiburg, der zwei gute Halbzeiten gespielt hat. Freiburg hat sich über 90 Minuten den Sieg verdient, auch wenn es kurz vor Schluss glücklich war", zeigte sich Augsburgs Trainer Jos Luhukay als fairer Verlierer. Dies war bei einer kompakten Mannschaftsleistung auch ein Verdienst der beiden Neuzugänge Fallou Diagnè und Michael Lumb, die der in der Hinrunde oft wackeligen Hintermannschaft Stabilität verliehen. Und der Däne zeigte mit seiner präzisen Freistossflanke zum späten Siegtreffer, dass er seinem neuen Verein auch bei den Standardsituationen eine Hilfe sein kann.

Matthias Ginter lässt Freiburg jubeln und Cissé (fast) vergessen

Und dessen Kollege Christian Streich hatte dann auch das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. Der eingewechselte Matthias Ginter bei seinem Bundesligadebüt markierte den umjubelten Siegtreffer zwei Minuten vor dem Ende. Das Eigengewächs, der in wenigen Wochen sein Abitur bauen wird, hatte bereits in der Saisonvorbereitung mit zwei Treffern, davon ein Strafstoß, auf sich aufmerksam gemacht. "Wir werden in im Rahmen unseres Erziehungsauftrages entsprechend begleiten, er hat ein stabiles Umfeld", glaubt Streich nicht, dass der Youngster abheben wird. Und über Demba Papiss Cissé hat am Samstagabend keiner mehr gesprochen. Der Senegalese war unter der Woche zu Newcastle United gewechselt.

In Mainz will Freiburg den zweiten "Streich" folgen lassen

Und mit dem 1:0 Erfolg gegen das neue Schlusslicht Augsburg machte Freiburg den Abstiegskampf wieder spannend. "Der Unterschied ist nicht so groß, es hat sich nicht so viel verändert", antwortete der Freiburger Trainer den Fragestellern nach seinem ersten Arbeitstag. "Ich war bei Spielen der A-Junioren am Freitag genauso nervös. Nur gab es keine Pressekonferenzen", ergänzte er nach seinem ersten "Streich". Und bereits nächste Woche im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 (Sonntag, 29.01.2011, 15.30, live bei SKY) besteht die Möglichkeit für einen Zweiten. Gegen die inzwischen ebenfalls in der Abstiegszone angesiedelten Rheinhessen aus der Karnevals-Hochburg gilt es noch die unnötige 1:2 Hinspielniederlage auszubügeln. Nicht dabei ist dann Johannes Flum, der nach seiner fünften gelben Karte gesperrt ist.

Die Ergebnisse des 18. Spieltags:

  • Borussia Mönchengladbach - Bayern München 3:1
  • Hoffenheim - Hannover 0:0
  • Schalke 04 - VfB Stuttgart 3:1
  • SC Freiburg - FC Augsburg 1:0
  • Kaiserslautern - Werder Bremen 0:0
  • 1. FC Nürnberg - Hertha BSC Berlin 2:0
  • VfL Wolfsburg - 1. FC Köln 2:0
  • Hamburger SV - Borussia Dortmund 1:5
  • Bayer 04 Leverkusen - FSV Mainz 3:2