Schafe Hüten mit Border Collies

Die intelligenten Hunde sind für die Arbeit an der Herde geboren

Die aus Großbritannien stammenden Border Collies gelten nicht umsonst als "Workaholics auf vier Pfoten": Sie sind Spezialisten für die Hütearbeit an der Schafherde.

„Outrun“, „Lift“, „Fetch“ oder „Drive“: Für Dr. Hans-Jürgen Werbke sind dies vertraute Begriffe. Denn es handelt sich um Aufgaben aus der Hütearbeit mit Hunden, die für den Tierarzt aus Hollingstedt in Schleswig-Holstein zur Leidenschaft geworden ist; mit seiner Hündin Jill startet er regelmäßig auch bei deutschen und europäischen Hütemeisterschaften.

Die "Workaholics auf vier Pfoten"

Schafe Hüten mit Border Collies – ist das ein Sport? „Nein, auf keinen Fall“, erklärt Werbke: „Schafe sind doch keine Sportgeräte!“ Und Border Collies echte Arbeitshunde. „Workaholics auf vier Pfoten“, nennt die Schäfermeisterin und Züchterin Anne Krüger –übrigens ebenfalls eine erfahrene und erfolgreiche Wettkampfteilnehmerin – die Rasse in ihrem Buch „Faszination Border Collie“ (Kynos Verlag, Nerdlen/Daun 2008, ISBN 978-3-938071-63-2).

Tatsächlich werden die vierbeinigen Spezialisten für die Arbeit an der Herde bei der Fédération Cynologique Internationale, der internationalen kynologischen Vereinigung (FCI) als "Hütehunde mit Arbeitsprüfung" geführt. Die meist schwarz-weißen, heute laut Rassestandard bis zu 55 Zentimeter großen Hunde wurden von jeher gehalten, um im weitläufigen, steinigen Hochland der „Borders“, des Grenzgebietes zwischen Schottland und England, Schafe zusammenzuhalten und umzutreiben. Durch gezielte Selektion der leistungsstärksten Tiere wurden sie über Jahrhunderte auf diese Aufgaben hin gezüchtet.

Geduckte Haltung, fixierender Blick

Auch für Hans-Jürgen Werbke waren diese Fähigkeiten Grund für die Anschaffung seines ersten Border Collies: „Wir hatten Schafe, und ich suchte nach Möglichkeiten, die besser unter Kontrolle zu bekommen.“ Das tun die intelligenten Hunde meist in geduckter Körperhaltung, die Herde intensiv fixierend. Durch Zufall sah Werbke Anfang der 1990er Jahre bei einer Vorführung erstmals Border Collies bei dieser Arbeit: „Kurz darauf hatte ich selbst einen.“

Zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland nicht viele, die sich mit der Hütearbeit mit diesen hyperaktiven, hochsensiblen Hunden auskannten. Hans-Jürgen Werbke eignete sich viel Wissen selbst an, er las Bücher und begann zu reisen. Heute bietet er selbst Hüteseminare an, und mittlerweile nennen die Werbkes rund 200 Schafe ihr eigen. „Das ginge gar nicht mehr ohne Hund“, ist der Hollingstedter überzeugt.

Hunde als Familienangelegenheit

Nicht nur darum sind die Hütehunde zur Familienangelegenheit geworden. Auch Tochter Christina ist unter die Handler gegangen und startet mit ihrer fünfeinhälbjährigen Hündin Rose erfolgreich bei Jugendwettbewerben, Sohn Patrick ist im Hundesport Agility aktiv. Mutter Marlies Werbke führt keinen eigenen Hund, lebt aber mit dem derzeit fünfköpfigen Hunderudel, „macht die Arbeit im Hintergrund“, wie Hans-Jürgen Werbke lachend formuliert – und ist für ihn kompetente Beraterin.

Jill zum Beispiel, die Hündin, mit der Werbke seit drei Jahren arbeitet, hat seine Frau für ihn ausgesucht. Jill war zweieinhalb Jahre alt, als die Werbkes sie bei einem Trial (Hütewettbewerb) in Irland sahen. Sie war, wie sich später herausstellte, bereits durch mehrere Hände gegangen, auch ihr aktueller Handler kam mit der überaktiven Hündin nicht zurecht.

Eine „etwas verrückte“ Hündin

„ ‚Das könnte ein Hund für dich sein‘, hat meine Frau sofort gesagt“, erinnert sich der Hundefreund. Und tatsächlich: Er konnte Jill für wenig Geld erwerben – ungewöhnlich genug, weil ausgebildete Hütehunde in der Regel einen hohen Wert darstellen. „Aber der Besitzer war froh, dass er sie los war.“ Und bereits zwei Wochen später startete Hans-Jürgen Werbke in Deutschland mit der „etwas verrückten“ Border-Collie-Dame, von der ihm alle (außer seiner Frau) abgeraten hatten, erfolgreich bei einem Trial.

„Das passt einfach mit uns“, sagt Werbke. Er könne halt besser mit Vierbeinern umgehen, die mal über das Ziel hinausschießen, als mit denen, die ihre Aufgabe vorsichtig angehen. „Ich brauche den Typ, den ich eher stoppen muss.“ Genau so eine ist Jill. „Es ist eine Super-Arbeit mit ihr“, erklärt ihr Besitzer, und: „Wir verstehen uns einfach.“

Der Vierbeiner als Arbeitspartner

So erfolgreich er auch ist, Hans-Jürgen Werbke unterscheidet sich von so manch anderem Handler. Erfolge im Wettbewerb, die Zucht (erfolgreicher) Hunde – all das ist auch zum Geschäft geworden. Nicht wenige Aktive haben gleichzeitig vier, fünf Hütehunde in Arbeit, verkaufen bei einem guten Angebot, ohne lange zu zögern. Da ist das einzelne Tier mehr Arbeitsgerät als Partner. Hans-Jürgen Werbke dagegen versteht seinen Hund und sich als Team, die gemeinsame Arbeit an den Schafen, bei allem Engagement, als Hobby: „Das ist etwas, was mir einfach Spaß macht.“ Und Jill offenbar auch.

Heike Wells, Heike Wells

Heike Wells - Heike Wells, geboren 1957 im Rheinland, lebt heute an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und arbeitet als freie Journalistin ...

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