
- Marc: Weidende Pferde - Folkwang
Von März bis Juli 2010 war die Schau vor Ort. „Das schönste Museum“ deshalb, weil Paul J. Sachs, Mitbegründer des MoMA in New York, bei einem Folkwang-Besuch 1932 in Essen, es als solches betitelte. Zu sehen waren in großen, von Tages- und künstlichem Licht durchfluteten, hell gestalteten Räumen, die auch genug Platz für erholsamen Leerstand boten, durchweg moderne Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Gemälde (hauptsächlich), Skulpturen, aber auch Dokumentarisches, Videoinstallationen, Fotografie. Die Malerei ging von abstrakt bis gegentändlich, Menschenbilder, Naturmotive, Architektonisches, wie Spielereien mit den Grundfarben waren in endlos scheinenden Räumen des riesigen Gebäudekomplexes zu bewundern. Von den großen Künstlern wie Chagall bis Kandinsky, Kirchner, Marc oder Beckmann.
„Das schönste Museum der Welt“ – Folkwang bis 1933
Werke sind das, die Einen vom blanken Leben inspirieren. Und: Rund 1400 Exponate, die in der Schau der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 teilweise zu sehen sind, wurden 1937 von den Nazis als so genannte entartete Kunst beschlagnahmt. Sie hatten Angst, dass das Progressive, das Fortschrittliche, das in dieser ex- wie impressionistischen Kunst zum Ausdruck kommt, Schule macht, auf andere gesellschaftliche Lebensbereiche übergreift. Was damals zählte, war das Statische, das Heroische, das Germanische. Die meiste beschlagnahmte Kunst wurde von den Nationalsozialisten in alle Welt verkauft, um mit den Einnahmen auch noch den menschenverachtenden Vernichtungskrieg gegen alles Andersartige zu finanzieren. Die 350 Ausstellungsstücke kehrten aus Amerika, Asien und Europa für eine Schau der Superlative vier Monate an ihren Ausgangsort zurück, ins Folkwang nach Essen, woher sie ursprünglich stammten.
Umfangreiche Einblicke in die moderne Kunst
Die bundesweit wie international beachtete Ausstellung war eine Kunstschau fürs Volk, wurde reichlich frequentiert. Bei moderaten Eintrittspreisen gab es Angebote für Kinder ab sechs, Führungen (auch für Schulklassen), eine Vernissage für Lehrer, Fortbildungen, Workshops. Die Folkwang-Sammlung wurde 1902 von Karl-Ernst Osthaus in Hagen begründet, nachher in Essen weiter geführt und entwickelte sich zu einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen für moderne Kunst.
Europäische Avantgarde und Weltkultur
Auch außereuropäische Werke wurden im ‚schönsten Museum der Welt‘ gezeigt, afrikanische Skulpturen, asiatische Bilder oder australische Werkzeuge. Vielleicht sollte dem ganzen Museum, das ja als Neubau von David Chipperfield glänzt, ein Leitsatz seines Gründers Karl-Ernst Osthaus vorangestellt werden: Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel! Uwe M. Schmeede, Gastkurator der Ausstellung, hebt den historischen Stellenwert des Projekts hervor: „Es gibt Einblicke in die frühe Institutionalisierung der Moderne und erprobt künftige Möglichkeiten in der Verbindung von europäischen Avantgarden und Weltkulturen.“ Es müsste eigentlich noch viel mehr solcher Schauen geben, die dem einfachen Bürger ermöglichen, in die Künste einzutauchen. Das Folkwang-Museum hat in den letzten vier Monaten Erfolg gehabt.
