Schauspieler Mathis Künzler – ein Porträt

Mathis Künzler - SAT.1
Mathis Künzler - SAT.1
Der einzige Quotenerfolg, den SAT.1 in den vergangen fünf Jahren erzielt hat, war die Serie mit Alexandra Neldel und Mathis Künzler. Was macht "David Seidel" heute?

Mit der Rolle des David Seidel in der Telenovela "Verliebt in Berlin" ist der Schweizer Schauspieler Mathis Künzler in Deutschland einem breiten Publikum bekannt geworden. Die erste Staffel der Serie wurde vom 28. Februar 2005 bis einschließlich dem 01. September 2006 ausgestrahlt. Sie endete nach 364 Folgen mit einer Folge in Spielfilmlänge, in der die ehemals graue Maus Lisa Plenske (gespielt von Alexandra Neldel) ihren David Seidel endlich in die Arme schließen konnte: Sie heirateten und verabschiedeten sich ganz romantisch per Segelboot vom Geschehen bei Kerima-Moda und schlossen ihre Serienhandlung mit einem Quotenrekord von über sieben Millionen Zuschauern ab.

Mathis Künzler im Kurzporträt

Künzler wurde am 13. Juni 1978 als Sohn eines reformierten Pfarrers geboren. Auf den Besuch der Sekundarschule absolvierte er von 1995 bis 1999 an der Berufsfachschule Muttenz eine Lehre zum Metallbauschlosser. 1999 wechselte Mathis Künzler von der Werkbank auf die Bühne ("Brambilla", 1999, Theater Roxy, Birsfelden / "Die Schaukel", 2000, Junges Theater Basel). In den Jahren 2001 bis 2004 studierte er an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich den Studiengang Schauspiel (Diplom 2005). Daneben arbeitete er am Theater an der Sihl ("Frühlingserwachen" / "Die wilden Schwäne") in Zürich und der freien Theaterszene. Im Kinofilm "Snow White" (Schweiz 2004) bekleidete Künzler eine kleine Nebenrolle. 2002 bis 2004 wirkte er auch in drei Kurzfilmen und einem Werbespot mit.

Nach seiner Zeit bei "Verliebt in Berlin" kehrte Künzler mit der Rolle des Balzli und der Wassilissa im Theaterstück "Quatemberkinder" nach dem Roman von Tim Krohn in einer Bühnenfassung von Jonas Knecht und Anja Horst auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zurück. Er war in der Grabenhalle in St. Gallen und im Theater an der Sihl in Zürich zu sehen. Darauf folgte im März 2007 ein Engagement in der Roten Fabrik in Zürich, wo Künzler gemeinsam mit Markus Gerber und Thomas Luz im Theaterstück "Dinosaurs forever" unter der Regie von Heike Marianne Götze auf der Bühne stand. Diese Produktion wurde auch zum Zürcher Theaterspektakel 2007 eingeladen und war im November 2007 im Theater Tuchlaube in Aarau zu sehen. Ein Gastauftritt in der Theaterserie "Absolut Züri" hatte Künzler in Folge vier im Jahr 2008.

Das Schweizer Theater blieb auch nicht ohne Auswirkungen auf das Privatleben von Mathis Künzler, denn auch seine Lebensgefährtin Sonja Riesen ist Schauspielerin dort. Im März 2006 feierte das Paar die Geburt ihres ersten Sohnes, den es auf den Namen Flurin Pablo taufte.

Mathis Künzler nach "Verliebt in Berlin"

Mathis Künzler hat von SAT.1 eine Rolle in der Serie "R.I.S. – Die Sprache der Toten" erhalten. Dort spielte er in insgesamt fünfzehn Episoden (2007 bis 2008) die Rolle des Kriminaltechnikers und Terrorismusexperten Marcus Heuser. Die Serie war ein lauwarmer Aufguss des amerikanischen "C.S.I."-Ermittlerformates und wurde vom Publikum ebenso wenig angenommen, wie die anderen eigenproduzierten Serien des Senders der Folgejahre. Neben "Fredo der Held" (2006) und "Lena weint nicht" (Kurzfilm, 2008, Regie Claudia Udenta) führt die Vita des Schauspielers auch noch den Film "Räuberinnen" auf, dessen Kinostart in der Schweiz am 04. Juni 2009 erfolgte.

Mathis Künzler in "Räuberinnen"

Nach einem Dehbuch von Martin Muser und Thomas Hess sowie unter der Regie von Carla Lia Monti produzierte die Dschoint Ventschr Filmproduktion AG, Zürich, den Film "Räuberinnen", in dem Mathis Künzler die Räuberin Frieda spielt: Gezeichnet von der Boshaftigkeit des männlichen Geschlechts beschließen fünf Frauen sich zur Wehr zu setzen, werden zu Räuberinnen und kämpfen erbarmungslos gegen das Patriarchat. Es wird gestohlen, geschossen, gevögelt, geschlafen, gegessen; kurz, das Leben genossen. So sehr, dass auf der filmeigenen Homepage die Schweizer Presse zitiert wird, die den Film wegen seiner Freizügigkeit aburteilt: Steuergelder werden für Fick-Film verschleudert – jevp / Auf den Schwanz getreten – Der Landbote / Obszöner Raubzug – Tagblatt / Deftig, plump und sterbenslangweilig – NZZ online. Aber macht eine solche Presse einen Film nicht erst interessant?

Die Zukunftschancen von Mathis Künzler

Künzler ist in einem etwas schwierigen Alter, denn in den Filmen und Serien aus deutscher Produktion werden derzeit eher Männer ab 40 aufwärts besetzt. Rollen in qualitativ hochwertigen Projekten für gutaussehende Schauspieler um die 30 sind knapp und von Stars wie David Rott, Max von Pufendorf oder Grimmepreisträger Florian David Fitz heiß umkämpft. Allenfalls Nebenrollen wie die des Jonas Benz in Geld.Macht.Liebe (ARD, jeweils montags 20 Uhr 15) fallen an.

Dass SAT.1 qualifizierte Theater- und Fernsehschauspieler wie Mathis Künzler nach Abschluss einer erfolgreichen Zusammenarbeit faktisch fallen lässt, ohne deren Potential weiter zu nutzen und sie sukzessive zu Gesichtern und Repräsentanten des Senders aufzubauen, zeugt von der kaufmännischen und strategischen Unfähigkeit des Senders, unter der auch die aktuellen Telenovelastars werden leiden müssen.

Damit, dass Künzler nicht nur Metallschlosser und studierter Schauspieler, sondern auch Snowboardlehrer mit Diplom ist, dürfte sein Lebensunterhalt auch im Falle des Ausbleibens weiterer Rollenangebote gesichert sein. Aber davon ist in Anbetracht seiner Ausstrahlung und Bildschirmpräsenz sowie seiner Bühnenerfahrung ganz sicher nicht auszugehen.

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