Schauspielerin Sandra Kouba

Ein Multitalent mit Sinn für anspruchsvolle Rollen

Sandra Kouba ist 26, hat ein Ensemble mitgegründet, den Puck gewonnen, in zahlreichen Filmen und Theaterstücken gespielt - Zeit für ein Portrait

„Ich will meine Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Sandra Kouba beiläufig, während sie ihren Kaffee trinkt. „Natürlich ist nicht jede Rolle gut. Es gibt schon Momente, da ist man enttäuscht. Aber was ich machen kann, das will ich machen.“ So bescheiden und zurückhaltend gibt sie sich, obwohl das gar nicht nötig wäre. Aber es macht sie sympathisch, menschlich. Der Zweifel ist immer eine positive Eigenschaft, auch bei ihr. Er treibt sie an, zur Selbstreflexion und zu dem Wunsch, immer ein klein wenig besser zu werden. Das Besondere an ihr ist, dass sie weder über- noch untertreibt. Man gewinnt den Eindruck, dass sie ein natürliches Gespür dafür hat, was einer Rolle gut tut, wie weit sie gehen muss und wo eher Zurückhaltung angesagt ist. Die Balance stimmt immer. Der Zuschauer erliegt ihrem Spiel, ob er will oder nicht, und meistens erwischt sie ihn gerade dann, wenn er nicht damit rechnet.

Tiefrgündig & ambivalent

2004 gab sie mit dem von ihr mitgegründeten Analog-Ensemble ihr Theaterdebüt in Georg Büchners „Leonce und Lena“. Kaum ein Jahr später, 2005, verlieh ihr die Kölner Theatergemeinde den Puck – einen renommierten und bundesweit beachteten Theaterpreis – für die Interpretation eines Mädchens, das dem inzestuösen Missbrauchsverhältnis zu seinem Vater in „Fünf Arten von Schweigen“ zum Opfer fiel. Vom Kölner Feuilleton wurde sie hoch gelobt. Im Zusammenhang mit ihrer Darbietung der Ottilie in Goethes „Wahlverwandschaften“ (Theater Tiefrot, Köln 2007; Regie: Volker Lippmann) fiel gar der Begriff „genial“. Zweimal spielte sie in Stücken des Boulevarddramatikers Nicky Silver, zuletzt die Cybil in „Gutmenschen“ (Theater Tiefrot, Köln 2008; Regie: Wolfram Zimmermann). Dass sie auch hin und wieder Rollen in RTL- und Sat1-Serien übernimmt – geschenkt. Ihr Engagement in Kurzfilmen wie dem preisgekrönten „Amor Fati“ des deutsch-serbischen Regisseurs Dennis Todorovic wiegt weitaus stärker.

Lena, Ottilie, auch Wedekinds „Lulu“ – das sind tiefgründige, ambivalente, symbolhafte, starke Charaktere, die ihre Relevanz und ihre Wirkungskraft bis heute nicht eingebüßt haben. Dass sie von Sandra Kouba gespielt werden ist kein Zufall. Kunst müsse von Innen heraus kommen, müsse gelebt werden, sagt sie, und man spürt instinktiv, dass das ehrlich gemeint ist. Wenn sie auf der Bühne steht begibt sie sich ganz in die Rolle hinein, was nicht selten nach dem Fall des Vorhangs noch nachklingt. In ihr und im Zuschauer.

Faszinierende Stimme

Sandra Kouba hat eine erstaunliche Energie, die sich nicht nur in ihrem Wirken als Schauspielerin und passionierter Tänzerin einen Weg bahnt. Auch als Sängerin und Songwriterin bahnt sie sich ihren Weg. Zahlreiche bisher unveröffentlichte Stücke warten darauf, gehört zu werden. Der neugierige Leser darf sich anhand des Songs „Lover“ samt Musikvideo selbst einen Eindruck machen.

Erst kürzlich spielte Sandra Kouba eine Rolle in einem abendfüllenden Kinofilm, der ab Herbst läuft. Am 22. Juni ist sie im Euro-Theater in Bonn wieder in Laura de Wecks „Lieblingsmenschen“ zu sehen. Derzeit probt sie die Hauptrolle in Igor Bauersimas Stück "norway.today", auf ein weiteres bereitet sie sich für Herbst 2008 vor.