Schauspielerin Vera Farmiga im Porträt

In "Up in the Air" stiehlt sie George Clooney fast die Schau

Statt zu Castings zu fahren, züchtet Schauspielerin Vera Farmiga lieber Ziegen. In "Up in the Air" brilliert sie neben George Clooney - und hofft nun sogar auf den Oscar.

Die Wichtigkeit (und Gage) von Schauspielern lässt sich ganz leicht erkennen – an der Position ihres Namens im Vorspann. Dort werden erst die Top-Stars genannt, dann der Filmtitel. Und hinterher halt noch jene Akteure, die ebenfalls mitspielen durften. Im jüngsten George-Clooney-Streifen steht ganz vorne George Clooney, dann folgt mit „Up in the Air“ der Name des Films. Danach erst, quasi unter ferner liefen, erscheint Co-Star Vera Farmiga auf der Leinwand. Einerseits verständlich, denn die 36-Jährige zählt eben noch nicht zur A-Liga der Hollywoodgrößen. Andererseits könnte sie dieser Auftritt genau dorthin katapultieren – und ihr beim nächsten Film eine schönere Stelle im Vorspann bescheren.

Vera Farmiga spielt neben George Clooney in „Up in the Air“

In „Up in the Air“ (Regie: Jason Reitman) spielt Clooney einen bindungsscheuen Einzelgänger, der kreuz und quer durch die USA fliegt und im Auftrag fremder Firmen deren Angestellte feuert. Farmiga gibt die kühle Geschäftsfrau Alex, die den Zyniker in einem Hotel aufgabelt und in eine scheinbar unkomplizierte Affäre verwickelt. Doch am Ende – so viel sei verraten – ist es keineswegs der coole Clooney, der lacht. Und Farmiga bleibt als toughe Blondine in Erinnerung, die dem Beau in Sachen Schauspielkunst fast den Rang abläuft. Doch wer ist diese Frau, die fast aus dem Nichts kommt und dem Top-Star Paroli bietet?

Vera Farmiga drehte schon mit Robert De Niro und Meryl Streep

Die Tochter ukrainischer Einwanderer kam auf dem klassischen Weg zur Schauspielerei: Schultheater und Schauspielschule, gefolgt von Bühnenrollen bis hin zum Broadway. Dazu Auftritte in Fernsehserien und Independentfilmen, die allerdings nur leidenschaftlichen Cineasten ein Begriff sind. Zwar war Vera Farmiga auch in Blockbustern wie „15 Minuten“ mit Robert de Niro (2001) und „The Manchurian Candidate“ (2004) mit Denzel Washington und Meryl Streep zu sehen, doch blieben ihre Rollen darin eher winzig.

Anders als viele Hollywood-Sternchen hat es die kantige Schönheit nie mit aller Gewalt auf schnellen Ruhm angelegt. Im Gegenteil: Mit ihrem Mann und dem Anfang 2009 geborenen Söhnchen Fynn lebt sie einen Gutteil des Jahres auf dem Land, hält Angora-Ziegen, verarbeitet deren Wolle mit dem eigenen Spinnrad und spielt obendrein gern Klavier. Die Welt der Castings und Film-Agenten ist ihr nicht ganz geheuer. Gerät ihr ein interessantes Drehbuch in die Finger, spielt sie daheim ein paar Szenen daraus vor, lässt sich dabei filmen und schickt das Resultat an den Regisseur.

Durchbruch neben Leonardo DiCaprio in Scorseses „Departed

Mit dieser Masche begeisterte sie schließlich auch Großmeister Martin Scorsese, der sie 2006 prompt für sein gefeiertes Gangsterdrama „Departed“ besetzte. Zwar hatte sie es an der Seite von Top-Stars wie Leonardo Di Caprio, Matt Damon und Jack Nicholson schwer. Andererseits blieb ihre Performance als Polizei-Psychologin, die gleich zweien dieser rauen Kerle den Kopf verdreht, so sehr haften, dass viele Regisseure Vera Farmiga jetzt in ihren Notizblöcken haben. Seither hat sie in kurzer Zeit eine Handvoll Filme gedreht. Zuletzt war sie hierzulande 2009 in den Kinos zu sehen – im Drama „Der Junge im gestreiften Pyjama“ als Mutter eines kleinen Buben, dessen Vater Kommandant des KZs in Auschwitz wird.

Am 7. März 2010 konkurriert Vera Farmiga mit Penélope Cruz um den Oscar

Nun also der große Auftritt in „Up in the Air“, der Farmiga in Hollywood in eine neue Gewichts- und Gehaltsklasse führen könnte. Außer haufenweise Kritikerlob erntete sie sogar eine Oscar-Nominierung und konkurriert nun in der Kategorie beste Nebendarstellerin mit Penélope Cruz. Selbst wenn Vera Farmiga bei der Oscar-Verleihung am 7. März 2010 (live auf ProSieben) leer ausgehen sollte – ihr Auftragsbuch ist bestens gefüllt. Eine Komödie mit Keanu Reeves und James Caan ist bereits abgedreht, ein weiterer Film an der Seite von Jake Gyllenhaal in Planung.

Wie gesagt: Sehr wahrscheinlich, dass sie in beiden Werken im Vorspann weiter vorne auftaucht. Nämlich an der Seite der anderen Berühmten noch vor dem Titel.