
- Scott Mechlowicz "Undocumented" movie images - IFC Films
Komödientauglichkeit- bewiesen : “ Eurotrip“ als souveräner Karrierestart
Seine ersten Wide-Screen-Schritte ging der gebürtige New Yorker 2003 mit der Rolle des Scott in der Komödie "Eurotrip". An der Seite von Michelle Trachtenberg gelang es ihm damals schon kurz nach abgeschlossenem Schauspielprogramm an der USCLA ein Millionenpublikum von seiner effektiven Wirkung auf dem Bigscreen zu überzeugen. Kaum verwunderlich, dass es ihm auch 8 Jahre später mit seiner Hauptrolle in "Cat Run" kaum schwer zu fallen schien, sein unabstreitliches Talent in souveränem Wechsel zwischen subtiler Situationskomik und Momenten unterschwelliger Dramatik zu manifestieren. Wie er selbst sagt, war es der Wandel, den sein Charakter parallel zur Plotentwicklung nimmt, der "Cat Run" für ihn ansprechend machte. Als „interessant und facettenreich“ beschreibt er seine Rolle und seine Verwicklung in ein unvorhersehbares Abenteuer, in dessen Verlauf er „alle Nuancen von Wissen und Können anwenden muss, die er während der Story entwickelt .“ - unwissend, wie er das am Ende anstellen soll. Interessant und facettenreich also- genauso wie das Darstellungstalent, das Scott selbst im Laufe der Komödie beweist.
Dramentauglichkeit- bewiesen: „Mean Creek“ und „Peaceful Warrior“ als Manifestationen emotionaler Intensität
Gerade sein Facettenreichtum dürfte es sein, was Scott 2006 die Hauptrolle Dan Millman im Drama "Peaceful Warrior" einbrachte. Und siehe da- in der Romanverfilmung nach einer wahren Begebenheit drängte Scott seine höchst etablierten Co-Stars Nick Nolte und Amy Smart durch seine darstellerische Treffsicherheit beinahe vollständig vom Schirm. Nicht nur bewies er sich als ausdrucksstarker Meister in der Vermittlung sexueller Spannungen, verrauchend in einzelne, kurzlebige Blicke, auch schien ihm der zielsichere Wechsel zwischen zirkulierenden, körperlichen Gefühlen des Alltags und tief spiritueller, emotionaler Hingabe zu einer fremden Lebenslehre so natürlich von der Hand zu gehen, dass um den Zuschauer ganze Bauten seiner Gefühlswelt empor brachen und Dan Millmans stiller Kampf sich immer kraftvoller in Scotts gesamtem Auftreten verfestigte, sodass ein vollständiges Eintauchen in die fiktive Welt ermöglicht wurde.
So stellt Mechlowicz sich als unendlich tiefer, menschlicher Brunnen heraus, aufgefüllt mit stellenweise eiskaltem, stellenweise kochend heißem Wasser von Stimmungen und Gefühlen, die einen durch ihren Sog mit in die Tiefe von Scotts Seele reissen, bis man auf den Grund des situativen Moments aufschlägt, wo man durch die Intensität des Aufpralls benommen und vollständig umhüllt von Emotion und Leidenschaft nach Luft schnappend sitzen bleibt. Schon 2 Jahre zuvor punktete er mit einer ähnlich leidenschaftlichen Darstellung des Martin Blank im Drama "Mean Creek", indem er sich als frustrierter Provokateur einer Jugendclique in einen seidenen Schleier eigenenergetisch pulsierender Agression hüllte, die hier und da in Gefühlsextreme explodierte und so die gesamte Spannungsführung des Filmes veranlasste.
Thrillertauglichkeit- bewiesen: „Gone“ und „Undocumented“ als Dokumentationen schauspielerischen Ausnahmetalents
Ähnlich spannungsintensive Effekte erbrachte Scott 2007 dem Thriller „Gone“, als er als Taylor in schwungvollen Zügen ein von emotionaler Besessenheit und verdeckter Manipulative geprägtes, vollkommen neues, charismatisches und auf beängstigende Weise sympathisches Bild von Psychopathie zeichnete. Durch eine feste Einheit aus Aura, Blick und Gestik, die vollkommen wortlos eine faszinierende Situationsdynamik auslöste, trug Scott den Film beinahe alleine auf eine höhere Spannungsebene. Ein loderndes Feuer von emotionalen Abgründen entfachte sich um ihn, sodass er Situationen hochaffektiv und differenziert in Brand setzte, um sie Sekunden später auf den Punkt genau zu fast hölzerner Ruhe abzulöschen, bevor die Flammen den Situationskern bis zur Unkenntlichkeit zerfressen, die Funken dennoch fraglos auf den Betrachter überspringen konnten.
Komödientauglichkeit, Dramentauglichkeit und Thillertauglichkeit hat er zeigen können. Und das in schauspielerischer Vielfalt mit hoher Intensität. Doch was 2010 mit der Shepard Glen Horrorfilmproduktion „Undocumented" folgte, dürfte man wohl als ultimativen Beweis seines Ausnahmetalents bezeichnen können. So erzählt "Undocumented" die Geschichte einer Filmcrew, die illegale Einwanderer über die amerikanische Grenze begleitet und von einer sadistischen Gang festgehalten und gequält wird. Im Stile von Paranormal Activity soll der Film den Anschein von Orginalmaterial erwecken, was vom gesamten Cast ein überdurchschnittlich hohes Maß an schauspielerischer Authenzität und Gefühlsreinheit fordern dürfte. Letztlich war es genau das, was Scott der Leadrolle des Travis geben konnte- durch eine fast schon unmöglich natürliche und doch präzise und differenziert dynamische Darstellung sorgte er dafür, dass der Zuschauer sich der Situation so nahe fühlte als säße er irgendwo in Scotts Inneren und blicke aus seinen Augen auf das vor seinen Augen Geschehende.
Qualität und Quantität
Am Ende bleibt zu sagen, dass es vielleicht eine überschaubare Zahl Filme ist, die Scott abgeliefert hat, jedoch sind es ausnahmslos Filme, in denen er ununterbrochen und mit omnipräsenter Energie abgeliefert hat. "Es ist eine Gradwandlung zwischen Arbeiten und in Filmen zu spielen, von denen man tatsächlich ein Teil sein will" so beschreibt er den Grund für die längeren Pausen zwischen seinen Projekten. Und womöglich ist genau das der Schlüssel zu der einzigartigen Qualität seiner Darbietungsart- dass er dem Publikum zweifellos vermittelt, leidenschaftlich bei der Sache zu sein und nicht nur wegen der Checks mitzumischen. Dass er kaum in seichte Mainstream-Hollywood-Produktion gecasted wurde, hat wenig mit fehlender Qualität zu tun, sondern viel eher mit der Tatsache, dass Scott kein seichter Mainstream-Schauspieler ist. Die kräftige Präsenz seiner Aura, die schneller zu wirken und abhängig zu machen scheint als jede Droge lässt es kaum zu, sich den 31-Jährigen in einer tiefgangslosen Rolle vorzustellen, wenn er natürlich vereinnahmend jede Oberflächlichkeit und Lücke um sich automatisch mit intensivem Eigenleben füllt. So verwundert es nicht, dass seine Filme so gut wie nur Hauptrollen bedeuten, wo er doch irgendwie derjenige ist, der auch dann noch die Hauptrolle spielt, wenn er in die Nebenrolle gecastet wurde.
Die Techniken, Emotion zu transportieren, mag der in Texas aufgewachsene Schauspieler vielleicht wie so viele andere auf der Schauspielschule gelernt haben, dennoch gibt es etwas, das ihn von den so vielen anderen abhebt- die Emotion selbst, deren Intensität er beweglicher und bewegender einfach in sich zu haben scheint. So kann man Scott am Ende am besten als schauspielerisches Überaschungsei beschreiben, an dem man sich niemals satt isst und das einem jeden Film, in den man ihn steckt, genau die richtige Mischung Spiel, Spaß und Spannung gibt.
Quellen:
www.youtube.com
www.movieweb.com
