Schawuot - das Wochenfest

Das Schawuot-Fest gehört mit Pessach und Sukkot zu den drei biblischen Wallfahrtsfesten und findet am sechsten Siwan statt.

Die wörtliche Übersetzung für Schawuot lautet Wochenfest. Es findet im rabbinischen Judentum jeweils fünfzig Tage nach Pessach statt und schließt dieses Fest ab. Das Fest enthält als landwirtschaftliche Komponente die Feier der Weizenernte und feiert zugleich die Übergabe der Torah am Berg Sinai.

Das Datum des Schawuot-Fester

Schawuot ist das einzige Fest, dessen Datum sich beim rabbinischen und karäischen Judentum unterscheidet. Der Grund liegt in einem unterschiedlichen Verständnis von Levitikus (3. Buch Moses) . 23,15. Dort wird angewiesen, am Tag nach dem Schabbat, an welchem die Garbe geschwungen wird, mit dem Zählen der Zeit zwischen Pessach und Schawuot zu beginnen. Der Begriff Schabbat meint in der Regel den entsprechenden Wochentag, er kann aber auch als Synonym für einen anderen Ruhetag verwendet werden. Diese Nebenbedeutung ist eindeutig, wenn der Versöhnungstag als Schabbat Schabbaton bezeichnet wird. Levitikus. 23,15 kann sich sowohl auf den ersten Tag Pessach als auch auf den ersten Schabbat nach Pessach beziehen. Während das rabbinische Judentum für die entsprechende Bibelstelle die Bedeutung des Begriffes Schabbat als Ruhetag annimmt, halten die Karäer die wörtliche Bedeutung Schabbat als Wochentag für zutreffend. Somit feiern sie Schawuot nicht an einem festen Datum, sondern immer an einem Sonntag. Die Übergabe der Torah ist bei den Karäern nicht Bestandteil des Schawuot-Festes.

Inhalte und Symbole des Schawuot-Festes

Die Tage zwischen Pessach und Schawuot werden gezählt, somit schließt das Schawuot-Fest das Pessach-Fest ab. Das Ziel des Auszuges aus Ägypten war die Übergabe der Torah am Berg Sinai, welche fünfzig Tage nach der Flucht der Kinder Israel aus Ägypten stattfand. Schawuot gehört zu den Pilgerfesten, da zu biblischen Zeiten alle Juden zu einem Besuch beim Tempel in Jerusalem aufgerufen waren. Schawuot gehört zu den arbeitsfreien Tagen. In allen Synagogen finden Gottesdienste statt, orthodoxe und einige Masorti-Gemeinden feiern einen zweiten Schawuot-Tag. Dieser geht darauf zurück, dass zu biblischen Zeiten der exakte Termin der Feste anhand der Mondbeobachtung festgelegt wurden und die Nachricht über den Termin in der Diaspora oftmals nicht rechtzeitig bekannt wurde. Diese Unsicherheit besteht heute nicht mehr, so dass liberale Gemeinden den zweiten Feiertag nicht mehr begehen.

Wie jedes jüdische Fest, so beginnt auch Schawuot am Vorabend, da jeder jüdische Tag mit Einbruch der Dämmerung anfängt. Nach dem Abendgebet treffen sich die Gemeindemitglieder in vielen jüdischen Gemeinden zu einem Tikkun. Hierbei handelt es sich um das gemeinsame Lernen. Traditionell werden die Anfänge und die Ende jedes biblischen Buches sowie ausgewählte Kapitel der Mischna gelesen. Im Schacharit-Gottesdienst am Schawuot-Vormittag wird die Torah-Lesung durch das Akdamut-Gebet bereichert. Bei diesem handelt es sich um ein Gebet, mit welchem die Gemeinde um Erlaubnis bittet, die Torah zu lesen. Als Festrolle für das Schawuot-Fest ist das Buch Ruth bestimmt. In einigen Gemeinden erfolgt die Verlesung der Rolle nicht mehr innerhalb des Gottesdienstes, dann ist jeder aufgerufen, das Buch Ruth zu Hause zu lesen. Ein Grund für die Wahl dieses Buches besteht darin, dass Ruth sich als Konvertitin bewusst unter den Schutz der Torah stellte.

Typische Speisen für das Schawuot-Fest sind Milchspeisen aller Art. Für diesen Brauch werden unterschiedliche Gründe angegeben. So ernährt die Torah alle Juden ebenso wie Milch die Kinder. Eine andere Erklärung geht vom Zahlwert des hebräischen Wortes für Milch, welcher vierzig beträgt, aus. Moscheh (Moses) verbrachte vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg Sinai, um dort die Torah in Empfang zu nehmen.

Literatur:

Bibel Levitikus. 23,15 und Numeri. 28, 26-31

Fragen und Antworten zum Judentum – Abschnitt Schawuot

Kapitel Schawuot in Lau, Isrrael M. Wie Juden leben. Gütersloh 2005

Kapitel Schawuot in Rothschild, Walter. Der Honig und der Stachel, Berlin 2008

Helmut Agnesson, Helmut Agnesson

Helmut Agnesson - Geboren am 06.04.1960 (09. Nissan 5720). Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel, später Studium der ...

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