Scheidung - Kein Kontakt zum Vater

PAS - Oliver Weber / pixelio.de
PAS - Oliver Weber / pixelio.de
Die Entfremdung des Kindes vom getrennt lebenden Elternteil (Parental Alienation Syndrome - PAS) ist eine schwere seelische Belastung für Scheidungskinder.

Das Eheversprechen "Bis dass der Tod uns scheidet" hat schon lange keine reale Gültigkeit mehr. In Deutschland werden jährlich knapp 200.000 Ehen geschieden - die Scheidungsrate liegt damit über 50 Prozent. Besonders für Kinder beginnt mit der Trennung der Eltern eine schwierige Zeit mit weitreichenden Folgen. Viele Kinder leiden unter erheblichen und vielfältigen Symptomen.

Wie Kinder eine Trennung erleben

Kinder erleben eine Scheidung anders als Erwachsene. Für sie steht nicht der Neubeginn im Vordergrund, sondern der Verlust eines Elternteils und damit der Verlust einer wichtigen Bezugsperson und deren Liebe und Zuneigung, Unterstützung und Zugehörigkeit. Viele Kinder erleben die Zeit nach der Trennung als verwirrende und verunsichernde Situation. Meist sind die Erwachsenen so mit sich selbst beschäftigt, dass sie vergessen, ihre Kinder mit einzubeziehen. Die verstehen nicht, was wirklich passiert ist und wissen zu wenig über Hintergründe, Ursachen und vor allem Folgen der Trennung, was zu großen Ängsten der Kinder führen kann. Oft fühlen die Kinder auch zuhause die Spannung und das Tabu, das mit dem Thema Trennung verbunden ist und trauen sich nicht, darüber zu reden. So reagieren viele Kinder und Jugendliche mit Trauer, Depression und Wut - verdrängen diese Gefühle aber oft, weil die Erwachsenen ihnen dafür keinen Raum geben und erwarten, dass die Kinder "funktionieren". Dann äußern sich die Gefühle in verändertem Verhalten, Tics, Alpträumen oder einer emotionalen Distanz.

Parental Alienation Syndrome (PAS)

Eine besonders schwere Störung bei Kindern nach Trennungen ist das sogenannte "Parental Alienation Syndrome" (PAS) oder auch das Syndrom der Elternentfremdung genannt. Es tritt vor allem im Zusammenhang mit Sorge- und Umgangsrechtsstreitigkeiten auf. Das bewusst oder unbewusst beeinflusste Kind lehnt einen Elternteil ab, ohne dass es dafür einen wirklichen Grund gibt. In der Regel ist der abgelehnte Elternteil derjenige, der ausgezogen ist und das ist in den meisten Fällen der Vater. Es gibt zwei Faktoren bei PAS, die bei dem Entfremdungsprozess zusammenspielen:

  1. Indoktrinierung, Gehirnwäsche in der Regel durch einen Elternteil. Meist ist der Störer der Elternteil, bei dem das Kind lebt.
  2. Die Annahme dieser Programmierung durch das Kind.

Ursache von PAS: Angst, das Kind an den Ex-Partner zu verlieren

Bei der Entwicklung des PAS-Syndroms spielt Angst eine große Rolle. Der betreuende Elternteil manipuliert das Kind aus Angst, es an den anderen zu verlieren. Deshalb wird versucht, Exklusivität in der Beziehung zum Kind herzustellen: "Das Kind braucht mich am meisten/ist ausschließlich auf mich angewiesen". Es wird nicht wahrgenommen, daß das Kind für seine psychische Gesundheit auch auf die innere Verbundenheit mit dem Elternteil angewiesen ist, mit dem es nicht mehr zusammenlebt. Die Mittel, die dazu benutzt werden, die eigene Beziehung zum Kind zu stärken, ist die Abwertung und Ablehnung des anderen Elternteils als Person: "Er/sie ist verantwortungslos, ein Versager, Lügner, Betrüger und als Vater/Mutter: er/sie sorgt nicht gut für dich/versteht dich nicht/paßt nicht gut auf dich auf". Dadurch wird dem Kind vermittelt, der andere sei kein verantwortungsbewußter Elternteil und dieser könne nicht kompetent mit ihm umgehen. Wenn das Kind über tolle Erlebnisse mit dem anderen Elternteil berichtet, wertet der manipulierende Elternteil sie als trivial, unbedeutend oder gefährlich ab. Auf diese Weise erfährt das Kind: Eine gute Zeit mit dem anderen Elternteil zu haben, ist unloyal oder gefährlich.

Das Kind als Waffe gegen den Ex-Partner

So werden die Kinder auf äußerst zerstörerische Art und Weise Opfer der Trennungsauseinandersetzungen überforderter, emotional unreifer oder psychisch gestörter Erwachsener. Das Kind wird systematisch einer Gehirnwäsche und Manipulation unterzogen - meist geschieht dies durch den Elternteil, bei dem das Kind dauerhaft lebt. Der Elternteil instrumentalisiert das Kind, um eigene Verlustängste zu reduzieren, Hass und Rachegefühle dem früheren Partner gegenüber auszuleben. Die Beeinträchtigung der kindlichen Entwicklung wird nicht wahr- oder billigend in Kauf genommen.

Manipulation des Kindes - "Papa liebt dich nicht mehr..."

Das kann offen passieren: "Dein Papa liebt dich nicht mehr, er hat jetzt eine neue Familie" oder suggestive Fragen wie "Du musst am Wochenende nicht zum Papa, wenn du nicht willst - es ging dir doch das letzte Mal auch nicht gut danach, weißt du noch?" Meist geschieht die Manipulation jedoch viel subtiler und wird nicht selten als Ausdruck von Sorge und Zuneigung verpackt: "Mami ist traurig, weil Papa gar nicht lieb zu ihr ist und ihr viel Kummer macht, aber wenn du den Papa sehen magst, kannst du das natürlich gerne..." Auf diese Art identifiziert sich das Kind mit dem "Störer" (entfremdenden Elternteil) und macht dessen Ablehnung des Partners zur seiner eigenen Sache, indem er den anderen Elternteil ablehnt, herabsetzt und/oder den Kontakt verweigert.

Loyalitätskonflikt des Kindes

Das Kind meint, die Mutter beschützen zu müssen, indem es den Vater ablehnt oder es fürchtet, die Gunst/Liebe der Mutter zu verlieren, wenn es dem Vater (oder dem anderen Elternteil) Sympathien entgegenbringt. Das Kind gerät in einen extremen Loyalitätskonflikt, der ihm aber nicht bewusst ist. Fordert man das Kind auf, seine Mutter und seinen Vater zu beschreiben, dann fällt auf, daß der manipulierende Elternteil nahezu ausschließlich positiv, der abgelehnte Elternteil ausschließlich negativ beschrieben wird. Normalerweise ist ein Kind aber in der Lage, jedem Elternteil sowohl positive als auch negative Eigenschaften zuzuordnen. Die Frage, ob es sich über den positiv beschriebenen Elternteil nicht manchmal (auch) ärgere, wird verneint. PAS-Kinder beschreiben den manipulierenden Elternteil als nahezu perfekt; so, als ob er nie Dinge verlangen würde, die Kinder ablehnen. Demgegenüber können sie viel über die "Schikanen" des abgelehnten Elternteils berichten. Meist beschreiben sie dann dessen Versuche, mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Symptome von PAS

Die Diagnose über den Schweregrad von PAS erfolgt ausschließlich anhand des kindlichen Verhaltens. Es gibt leichte, mittlere und schwere Formen von PAS. Hauptsymptome von PAS:

  • Zurückweisungs- und Verunglimpfungskampagne
  • Absurde Rationalisierungen
  • Fehlen von normaler Ambivalenz
  • Reflexartige Parteinahme für den zu programmierenden Elternteil
  • Ausweitung der Feindseligkeit auf Familie und Umfeld des zurückgewiesenen Elternteils
  • Abwesenheit von Schuldgefühlen über die Grausamkeit gegenüber dem zurückgewiesenen Elternteil
  • Übernahme geborgter Szenarien oder typischer Redensarten/Verhaltensweisen des Störeres
  • Phänomen des "eigenen Willens", der "eigenen Meinung"

PAS hat für Kinder verheerende seelische Folgen

PAS führt zu einer systematischen Verwirrung des Kindes in der Selbst- und Fremdwahrnehmung und zu einer tiefen Selbstentfremdung. Das PAS-Kind verlernt, den eigenen Gefühlen und der eigenen Wahrnehmung zu trauen. In seiner Abhängigkeit ist es auf Gedeih und Verderb auf das Wohlwollen des programmierenden und fremdbestimmenden Elternteils angewiesen. Es verliert das Gefühl für die Realität und für seine eigene Kontur. Die eigene Identität wird zutiefst verunsichert, verwaschen und brüchig. Negative Selbsteinschätzung, Selbstwertmangel und tiefe Unsicherheit sind die Folge. Unter dem starken Anpassungs- und Loyalitätsdruck lernt das Kind, sich den Erwartungen anderer anzupassen; eine klare Individualität und Autonomie kann sich nicht entwickeln. Es kann zu schweren, oft kaum noch auflösbaren Persönlichkeitsstörungen kommen, zum Phänomen des "falschen Selbst". Dieses finden wir zum Beispiel bei Essstörungen, Süchten und Anderes. "Wer bin ich?", "Was denke ich?", "Was fühle ich wirklich?" Das bleibt für die Betroffenen oft lebenslang eine quälende Frage und Unsicherheit.

Quellen: Vortrag über PAS von Rechtsanwalt Josef Mohr München - Wera Fischer über PAS

Bildquelle: Oliver Weber / pixelio.de

Foto: Petit-Fleur, Sonja Anne Blüml

Sonja Anne Blüml - Sonja Anne Blüml Magister Artium der PhilosophieFreiberufliche Autorin/Texterin/SprecherinKinderbuchautorinSeit 2003 arbeite ich ...

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