Schlachtfeld - Ein Buch von Luca Bloom

Schlachtfeld von Luca Bloom - verlag Beltz (über amazon.de)
Schlachtfeld von Luca Bloom - verlag Beltz (über amazon.de)
In Luca Blooms "Schlachtfeld" geht es um den Konflikt eines Schülers mit seinem Lehrer, der für beide zu einem Kampf ums Überleben wird.

Johannes ist ein eher unscheinbarer Schüler. Wenn es Probleme gibt, macht er sich nach Möglichkeit unsichtbar und versucht, allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Genau das gelingt ihm aber nicht, als zwischen seinem Mitschüler David "Mick" Mickner, dem heimlichen Herrscher der Klasse und dem autoritären Geschichtslehrer Zinn ein Konflikt entbrennt, der immer mehr zu eskalieren droht. Johannes wird, ohne es zu wollen, in diese Auseinandersetzung hineingezogen, als er zufällig mitbekommt, wie Mick das Wort "Kinderficker" an Zinns Haustür schmiert. Mick zwingt Johannes, für ihn zu lügen. Als der Direktor und die anderen Lehrer Mick dennoch kein Wort glauben, eskaliert die Sache endgültig und Johannes, der bei solchen Problemen immer am liebsten unter dem Radar von allen Beteiligten durchfliegen würde, ist dabei für die anderen Schülerinnen und Schüler sichtbarer, als ihm lieb ist...

"Schlachtfeld" von Luca Bloom - Lebensnah und fesselnd

Luca Bloom ist mit "Schlachtfeld" ein sehr seltenes Kunststück gelungen. Wirken die meisten Bücher, welche von Erwachsenen aus der Sicht eines Jugendlichen geschrieben werden (in diesem Fall ist Johannes der Erzähler) so, als ob hier eben ein Erwachsener versucht, einen 14-jährigen zu imitieren (mit oftmals einfach nur aufgesetzter und pseudocooler "Jugendsprache", bzw. dem, was die Autorin oder der Autor dafür hält), hat man beim Lesen von "Schlachtfeld" nie das Gefühl, dass der Erzähler auch nur einen Tag älter ist, als er vorgibt zu sein. Dies trägt ungemein zur Lebendigkeit der Geschichte bei und wenn Johannes dann die unter seinen KlassenkameradInnen herrschende Hierarchie erklärt, hat man das Gefühl, man würde gerade drei Reihen hinter ihm und Mick sitzen, während sich dieser mal wieder ein verbales Duell mit Zinn liefert. Bloom schafft es, seine Leser von der ersten Seite an unwiderruflich an dieses Buch zu fesseln, man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.

"Echt" wirkende Figuren mit Charakterstärken und -schwächen

Eine große Stärke des Buches ist es, dass die verschiedenen Charaktere Leute sind, die einem jederzeit auf der Straße begegnen könnten. Hier gibt es keine einzige Mary Sue oder andere negative Erscheinungen. So etwas wie Identifikationsfiguren gibt es dadurch allerdings nicht. Zinn ist ein autoritäres Schwein, das perverse Freude daran hat, die Schülerinnen und Schüler mit beleidigenden Sprüchen zu demütigen, die nur er lustig findet. Mick ist einem zwar anfangs nicht direkt unsympathisch, da er einfach nur seine Position als pubertierender Platzhirsch verteidigen möchte (die er eben dadurch gefährdet sieht, dass er zu Zinns neuem Lieblingsopfer geworden ist), aber spätestens mit der "Kinderficker"-Aktion fallen bei ihm dann alle Hemmungen und auch das Gefühl dafür, wie weit man gehen darf, wenn man sich zur Wehr setzen möchte. Johannes wiederum ist ein ganz normaler Schüler, der eben auch mitmacht, wenn ein anderer gemobbt wird, schließlich gilt hier das Motto "Besser die als ich".

Ein Buch mit vielen Ecken und Kanten

Luca Blooms Schlachtfeld ist ein Buch, das man nicht unbedingt als glattgebügelt bezeichnen kann und stattdessen stolz seine Ecken und Kanten präsentiert. Es regt zum Nachdenken an und sorgt dafür, dass die LeserInnen die Geschichte rund um Johannes, Mick und Zinn nicht so schnell vergessen werden.

Bloom, Luca: "Schlachtfeld", Beltz; Auflage: 1., Lizenzausgabe (11. Juli 2011) , 142 Seiten, 6,95€

Udo Seelhofer, Udo Seelhofer

Udo Seelhofer - Studium: Deutsche Philologie (abgeschlossen) Kombinierte Religionspädagogik (im letzten Abschnitt) Arbeit: Seit Oktober 2006 ...

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