Schlägt der Blitz mehrfach an der gleichen Stelle ein?

Aufziehendes Gewitter über Essen-Fulerum - Alexandra Döll, Essen
Aufziehendes Gewitter über Essen-Fulerum - Alexandra Döll, Essen
Es gibt zwar ein Sprichwort, das besagt, dass der Blitz niemals zweimal an der gleichen Stelle einschlägt. Diese Aussage konnte jedoch widerlegt werden.

Im Jahr 2003 stellten amerikanische Forscher nach etlichen Beobachtungen fest, dass Blitze sehr wohl an derselben Stelle einschlagen können. Laut Aussage der Forscher sucht sich der Blitz nach dem Ersteinschlag in einen Gegenstand – egal, ob Baum, Strommast, Gebäude, Auto et cetera – zwar einen anderen Weg, aber der dritte und vierte Blitz folgen meist mit ihrem Blitzkanal dem zweiten.

Dies erklärt zwar, warum innerhalb eines Gewitters die Gefahr besteht, dass Gegenstände mehrfach vom Blitz getroffen werden, dennoch kann anhand der Realität auch die Beobachtung gemacht werden, dass auch bei Gewittern, die in keinem zeitlichen Zusammenhang zueinander stehen, häufiger dieselben Stellen von Blitzen getroffen werden.

Wenn Blitze häufiger an gleicher Stelle einschlagen – einige Beispiele aus der Praxis

Normalerweise wird davon ausgegangen, dass der Blitz sich den höchsten Punkt sucht, sodass Strommasten oder allein stehende Bäume häufiger getroffen werden, doch dies trifft nicht in allen Fällen zu. Einige Gegenstände sind jedoch öfter von Blitzschlägen betroffen als andere. Es folgen unterschiedliche Beispiele:

  • In Velbert-Langenberg stehen auf einem großen Hügel die Sendemasten des WDR, die mit massiven Stahlseilen im Boden verankert sind, wobei der höchste Sendemast 301 Meter misst. (Ehemalige) Anwohner, die von ihren Häusern aus einen Blick auf den Hügel haben, berichten häufiger, dass der Blitz in einen der Sendemasten einschlägt und dann buchstäblich an den Stahlseilen herunter in die Erde läuft. Dies ist insoweit verständlich, als dass der Hügel an sich schon höher ist als die Umgebung und die aus Metall gefertigten Masten einen zusätzlichen Anziehungspunkt für den Blitz darstellen
  • In dem Ort Wehrheim im Taunus (Kreis Bad Homburg vor der Höhe) stehen entlang der Hauptstraße kurz hinter dem Ortseingangsschild mehrere alte Bäume am Fahrbahnrand, ungefähr in einem Abstand von zehn bis zwanzig Metern. Tritt ein Gewitter auf, wird grundsätzlich immer der zweite Baum in der Reihe getroffen. Die Spuren der zahlreichen Blitzschläge sind anhand von abgestorbener Rinde oder Rissen im Stamm zu erkennen. Hiermit ist also die Aussage widerlegt, dass der Blitz sich unter anderem bevorzugt allein stehende, hohe Bäume aussucht
  • Das Wasserschloss Wittringen in Gladbeck (Kreis Recklinghausen) ist von einem Wassergraben umgeben. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Waldstück mit alten, hohen Bäumen. Dennoch wurde laut Augenzeugenberichten in den 1950er/1960er Jahren häufiger die rechte Zinne oberhalb der Zugbrücke vom Blitz getroffen, seltener die linke oder andere erhöhte Punkte des Schlosses
  • In Essen-Frohnhausen ist bei Gewittern, die von Süden oder Südwesten – also von Essen-Kettwig oder Düsseldorf – her aufziehen, zu sehen, dass Naheinschläge stets in einem Karrée Adelkampstraße – Stettiner Straße – Schweriner Straße zu beobachten sind, obwohl sich in der unmittelbaren Umgebung keine besonders hohen Gegenstände wie Kirchtürme, alte hohe Bäume und ähnliches befinden, sondern kleinere Rasenflächen, die zu den Gärten der Anwohner gehören.

Warum schlagen Blitze häufiger an derselben Stelle ein?

Auch wenn die Gewitter in keinem zeitlichen Zusammenhang zueinander stehen, so wird deutlich, dass trotzdem einige Orte häufiger von Blitzschlägen betroffen sind als andere. Warum sich der Blitz jedoch häufiger dieselbe Stelle aussucht, auch wenn zwischen den einzelnen Gewittern mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre liegen, darauf hat die Wissenschaft noch keine eindeutige Antwort gefunden. Auch wenn gewisse Vorbedingungen erfüllt sind, die einen Blitzschlag begünstigen, wie etwa hohe (Metall-)Konstruktionen und Bäume oder Wasserflächen, so gibt es in manchen Fällen jedoch keine abgesicherte wissenschaftliche Erklärung dafür, warum einige Punkte besonders häufig getroffen werden.

Es gibt sogar Theorien und Aussagen, die zu dem Schluss kommen, dass es keine so genannten Blitznester gibt, also Stellen, an denen der Blitz besonders häufig einschlägt, wobei sich dies hauptsächlich auf Beobachtungen des Blitzforschungsinstituts bei Lugano in den Jahren 1963 bis 1973 stützt. Dennoch gibt es, abgesehen von den oben angeführten Beispielen, immer wieder Berichte von Augenzeugen, die belegen, dass manche Stellen häufiger vom Blitz getroffen werden als andere. Die Bergrettung Österreich gibt Tipps und Hinweise zum Verhalten bei Gewitter im Gebirge und verbannt die Aussage, dass der Blitz niemals zweimal an dergleichen Stelle einschlägt, ins Reich der Legenden.

--------------------

Bildnachweis:

Gewitterwolken über E-Fulerum; Gewitterwolken über E-Frohnhausen: (c) Alexandra Döll, Essen

Wasserschloss Wittringen: (c) Lars Paege, Pixelio

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

rss