Schlaffördernd und unspannend: Björks neues Album "Biophilia"

Björk, Biophilia, Album-Cover - Polydor (Universal)
Björk, Biophilia, Album-Cover - Polydor (Universal)
Die Zeiten der Single-Chart-Hits sind für Björk längst passé. Eintönig und schläfrig präsentiert sie sich mit ihrem neuem Studio-Album "Biophilia".

Wer ein musikalisches Schlafmittel sucht – und das ist nicht böse gemeint, denn manchmal hilft Musik wirklich beim Einschlafen – der liegt mit Björks neuem Album „Biophilia“ richtig. Durchgehend Musik zum einschlafen! Hier ein Glöckchen, dort paar Glöckchen, Zitter, Gesang einer Kreuzung aus Elfen und deprimierten Engeln und: keine musikalische Weiterentwicklung.

„Biophilia“ klingt durchweg nach experimenteller, weltfremder Filmmusik

Seit Lars van Triers Film-Musical-Soundtrack „Dancer in the dark“ (sie spielte nochmal eine Rolle in „Drawing Restraint 9“, dem Film ihres Lebensgefährten Matthew Barney, wozu sie auch die Filmmusik komponierte) und den zuletzt veröffentlichten Studio-Alben „Vespertine“, „Medúlla“ und „Volta“ befindet sich Björk jenseits eines Chart-Hits. „Biophilia“ klingt durchweg nach experimenteller, weltfremder Filmmusik, selbst die Drum'n-Bass-Elemente die den Song „Crystalline“ ausklingen lassen, wirken – leise - schlaffördernd.

Seit den 90er Jahren keine Chart-Hits mehr für Björk

Björk, die mit ihren ersten drei Alben „Debut“, „Post“ und „Homogenic“ locker ein „Greatest Hits“-Album füllen konnte, wird sich für ein weiteres „Best of“ schwer tun, denn Single-Hits hatte sie seit „Army of me“ und „All is full of love“ keine mehr. Inszeniert wurde „Biophilia“ bereits vor CD-Veröffentlichung als multimediales "Gesamtkunstwerk" (Apps, eigene Album-Webseite, Live-Visionen und geplanten Dokumentationsfilm). Dass Björk Produzentin eines Songs von Madonna („Bedtime Story", sie sollte damals ihr ganzes Album produzieren) ist, kann man sich inzwischen nicht mehr vorstellen. Madonnas Karriere wäre ruiniert!

Einfallslosigkeit zeigt sich auch beim Album-Cover Björks

Björk präsentiert sich auf den „Biophilia“-Album-Cover wie ein Verschnitt Rihannas („Only girl in the world“). Da Björk sich musikalisch nicht weiterentwickelt, wäre es gar interessanter, sie würde komplett wie Aura Dione in die Mainstream-Richtung überwechseln, und sich nicht nur optisch an Rihanna halten, sondern auch deren Produzenten David Guetta und Calvin Harris buchen. Doch eher wird sie es ihren KollegInnnen Tori Amos, Seal, Chris de Burgh etc. gleichtun und als nächstes Cover-Alben aufnehmen und alten Songs ihren eigenen Stempel aufdrücken. Gähn: Nicht einmal Viva-Tussen haben Freude daran, etwas Neues von Björk anzumoderieren, weil sonst deren Zielgruppen einschlafen würden.

„Biophelia“ - Schlaftablette ohne bedenkliche Nebenwirkungen

Wer also ein Schlafmittel ohne Nebenwirkungen braucht, lege Björk mit „Biophelia“ ein und träume sich in ihre verkorkste Welt. Dank Björk dienen Plattenkritiker leider manchmal auch wie ein Arzt und Apotheker. Hört man „Biophelia“ tagsüber, wirkt es lethargisch und depressiv, also ist es wichtig, zu welcher Tageszeit man diese Musik auflegt.

Trackliste Björk „Biophilia“

  1. "Moon"
  2. "Thunderbolt"
  3. "Crystalline"
  4. "Cosmogony"
  5. "Dark Matter"
  6. "Hollow"
  7. "Virus"
  8. "Sacrifice"
  9. "Mutual Core"
  10. "Solstice"

„Biophilia“ von Björk erschien am 07. Oktober 2011 bei Polydor (Universal)

Döringer, Martin, (c) Marlonski

Martin Döringer - Martin schreibt nicht nur Online-Reviews, sondern moderierte/interviewte live bei Radio-ALEX und stellte TV-Clips her, diente dabei ...

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