
- Schlafstörung bei Kindern - Silvia Harnisch
Ein erholsamer Schlaf ermöglicht viele Regenerationsprozesse im menschlichen Körper. Durch die Ausschüttung von Wachstumshormonen im Schlaf werden die Erneuerung von Zellen und die Wachstumsprozesse bei Kindern gesteuert. Die Einschlaf- und Durchschlafprobleme bei autistischen Kindern und bei Kindern mit ADHS verhindern häufig die erhöhte Ausschüttung von Melatonin in der Nacht. Das Hormon, das in der Zirbeldrüse gebildet wird, regelt den Tag- und Nachtrhythmus und wird bei zu geringer oder zu hoher Konzentration für Stimmungsschwankungen verantwortlich gemacht. Die Konzentration von Melatonin im Blut wurde bei Autisten als zu gering oder auch als zu hoch festgestellt. Beide Zustände lassen auf Schlafstörungen und Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus schließen und haben Einfluss auf das Wachstum und auf das Lern- oder Erinnerungsvermögen.
Geringer Schlafbedarf und Durchschlafstörungen beim Kind
Autistische Kinder und auch Kinder mit ADHS zeigen häufig Störungen im Schlafbedarf, der stark von den Bedürfnissen neurotypisch entwickelter Kinder abweicht. Die Unruhe, die diese Kinder schwer einschlafen und selten durchschlafen lässt, hat viele Ursachen. Eine davon ist der Melatoninspiegel im Blut, andere können mit nicht verarbeitbaren Eindrücken aus dem Alltag, Über- oder Unterforderung in der Bildung und auch mit einer Überreizung aus dem Umfeld erklärt werden. Da der ausreichende Schlaf nicht nur für das Kind, sondern auch für die Familie wichtig ist, sollte man versuchen, alle Störfaktoren so gut wie möglich auszuschalten, die einen gesunden Nachtschlaf verhindern.
Schlaflosigkeit durch geregelten Tagesrhythmus therapieren
Ein geregelter Tagesrhythmus mit immer wiederkehrenden Tätigkeiten und Aktivitäten zu gewohnten Zeiten hilft den Kindern, ihren Tag- und Nachtzyklus besser einzuhalten. Dabei sind bewegungsintensive Aktionen in ausreichend Abstand zur gewünschten Schlafenszeit festzulegen. Ein langsames Ausklingen des Tages mit Einschlafritualen kann dem Kind helfen, ruhig einzuschlafen. Da der Schlafbedarf an sich individuell verschieden ist, sollte über den Mittagsschlaf beim kleineren Kind nachgedacht werden, wenn ein Kind tagsüber schläft, braucht es nachts nicht so viele Stunden Ruhe.
Einschlafstörungen mit Ritualen verhindern
Rituale können dem Kind einen Rahmen aus Vertrautheit und Gewohnheit vermitteln, der es ruhiger werden lässt. Ein Schlaflied, eine Gute-Nacht-Geschichte, eine Spieluhr, die Nuckeltasse mit Tee oder das geliebte Kuscheltier im Arm geben den kleinen und auch größeren Kindern mit einer Störung im Bereich des Autismusspektrums die Atmosphäre zum besseren Einschlafen. Auch wenn ein Kind mit Schlafstörungen nachts aufwacht, können diese Rituale schneller wieder zum Einschlafen führen.
Auf Schlafprobleme bei Kindern richtig reagieren
Wenn Kinder nachts nicht durchschlafen trotz ausreichender Bewegung am Tage und einem geregelten Tagesablauf, sollte man einige wichtige Dinge beachten. Eine zu schnelle und überbesorgte Reaktion auf jeden Protest beim Einschlafen kann Schlafprobleme bei Kindern sogar noch fördern. Ein Kind sollte auch ein paar Minuten gegen das Zubettgehen protestieren dürfen ohne sofort von der Mutter "gerettet" zu werden, es gewöhnt sich an sein Bettchen und das Alleinschlafen besser, wenn man erst einige Minuten wartet, bevor man wieder das Schlafzimmer betritt und das Kind tröstet. Der Schlaf wird sich schneller wieder einstellen, wenn dabei kein Licht gemacht wird. Der Lichtschein verhindert die Ausschüttung von Melatonin, welches den Schlaf fördert. Die Umgebung des Bettchens umzugestalten kann auch einen wesentlichen Einfluss auf das Schlafverhalten haben, Kinder mit ADHS und mit Störungen im Bereich des Autismusspektrums benötigen einen reizarmen Schlafraum.
Hier wird ein Patient mit ADHS vorgestellt, der an massiven Schlafstörungen leidet.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - wie zum Beispiel den eines Arztes - nicht ersetzen kann.
Quellen:
Roth, I., (2009) The Autism Spectrum in the 21st Century, Latimer Trend and Company Ltd, Plymouth, The Open University
Schirmer, B. (2006) Elternleitfaden Autismus, Trias Verlag, Stuttgart
