
- Facebook: Wachstum schwächt sich ab - C.v.Gerstenberg
Die Nachricht überrascht. Bisher galt das soziale Netzwerk Facebook mit seinen bald 700 Millionen Mitgliedern weltweit als Liebling der Internetuser, und nichts und niemand schien das ungebremste Wachstum stoppen zu können. Doch nun gibt es einen herben Dämpfer für die erfolgsverwöhnten Facebook-Macher. In wichtigen Ländern wie den USA gehen die Nutzerzahlen erstmals zurück. Außerdem ist zum zweiten Mal in Folge ein weltweit geringeres Wachstum zu verzeichnen. Ist Facebook auf dem absteigenden Ast? Über die Hintergründe erfahren Sie mehr in diesem Artikel.
Hat Facebook die Grenzen seiner Expansion bereits erreicht?
An die jährlich verkündeten und rasant steigenden Erfolgszahlen bei Facebook hat man sich schon gewöhnt. Doch nun trüben neue Zahlen die Bilanzen. Zwar kann das beliebte soziale Netzwerk demnächst auf mehr als 700 Millionen Nutzer weltweit verweisen, doch gehen in einigen wichtigen Ländern die Mitgliederzahlen erstmals zurück. Das wurde in einer Erhebung des Datendienstleisters "Inside Facebook" festgestellt. Die Zahlen sind jedoch widersprüchlich und lassen derzeit noch keine eindeutige Interpretation zu, zumal sie durch saisonale Besonderheiten wie weniger aktive Nutzer im Sommer verzerrt sein könnten. Wie "Insice Facebook" mitteilte, verlor das führende soziale Netzwerk im Juni allein in den USA sechs Millionen User. Im Nachbarland Kanada musste Facebook einen Verlust von acht Prozent oder 1,52 Millionen Mitgliedern hinnehmen. Auch in Russland, Norwegen und Großbritannien verabschiedeten sich rund 100.000 Nutzer.
Obwohl die Nutzerzahlen, die im Mai 2011 bei insgesamt 687 Millionen lagen, noch ansteigen, verlangsamte sich das durchschnittliche Wachstum von Facebook im weltweiten Maßstab. Ob es sich dabei nur um ein saisonales Phänomen oder eine echte Trendwende handelt, kann derzeit schwer abgeschätzt werden. Der Rückgang der Nutzerzahlen vor allem im anglo-amerikanischen Raum sollte das weltweit größte soziale Netzwerk jedoch bedenklich stimmen, auch wenn sich der Userschwund zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in Grenzen hält. Analysten werten die nun veröffentlichten Zahlen bereits als sichere Indizien, dass Facebook inzwischen seine Expansionsgrenzen erreicht hat. Ob die sinkenden Mitgliederzahlen in wichtigen Ländern wie den USA und Kanada durch die derzeit noch nicht voll ausgeschöpften Märkte in Schwellenländern wie Mexiko, Indonesien und Brasilien kompensiert werden können, wird die Zukunft zeigen. Hier startete der Facebook-Hype erst mit Verzögerung.
Datenpannen, Eingriffe in die Privatsphäre und automatische Gesichtserkennung
Nicht alle kehren Facebook gleich den Rücken zu und löschen ihren Account. Vielmehr ist eine zunehmende Zahl von Mitgliedern zu verzeichnen, die sich über einen längeren Zeitraum nicht mehr einloggen und im Netzwerk ihre Aktivitäten einstellen. Und daran könnte Facebook sogar selbst schuld sein. Trotz des riesigen Erfolgs gibt es eine zunehmende Zahl von Skeptikern, die Facebook kritisch gegenüberstehen. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein mussten Nutzer Eingriffe in ihre Privatsphäre hinnehmen. Immer wieder kam es zu gravierenden Datenpannen. Erst in der vorigen Woche kündigte Facebook bei privaten Nutzerfotos eine automatische Gesichtserkennung an, die praktischerweise gleich voreingestellt ist und vom User unter den Einstellungen zur Privatsphäre explizit deaktiviert werden muss. Ausserdem fordert Paul Ceglia, ein ehemaliger Mitstreiter von Mark Zuckerberg, wegen angeblichen Ideenklaus die Hälfte von Facebook. Seine Anwälte haben die Klageschrift bereits eingereicht. Brechen für Facebook schwere Zeiten an?
