Schlechtes Buch über Aquaristik von J. N. Wegner

Titel über naturgetreue Aquarien - Autor/Verlag
Titel über naturgetreue Aquarien - Autor/Verlag
Aquarianer träumen schon immer davon, Aquarien naturnah zu gestalten. Ob es mithilfe dieses Buches gelingt?

Kundige wissen: Aquarien sind künstliche, offene Ökosysteme. Natürlich sind sie nie. Zum Glück. Denn die Lebensräume von Fischen, Garnelen, Schnecken und was sonst noch unter Wasser kreucht und fleucht, sehen nicht unbedingt im menschlichen Sinne schön aus. Niemand verbietet Naturromantikern, von naturgetreuen Aquarien zu träumen. Befolgen sie die Ratschläge von Wegner, wird ihr Aquarium garantiert ein Albtraum werden.

Das Buch über naturgetreue Aquarien ist als Book-on-Demand erschienen. Ob es von einem Autor oder einer Autorin stammt, geht aus den abgekürzten Vornamen nicht hervor. In der aquaristischen Fachpresse und Fachliteratur kennt den Namen niemand. Es soll Erfahrungen und Ratschläge aus dreieinhalb Jahrzehnten erlebter Praxis beinhalten, heißt es im Untertitel.

Das Inhaltsverzeichnis kündigt folgende Themen an:

  • Überlegungen vor dem Kauf
  • Bewohner eines Aquariums
  • Unterwasser-Garten
  • Becken und Komplettsets
  • Unterschrank
  • Filtersystem
  • Beleuchtung,
  • Heizen und Kühlen
  • Zusätzliche Technik für Meerwasser-Aquarien
  • Bodengrund
  • Dekoration
  • Wasser
  • Einführung in die Wasserchemie
  • Härte des Wassers,
  • Stoffkreislauf
  • Sauerstoff und CO2
  • Algen im Aquarium
  • Kläranlage im Aquarium
  • Krankheiten im Aquarium-Biotop
  • Vermehrung der Bewohner

Soweit klingt es nach einem üblichen Einsteigerbuch über Aquaristik. Es kommt anders.

Ein Buch über Aquarien ohne Bilder und Layout

Blättert man das schmale Bändchen wie ein Daumenkino durch, fällt auf: Es gibt nicht eine einzige Illustration in dieser Veröffentlichung. Die Seiten 5 bis 73 sehen aus wie ein Schreibmaschinenmanuskript in Courier. Ab Seite 74 wechselt der Flattersatz begründungslos in eine proportionale kleinere Type der Times. Dieser äußere Eindruck lässt Böses zum Inhalt ahnen.

Sachkenntnis über naturnahe Aquarien?

Unter einem naturgetreuen Aquarium versteht das Buch (S. 9 f.): ein Aquarium als geschlossenes System. Im Idealfalle seien keine Eingriffe notwendig. Empfohlen wird natürliches Sonnenlicht direkt unterm Fensterbrett. Für diese Art Aquaristik eigneten sich nur lebend gebärende Zahnkarpfen und algenfressende Buntbarsche aus dem Malawisee. Die ausgebreitete Fülle des sprachlichen und inhaltlichen Unsinns verdeutlichen Beispiele:

  • S. 19: „Da Ceratophyllum weltweit verbreitet ist, sind sie auch immer Biotop-gerecht, egal was für eine Landschaft sie nachbilden wollen.“
  • S. 28: „Ein Aquarienfilter stellt im übertragenden Sinne etwa den Airbag des Aquariums dar.“
  • S. 31: „... wer seinen Fischbesatz nach seiner persönlichen Wohlfühl-Temperatur auswählt, der kann sowohl auf eine zusätzliche Heizung, wie auch auf Kühlaggregate verzichten.“
  • S. 44: „... der überwiegende Teil der für das Aquarium geeigneten Fische verendet ohne Wasser innerhalb weniger Minuten.“
  • S. 52: „... die Unterwasserwelt ist normalerweise stumm, und wenn etwas riecht, dann ist meistens im wahrsten Sinne des Wortes etwas faul.“
  • S. 59: „KH/GH und PH-Werte, die Stress für alle Bewohner bedeuten, und schon deshalb abzulehnen sind.“
  • S. 74: „... kann ich rückwirkend sagen, dass ich Krankheiten der Aquarienfische noch nie benötigt habe.“

Wer mehr davon möchte, verschafft sich vor einem Fehlkauf online einen Eindruck.

Der Autor oder die Autorin fällt das Urteil auf Seite 9 selbst: „Leider sind manche so unprofessionell geschrieben, sodass ein Misslingen schon vorprogrammiert ist.“ Diesen Text über Aquarien braucht niemand.

J. N. Wegner: Das Naturgetreue Aquarium. Erfahrungen und Ratschläge aus 35 Jahren erlebter Aquaristik. Books on Demand Norderstedt 2010. Paperback. 87 Seiten. 14,90 Euro

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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