
- Frau in Burka - niomix2008
Sowohl die Burka, ein Kleidungsstück das der vollkommen Verschleierung des Körpers dient, als auch der Nikab (oft auch „Niqab“ geschrieben), sieht in Frankreich düsteren Zeiten entgegen. Eine Vollverschleierung in der Öffentlichkeit ist seit dem 11. April per Gesetz in Frankreich nicht mehr gestattet und kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Dass diese Maßnahme von der muslimischen Gemeinde in Frankreich nicht kampflos hingenommen wird, war dem Gesetzgeber bewusst und die Durchsetzung gestaltet sich als schwierig.
Nikab und Burka: Frankreichs Strafkatalog
Werden Frauen in Frankreich vollverschleiert angetroffen, so müssen sie mit einem Bußgeld von 150 Euro rechnen. Das tragen von Nikab oder Burka ist allerdings nicht nur auf öffentlichen Plätzen untersagt, auch im Zug, bei Gericht, in Ämtern, in Krankenhäusern und Schulen ist die Vollverschleierung zukünftig verboten. Männer, die nachweislich ihre Frauen zu einer Vollverschleierung zwingen, kommen dabei weniger glimpflich davon. Sie müssen mit einer Geldstrafe von bis zu 60.000 Euro und zwei Jahren Haft rechnen.
Proteste und Streit um Frankreichs Schleierverbot
Mehr als fünf Millionen Menschen zählt die Muslimgemeinde in Frankreich, was sie zur größten in ganz Europa macht. Bereits Mitte 2010, als das Gesetz zum Vollverschleierungsverbot auf den Weg gebracht worden ist, regte sich Widerstand in den zahllosen islamischen Gemeinden. Während Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy davon redete, dass die Vollverschleierung an den Werten der Republik rüttele und es eine menschenverachtende Methode sei, um Frauen zu unterdrücken, reagierten die Muslimas selbst mit heftigem Widerspruch. Sie pochten auf die freie Ausübung ihrer Religion, gepaart mit der Tatsache, dass es erlaubt sein müsse hinzugehen wo man wolle. Bereits kurz nach in Kraft Treten des Gesetzes wurden Stimmen laut, die eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof anstreben.
Polizei fürchtet schwierige Umsetzung
Was bereits politisch ein wahrer Kraftakt war, zeigt sich in der Realität als noch viel problematischer. Wird eine verschleierte Frau in der Öffentlichkeit angetroffen, ist es die Aufgabe der Polizei sie auf den vermeintlichen Missstand hinzuweisen. Es kann dementsprechend auch ein Strafzettel ausgestellt werden. Komplizierter wird es jedoch, wenn die Frau sich weigert, den Schleier abzulegen, denn zwingen kann sie die Polizei dazu nicht. Laut Informationen des SPIEGEL wurde vom französischen Innenministerium die Weisung gegeben, unter keinen Umständen Gewalt anzuwenden. Viele Polizisten sind bei einer derartigen Gesetzeslage zurecht irritiert und geben ihrer Sorge Ausdruck, dass es in den zahlreichen sozialen Brennpunkten französischer Städte durchaus sehr ungemütlich werden könnte.
Vor der Kirche in Notre Dame in Paris kam es bereits zu ersten Demonstrationen gegen das Schleierverbot und es werden wohl nicht die letzten sein. Die Demonstration in Paris wurde von der Polizei zügig aufgelöst. Allerdings ginge es dabei lediglich um die Tatsache, dass es sich um eine unangemeldete Demonstration gehandelt habe. Das verschleierte Freuen daran teilgenommen haben, hatte nichts mit dem Eingreifen zu tun, so die offizielle Stellungnahme.
Quellen:
- Le Parisien: Le voile integral banni de la rue
- Courrier international: Burqa, islam : le debat continue
