Schleswig-Holstein: Von Boetticher tritt aus Landespolitik ab

Jost de Jager ist Spitzenkandidat - Thomas Eisenkrätzer
Jost de Jager ist Spitzenkandidat - Thomas Eisenkrätzer
Als Nachfolger des bisherigen Spitzenkandidaten Christian von Boetticher soll Jost de Jager am 24. September auf einem CDU-Sonderparteitag gewählt werden.

Erst am 6. Mai 2011 hatte der Landesparteitag der schleswig-holsteinischen CDU Christian von Bötticher mit überwältigender Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Mai 2012 gewählt. Am 4. November 2011 sollte in Lübeck seine offizielle Nominierung erfolgen. Nun soll Wirtschaftsminister Jost de Jager in den Zeitplan seines gescheiterten Vorgängers eintreten: Bereits am 16. August ernannte ihn die CDU-Landtagsfraktion zum neuen Spitzenkandidaten. Am 24. September findet der Sonderparteitag der CDU zur Wahl des Landesvorsitzenden Jost de Jager statt und am 4. November soll auf dem planmäßigen Landesparteitag der CDU Schleswig-Holstein die offizielle Benennung de Jagers als Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. Mai 2012 erfolgen.

Christian von Boetticher zieht sich zurück

Christian von Boetticher war der Hoffnungsträger der schleswig-holsteinischen CDU. Der „Kronprinz“ von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen war Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahlen im Mai 2012, sollte Carstensen als Ministerpräsident beerben und war deshalb im Herbst 2010 bereits zum neuen Landesvorsitzenden der CDU als Nachfolger von Carstensen gewählt worden. Von Boetticher scheiterte an der Liaison mit einer Minderjährigen, trat zurück und nimmt bis zum Ablauf der Wahlperiode sein Landtagsmandat „nur noch als einfacher Abgeordneter“ war. Eine erneute Kandidatur auf Landesebene und für den Landtag schloss von Boetticher aus. Allerdings betonte von Boetticher am 16. November gegenüber den Kieler Nachrichten, dass er sich am Abend in seinem Heimatwahlkreis Pinneberg erneut um das Amt des Vizevorsitzenden des Kreisverbandes bewerben wolle, weil er sich die Politik als Standbein neben seinem Beruf weiterhin vorstellen könne

Seine Abkehr von der Landespolitik war mit Erleichterung aufgenommen worden, weil er schlechten Stil gezeigt hatte. Grund für die Erleichterung ist nicht so sehr seine Liaison mit einer 16 Jahre alten Schülerin als vielmehr sein Umgang mit der Affäre. Der Politiker hatte die Liebesaffäre mit den Worten „Es war schlichtweg Liebe" beschrieben, aber 2010 schon nach wenigen Monaten beendet, als deutlich wurde, dass Schleswig-Holstein bald wählen werde. Auf völliges Unverständnis stieß die Tatsache, dass er nach Beendigung seiner Liebe zu einer Minderjährigen eine „langjährige Lebensgefährtin“ heiratete, aber zu diesem Thema bis heute schweigt.

Seine berufliche Zukunft sieht der Jurist Boetticher nun in der freien Wirtschaft.

Jost de Jager ist der neue Spitzenkandidat

Dem offiziell nur fünf Monate als Landesvorsitzenden geführten Christian von Boetticher wird der 46-jährige schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Jost de Jager nachfolgen. Jost de Jager gilt als grundsolider, scharfsinniger und zuverlässiger Fachmann, der als Politiker ohne Allüren und Drang im Rampenlicht auftritt. Zu diesem Erscheinungsbild gehört auch, dass er sich beraten lässt, dann eine Entscheidung trifft und sie auch durchsetzt. Und stressresistent scheint er auch zu sein.

Angesichts des pragmatischen Gegenkandidaten der SPD ohne viel Charisma, den Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig, dürften die Wahlchancen Jost de Jagers ziemlich gut stehen.

Quellen: Kieler Nachrichten vom 17.9.11, CDU Schleswig-Holstein

Bildnachweis: © Thomas Eisenkrätzer

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

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