
- Schloss Boitzenburg - Harald Rossa
Das Schloss Boitzenburg ist ein historisch wie architektonisch bedeutendes Herrenhaus im Ort Boitzenburg in der Gemeinde Boitzenburger Land in der Uckermark. Über Jahrhunderte war hier ein Zweig der Familie von Arnim auf einem der größten Güter der Mark Brandenburg ansässig. Nach 1945 nutzte die Nationale Volksarmee das Haus als Erholungsheim. Nach der Wiedervereinigung wurde es restauriert und zu einem Kinder- und Jugendhotel umgestaltet.
Die Geschichte von Burg und Schloss Boitzenburg
Eine Burg des Ritters Dietrich von Kerkow in Boitzenburg wurde erstmals 1276 erwähnt. 1528 Boitzenburg erwarb Hans VIII. von Arnim Boitzenburg mit seiner Burganlage im Tausch gegen das Schloss in Zehdenick.
Dann folgte der Umbau zu einem Schloss. 1537/38 entstand im Stil der Renaissance das Oberhaus, das weitgehend in seinen ursprünglichen Formen erhalten ist. Um 1600 entstand unter Berndt IV. von Arnim das Unterhaus. Das wurde mehrfach umfassend verändert. Doch aus der Zeit des Hans Georg von Arnim (1582 bis 1641) haben sich die Stuckarbeiten an der Gewölbedecke und am Kamin im Jagdzimmer erhalten.
Zwischen 1740 und 1750 wurde unter dem preußischen Staatsminister Georg Dietloff von Arnim (1679 bis 1753) das Unterhaus durch den Anbau zweier neuer Flügel zu eine barocken Dreiflügelanlage umgestaltet. Er schuf so u. a. den Platz für die von ihm erweiterte Bibliotek. Auch der Garten wurde barock gestaltet. Friedrich Wilhelm von Arnim (1739 bis 1801) ließ ab 1764 die Umgebung des Schlosses nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks gestalten. Der preußische Baumeister Carl Gotthard Langhans schuf Bauten im Park, darunter die im Volksmund Löwentempel genannte Begräbnisstätte und der Dianatempel, sowie den Marstall. Im Löwentempel stand die Marmorstatue einer trauernden Frau von Johann Gottfried Schadow. Die steht heute im Schlosspark.1827 arbeitete Peter Josef Lenné an der Verschönerung des Schlossparks.
Das barocke Unterhaus wurde zwischen 1838 und 1842 von Friedrich August Stüler im Tudorstil umgestaltet. Schon 1881 bis 1884 wurde das Schloss noch einmal nach Plänen von Carl Doflein vollständig im Stil der Neorenaissance umgestaltet und seinem ursprünglichen Aussehen wieder angenähert. In dieser Form ist es noch heute erhalten.
Schloss Boitzenburg nach 1945
Die Familie von Arnim wurde enteignet. Das Inventar einschließlich der wertvollen Bibliothek des Schlosses ging nach 1945 weitgehend verloren. Das Archiv der Familie wurde vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv übernommen. Das Haus wurde zunächst von der Kasernierten Volkspolizei und später von der Nationalen Volksarmee bis 1990 als Erholungsheim genutzt. In dieser Zeit wurde das so genannte Wiesenhaus im Park erbaut, das 1989 fertig wurde.
Schloss Boitzenburg heute
Nach der Wende erwarb der Hamburger Investor Oliver Erbacher das renovierungsbedürftige Schloss. Von 1999 bis 2005 wurde das Schloss Boitzenburg umfassend restauriert. Um den Investor entwickelte sich ein Skandal um einen vermuteten Subventionsbetrug.
Seit 2003 ist das Schloss Boitzenburg ein Jugend- und Familienhotel mit Restaurant Der Marstall bietet inzwischen eine interessante Erlebnisgastronomie mit Schaubäckerei, Schokoladenmanufaktur und Kaffeerösterei.
Anschrift: Schloss Boitzenburg, Templiner Straße 13, D-17268 Boitzenburger Land
Literatur zum Schloss Boitzenburg
- Beatrix Bluhm, Detlev von Heydebrand und Hans-Joachim Stahl: Schloss Boitzenburg in der Uckermark, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk Angermünde 2011, ISBN: 978-3-98117-037-5
- Matthias Barth: Herrenhäuser und Landsitze in Brandenburg und Berlin. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn Würzburg 2009, ISBN 978-3-87057-292-1
- Detlev von Heydebrand: Boitzenburg. Herausgegeben vom Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, ISBN 3-87584-416-5
Weitere Quellen
- Gemeinde Boitzenburger Land
- Schloss Boitzenburg
- Marstall Boitzenburg
- Axel Lier: Subventionsbetrug um Schloss Boitzenburg. In: Welt online vom 28.09.2005
