Schloss Glienicke: Meisterwerke preußischer Wohnkultur zurück

Kanapee unter Friedrich Wilhelm III.  von Schrader - Harald Rossa
Kanapee unter Friedrich Wilhelm III. von Schrader - Harald Rossa
Schloss Glienicke ist erst mühsam wieder zum Schloss geworden. Nun konnten Möbel, die wahrscheinlich zur Erstausstattung gehörten, wieder erworben werden.

Einen glücklichen Griff gelang der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am Anfang des Jahres 2011. Am 10. Juni 2011 stellte sie im Schloss Glienicke in Berlin-Wannsee den sensationellen Erwerb einer Sitzmöbelgruppe vor, die vermutlich von Karl Friedrich Schinkel für den Prinzen Carl von Preußen geschaffen wurde.

Seit der Wiedervereinigung hat die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg intensiv an der Erhaltung der Bausubstanz und der Wiederherstellung der Parkanlagen des Schlosses Glienicke gearbeitet. Da sich in diesem Schloss keine originale Möblierung erhalten hatte, ist die Rückkehr der Sitzgruppe nach Schinkels Entwurf eine einmalige Gelegenheit gewesen, mit dieser zumindest den Hauptraum des Obergeschosses seinem ursprünglichen Erscheinungsbild sehr nahe zu bringen.

Das Schicksal der Sitzgruppe

Die nun wieder in das Schloss Glienicke heimgekehrte Gruppe aus einer Sitzbank, 3 Stühlen mit Armlehnen und 3 einfachen Stühlen ist wohl einst für das Berliner Schloss Glienicke im Auftrag des Prinzen Carl von Preußen (1801–1883) um 1825 von Karl Friedrich Schinkel entworfen wurden. Überliefert ist eine Entwurfsskizze Schinkels, die sich im Berliner Kupferstichkabinett befindet. Indizien untermauern den Schluss, dass es sich um Sitzmöbel der ursprünglichen Ausstattung des Schlosses Glienicke handeln muss.

Prinz Carl hatte sich von Schinkel um 1825 das Landschlösschen Glienicke vor den Toren Berlins am Rande der Potsdamer Parklandschaft nach seinen Vorstellungen bauen und ausstatten lassen. Vermutlich hat der Enkel des Prinzen Carl, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, die Möbel in seine Villa Favorita im schweizerischen Lugano bringen lassen. Von dort sind sie dann später verkauft worden.

Der Hamburger Kunsthändler Frank C. Möller entdeckte die Sitzgruppe bei einem Antiquitätenhändler in Italien. Er erkannte, um was es sich hier handeln musste, und erwarb für Fine Arts die Stücke. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg konnte dank einer Spende der Rudolf-August-Oetker-Stiftung über die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. sowie der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Stiftung „pro Sanssouci" und weiterer privater Spender und Förderer diese Möbel erwerben.

Die Sitzgruppe im Schloss Glienicke

Es sind prunkvolle Stücke mit fast vollständig erhaltener originaler Vergoldung, filigraner Schnitzarbeit und bester handwerklicher Ausführung. So sind die Möbel ein außergewöhnliches Zeugnis der höfischen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Die aufgelegten Blätter der Beine und die seitlichen Rosetten an dieser Gruppe bestehen aus der für Schinkels Schaffen häufig anzutreffenden rötlichen Masse, der so genannten Holzbronze.

Die Sitzgruppe besteht aus einem Kanapee, drei Sesseln und drei Polsterstühlen in einen ungewöhnlich guten Erhaltungszustand. Die matt vergoldeten Oberflächen sind weitgehend intakt. Die besondere Qualität dieser Stücke liegt in der Vergoldung, der filigranen Schnitzarbeit und in der ausgereiften Konstruktion. Sie ist nach einer im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrten Entwurfszeichnung Schinkels ausgeführt. Die handschriftliche Bezeichnung des Blattes lautet „Gold purpur, Großes Zimmer". So gab Schinkel die Vergoldung, eine Farbe und einen Raumtyp vor.

Im Roten Salon von Schloss Glienicke lässt sich mit diesen Sitzmöbeln die ursprüngliche Ausstattung des Raumes nachvollziehen. Im Zusammenspiel von Raum und Möblierung erschließt sich die Raumnutzung, die Persönlichkeit der Auftraggeber und die Qualität der Kunstwerke.

Weiter neu in Gliencke

Im Mai 2011 wurde in der Remise am Schloss Glienicke das Cafe Lenné neu eröffnet. Hier kann ein Gang durch Schloss und Park angenehm ausklingen. Kaffee und Kuchen oder auch kleine Speisen gibt es hier. Dazu eine kleine aber feine Auswahl an Weinen. So ist der Park Glienicke noch ein bisschen anziehender geworden.

Mehr zum Thema

Sehr ausführlich wird über diese Möbel in Arsprototo, dem Magazin der Kulturstiftung der Länder, über diese Möbel berichtet.

  • Cristina Tillmann: Sessel für „Prinz Charles“. In: Arsprototo, Heft 2/2011, Seiten 20 bis 25

Quellen

  1. Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
  2. Dr. Henriette Graf, Kustodin für Möbel der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
  3. Isabelle Pfeifer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder
  4. Andreas Graf von Hardenberg, Vorsitzender der Freunde der preußischen Schlösser und Gärten e.V.
  5. Dr. Ulrich Henze, Pressesprecher der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
  6. Pressemitteilung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vom 10. Juni 2011
  7. Cristina Tillmann: Sessel für „Prinz Charles“. In: Arsprototo, Heft 2/2011, Seiten 20 bis 25
  8. Cafe Lenné