Schloss Hohenschwangau, ein unterschätztes Kulturdenkmal

Schloss Hohenschwangau - Jörg sommer / pixelio.de
Schloss Hohenschwangau - Jörg sommer / pixelio.de
Im Allgäuer Königswinkel führt das Schloss Hohenschwangau ein unverdientes Schattendasein.

Während das Schloss Neuschwanstein jährlich rund 1,3 Millionen Besucher verzeichnet, fällt das Interesse am benachbarten Schloss Hohenschwangau, der Kinderstube Ludwigs II., eher bescheiden aus. Dabei handelt es sich hier doch um ein bedeutendes bayerisches Kulturdenkmal. Der im neugotischen Stil errichtete Bau mit seiner prächtigen Innenausstattung stellt gerade für den an Architektur und Malerei interessierten Besucher eine wahre Fundgrube dar.

Die Historie von Schloss Hohenschwangau

Die Geschichte des Schlosses geht bis auf das welfische Ministerialengeschlecht der Schwangauer zurück, die von den sechs Burgen Vorder- und Hinterschwangau, Schwanstein, Frauenstein, Simpertsturm und Tannenburg aus die Herrschaft über das Gebiet um Füssen ausübten. Welf d. Ä. besaß auf dem Felsen, auf dem heute Neuschwanstein steht, eine Doppelburg, die 1090 unter dem Namen " castrum Swangowe" erwähnt wird, und 1397spricht eine Quelle von einem "Turn genannt der Swan", der sich am heutigen Standort von Schloss Hohenschwangau befunden hat und später auch als Burg Schwanstein bezeichnet wurde.

Die Edlen von Schwangau, deren bekanntester Vertreter der Minnesänger Hiltbold von Schwangau ist, besaßen die Burganlage bis 1535, ehe das Augsburger Patriziergeschlecht Baumgartner die inzwischen schon baufällige Burg erwarb und von italienischen Baumeistern wieder aufbauen ließ. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte war die Anlage wegen des ständigen Besitzerwechsels und kriegerischer Ereignisse zur Ruine verkommen und sollte schon abgerissen werden. Da entschloss sich Kronprinz Maximilian, der spätere König Maximilian II. von Bayern, die verfallene Burg, die er auf einem Jagdausflug entdeckt hatte, zu kaufen. Der junge Wittelbacher beauftragte den Architekturmaler Domenico Quaglio mit dem Umbau der Ruine im neugotischen Stil. Die Innenausstattung mit über 90 Wandbildern lag vornehmlich in den Händen des Malers Moritz von Schwind, der als der bekannteste Verteter der Spätromantik gilt. Unterstützt wurde Schwind von dem bedeutenden Prähistoriker, Historienmaler und Lithografen Ludwig Lindenschmit d. Ä. und von dem Architekten Joseph Daniel Ohlmüller, der dem verstorbenen Domenico Quaglio nachfolgte. Es entstand ein kunsthistorisches Juwel, das bis heute in seinem Originalzustand besichtigt werden kann.

Nur der Schwanseepark - einst nach den Plänen des berühmten Gartenarchitekten Peter Joseph Lenne´ angelegt - ist leider inzwischen zum größten Teil verwildert.

Prachtvolle Innenausstattung des Schlosses

Der Festsaal, auch häufig als Helden- oder Rittersaal bezeichnet, mit seiner prächtigen Stuckdecke, neugotischen Verzierungen auf rosa Grund und Stützen,die von gotischen Vierpässen durchbrochen sind, erstreckt sich über die ganze Breite des Schlosses und bildet das Herzstück der Anlage.

König Maximilian ließ in Erinnerung an seine Reiseeindrücke aus Griechenland und vor allem aus der Türkei im orientalischen Stil das Orientzimmer einrichten, das seiner Gemahlin, Königin Marie, als Schlafzimmer diente. Marie von Bayern lebte nach dem Tod ihres Sohnes Ludwig 1886 noch drei Jahre auf Schloss Hohenschwangau und ist dort auch gestorben.

Insbesondere romantisch verklärte geschichtliche Motive faszinierten König Maximilian. Zeugnis dafür ist das Berchtazimmer, nach der Mutter Karls des Großen Berchta benannt und Schreibzimmer der Königin, mit Wandmalereien,welche die Sage von der Geburt Karls des Großen darstellen. Oder das Hohenstaufenzimmer, der Ankleideraum des Königs und später das Musikzimmer Ludwigs II., mit farbenprächtigen Motiven aus der bewegten Geschichte der Staufer.

Schließlich ist das Schlafzimmer Maximilians, dasTassozimmer, eine Hommage an den Dichter Torquato Tasso. Der durchgehend ohne Unterteilung ausgemalte Raum zeigt die Geschichte von Armida und Rinaldo nach Tassos epischem Gedicht "Das befreite Jerusalem".

Das Schloss befindet sich heute nicht mehr im Besitz der Wittelsbacher, sondern wird vom sogenannten Wittelsbacher Ausgleichsfonds verwaltet, der für den Erhalt des Schlosses zu sorgen hat.

Quellen

  • Professor Karl Bosl:Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd.7,Bayern, Alfred Kröner Verlag Stuttgart
  • Informationen des Ticket-Centers Hohenschwangau

Heinz Bayer - Ruhestand - endlich Zeit, meine Leidenschaft für das Schreiben voll auszuleben! Ich habe zwar während meiner beruflichen ...

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