
- Rickmer Rickmers - Thies Friedrich Völker 15.7.2010
Unter den zahlreichen Museumsschiffen Hamburgs nimmt die Dreimast-Bark Rickmer Rickmers eine ganz besondere Stellung ein. Das 97 Meter lange und 12 Meter breite Stahlschiff steht stellvertretend für die häufig zu Hunderten gleichzeitig in Hamburg liegenden Großfrachtsegler, die im 19. Jahrhundert das Bild des weltberühmten Hafens prägten und den Reichtum der Handelsmetropole sicherten.
Bremerhavener Schönheit
Auf der von dem überaus erfolgreichen und innovativen Werftbesitzer, Reeder und Reismühlenunternehmer Rickmer Clasen Rickmers gegründeten Rickmers-Werft in Bremerhaven lief das nach dem Enkel des Werftgründers benannte Stahlschiff als Baunummer 92 im August 1896 vom Stapel. Das schlanke Schiff war zunächst als Vollschiff getakelt und fuhr zumeist Fernost- und Amerika-Routen. 1904 wurde es dann nach schweren Sturmschäden in Kapstadt zur Bark umgerüstet: Der Achtermast ist seitdem im Gegensatz zu den beiden vorderen Rahsegel-Masten mit Gaffelsegel getakelt. 1912 wurde die Bark von der Rickmers-Reederei an die Hamburger Reederei Krabbenhöft verkauft und in Max umgetauft.
In portugiesischem Staatsdienst
Nach dem Kriegseintritt Portugals 1916 wurde die Max, die seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im portugiesischen Azoren-Hafen Horta gelegen hatte, beschlagnahmt. Als Flores transportierte das Schiff in den nächsten zwei Jahren Kriegsmaterial für die Entente. 1924 übernahm Portugals Marine das Beuteschiff als Segelschulschiff Sagres in Dienst. Die 1930 mit Diesel-Hilfsmotoren ausgerüstete Sagres war eine gern gesehene Attraktion auf den Großsegler-Regatten der Welt. Unter anderem gewann sie 1958 die damals zum zweiten Mal ausgerichtete renommierte Tall Ship´s Race Regatta. Vier Jahre später wurde sie von der Sagres (II), ebenfalls ein ehemaliger deutscher Segler, als schwimmende Marineschule abgelöst und seitdem als Depotschiff Santo Andre verwendet.
Rettung in letzter Minute
Der Hamburger Schiffsliebhaber Wilhelm „Fiete“ Schmidt hatte 1974 einen Verein gegründet, der die Erinnerung an die Windjammer-Vergangenheit des Hamburger Hafens pflegen wollte. Ab 1978 betrieb der „Verein Windjammer für Hamburg“ das Projekt „Rickmer Rickmers für Hamburg“ und tatsächlich gelang es 1983, das kurz vor dem Zerfall stehende Segelschiff zu erwerben und nach Hamburg zu bringen. Hier, am Fiete-Schmidt-Anleger Ponton 1a, fand es 1987 unter dem Taufnamen nach mehreren Jahren der Restaurierung wieder eine würdige Anlegestelle. Die das Schiff als Museum betreibende Stiftung „Museumsschiff Rickmer Rickmers “ finanziert sich ausschließlich aus Spenden und eigenerwirtschafteten Mitteln wie Museumseintritt,. Kulturveranstaltungen oder Vermietung des bordeigenen Restaurants. Zu den von der Stiftung alljährlich gekürten Ehrenkapitänen der Rickmer Rickmers zählen der Polarschiffer Arved Fuchs, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und Fußballlegende Uwe Seeler.
Quellen:
Kurt Gerdau, Rickmer Rickmers: ein Windjammer für Hamburg; Herford 1983
Otto Bönisch, Welt der Segelschulschiffe; Herford 1994
