
- Köder in der Schneckenfalle - Gerhard Ott
In fast jedem Aquarium gibt es Schnecken. Sie sind des Einen Freud, des Anderen Leid‘. Schneckenliebhaber pflegen die behausten Weichtiere, weil sie schön sind. Oder wegen einer interessanten Lebensweise. Pflanzenliebhaber mögen solche Arten nicht, die zarte Pflanzen fressen. Was aber macht man, wenn sie sich so eifrig vermehren, dass sie zur Plage werden?
Schnecken bekämpfen ohne giftige Chemie
Gifte einzusetzen hatte schon immer mehr Nachteile als Vorteile. Damit die toten Schnecken nicht im Aquarium verwesen und das Wasser verpesten, musste man sie absammeln. Die heutige Gesetzeslage verbietet fast alle chemisch wirkenden Anti-Schneckenmittel. Eine Aquaristik-Firma bietet deshalb eine mechanische Schneckenfalle an. Sie arbeitet ohne Chemie.
Schneckenfalle funktioniert wie eine Fischreuse
Die Falle ist dem Prinzip einer Reuse ähnlich. Ein Köder wird in einer nur auf einer Einbahnstraße zu erreichenden Kammer auslegt. Die Schnecken werden vom Geruch des Futters angelockt. Sie krabbeln durch eine Klappe aus kammähnlichen Zinken in die Fallgrube.
Das Gerät aus durchsichtigem Kunststoff ist ungefähr so groß wie ein Handteller. Von der Seite sieht es ein bisschen wie eine fliegende Untertasse aus. Mit Bildern ist auf der Packung die Handhabung international verständlich erläutert. Das UFO kann man auseinandernehmen. Die runde Bodenplatte enthält in der Mitte eine kleine Haube, unter der ein Köder steckt. Eine Tablette Fischfutter wird mitgeliefert. Auch Stückchen von Zucchini, Möhre oder getrocknete Garnelen oder Bachflohkrebse (Gammarus) sind brauchbare Schneckenköder. Der obere Teil des Raumschiffs wird darüber gestülpt. Dabei müssen die beweglichen Kammzinken nach innen geklappt sein. Das funktioniert am besten, wenn man das Oberteil in einer Hand hält, die Zinken einklappt und Boden kopfüber darauf drückt. Nun wird die Konstruktion richtig herum ins Aquarium gestellt. Der Verschlusskamm legt sich dann sanft vor die Einlassöffnungen.
Schneckenfalle nur nachts anwenden
Der Hersteller weist darauf hin, dass die Schneckenfalle nur in der Nacht angewendet werden soll. Der Grund dafür ist klar: Nicht nur Schnecken wittern den Köder, sondern auch die Fische im Aquarium. Kleine Aquarienfische schlüpfen durch die beweglichen Zinken der Kämme an den beiden Einlässen und finden nicht mehr heraus. Die neue Version dieser mechanischen Schneckenfalle besitzt verschiebbare Stäbchen, welche eine veränderbare Höhenbegrenzung am Einlass ergeben. Dies soll verhindern, dass Fische versehentlich hineinschwimmen.
Die Schnecken wittern den Köder, heben beim Hineinkriechen die Zinken an, die sich hinter ihnen wieder senken. Die Schnecken sind gefangen. „Zwei Einlassöffnungen ermöglichen eine Wasserdurchströmung sowie höhere Fangquoten“, so der Hersteller in einer Pressemitteilung des Aquaristik-Fachmagazins. Der Einsatz in der Praxis soll wie folgt ablaufen: Reinstellen. Eine Nacht warten. Morgens mit Schnecken gefüllt herausnehmen.
Funktioniert die Schneckenfalle?
Sie funktioniert, wenn nicht überall im Aquarium reichlich Futter für die Schnecken vorhanden ist. Dann ist die Fangquote gering. Überzähliges Fischfutter ist die Hauptursache für eine Schneckenplage. Die Praxis zeigte, dass für verschiedene Schneckenarten unterschiedliche Futterköder attraktiv sind. Je nach Stärke des Befalls mit Schnecken muss die Falle mehrere Nächte hintereinander eingesetzt werden.
Die Falle sollte regelmäßig kontrolliert werden. Einige Fische dringen nämlich doch bis zu dem Köder vor. Bodenbewohnende, dämmerungs- und nachtaktive Fische wie Dornaugen (Pangio) und andere Schmerlen sind schneller als die Schnecken. Auf jeden Fall ist die Schneckenfalle umweltschonender als ein Gifteinsatz. Ob es auch ein Netzsäckchen mit einem Ködern tut, an dem sich die Schnecken nachts sammeln, kann jeder Aquarianer selbst entscheiden.
Entflohene Futtertiere wieder einfangen
Eine weitere Anwendung des Gerätes gibt es für Terrarianer. Sie verfüttern an ihre Pfleglinge oft Heimchen, Grillen und Schaben. Mit der Schneckenreuse können entlaufene Futtertiere eingefangen werden, wenn ein geeigneter Köder verwendet wird. Das wurde noch nicht getestet.
